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Ausgabe 123-3/2010

HANNI UND NANNI

Produktion: UFA Cinema / Gesellschaft für Feine Filme / ZDF; Deutschland 2010 – Regie: Christine Hartmann – Buch: Jane Ainscough, Katharina Reschke, nach Charakteren von Enid Blyton– Kamera: Alexander Fischerkoesen – Schnitt: Horst Reiter – Darsteller: Sophia Münster (Hanna "Hanni" Sullivan), Jana Münster (Marianne "Nanni" Sullivan), Heino Ferch (George Sullivan), Anja Kling (Julie Sullivan), Hannelore Elsner (Frau Theobald), Katharina Thalbach (Mademoiselle Bertoux) u.v.a. – Länge: 90 Min. – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Universal – Alterseignung: ab 8 J.

Es war leider nicht zu vermeiden: Wieder ist eine Jugendbuchklassiker-Bastion der Leinwand zum Opfer gefallen. Diesmal hat es Enid Blytons legendäre Zwillings-Abenteuer "Hanni und Nanni" erwischt. Natürlich wurde das Paradebeispiel erfolgreicher Trivialliteratur, das ja ursprünglich in einem englischen Internat der 1940er-Jahre spielt, entsprechend auffrisiert, modernisiert und – wie es damals schon bei den Buchfassungen der Fall war – ordentlich eingedeutscht. Allerdings nicht zu seinem Besten. Das spürt man schon beim Vorspann, wenn zu peppiger Popmusik im videoclipartigen MTV-Stil geschnittene Berlin-Bilder des 21. Jahrhunderts die sehr junge Zielgruppe auf das Kommende einstimmen soll. Mittendrin im Geschehen: Hanni, die gerade mit Hockeyschläger und Ball in einem Luxuskaufhaus einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen will. Dies gelingt zwar, doch werden sie und ihre Schwester Nanni kurz darauf Opfer einer Intrige, die die Zwillinge als Diebinnen erscheinen lässt. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Die auffällig gewordenen Mädchen werden von den empörten Eltern (Heino Ferch und Anja Kling, mittlerweile schon so etwas wie die Mutter der Nation) ins Internat Lindenhof, wo einst schon die Mama Mores lernte, strafversetzt. Dort angekommen, werden die Zwillinge von der gestrengen Konrektorin Mägerlein (Suzanne von Borsody kommt kein Lächeln über die Lippen) schon einmal darauf eingestimmt, dass in dieser Anstalt die Pflichten im Vergleich zu den Rechten deutlich überwiegen. Doch weder die vorlaute Hockeyspielerin Hanni noch die schüchterne Cellistin Nanni lassen sich davon allzu sehr beeindrucken. Und als sie nach diversen Startschwierigkeiten zahlreiche Freundinnen finden, gelingt es dem Zwillings-Power-Duo nicht nur, das marode Hockeyteam auf Vordermann zu bringen, sie schaffen es sogar, das finanziell in Schieflage geratene Internat vor der drohenden Schließung zu retten.

Eitel Sonnenschein, viel gute Laune und ein paar wenige lösbare Kleine-Mädchen-Probleme stellt Christine Hartmann, die bisher vor allem TV-Serien ("Tatort", "Polizeiruf 110", "Kommissar Stolberg") inszenierte, ins Zentrum ihres Kinoregiedebüts. Weniger Wert legt sie dagegen auf eine stringente Handlung, sie reiht vielmehr Episode an Episode – ob spektakuläres Matratzenrennen im Schulturm, witzige Pferdeentführung oder knallhartes Hockeytraining. Das nimmt dem Film einiges an Spannung und Tempo, etwas versöhnlich sind dafür die Auftritte von Katharina Thalbach als Musiklehrerin Mademoiselle Bertoux mit wunderbarem französischem Akzent oder Sunnyi Melles als weltfremde wie stinkreiche Mutter einer Schülerin. Die Münster-Zwillinge sind hübsch, süß und sympathisch, man merkt ihnen jedoch in jeder Szene die mangelnde Leinwanderfahrung an, Oliver Pochers Auftritt als Kaufhauspolizist ist völlig unwitzig, wie überhaupt das Timing der Gags zu wünschen übrig lässt und es dem ganzen Film an Wärme, Ehrlichkeit und Herzlichkeit fehlt. Weil auch noch der Speisesaal dem aus Hogwarts ähnelt, Internatsleiterin Hannelore Elsner in ihrem albernen Kaftan ein bisschen so aussieht wie Dumbledore ohne Bart, und Ausstattung, Kostüme sowie Soundtrack genau das bedienen, was kleine Mädchen mögen, bleibt dann nicht mehr viel übrig vom einstigen Charme von Blytons nunmehr 45 Jahre alten Internatsgeschichten.

Thomas Lassonczyk

 

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KJK-Ausgabe 123/2010

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