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Ausgabe 123-3/2010

DAS SANDMÄNNCHEN – ABENTEUER IM TRAUMLAND

Produktion: Scopas Medien AG, in Koproduktion mit RBB, MDR, NDR, KI.KA und Amuse Films S.A.R.L.; Deutschland 2010 – Regie: Sinem Sakaoglu und Jesper Møller – Regie Realfilm-Sequenzen: Helmut Fischer – Buch: Katharina Reschke, Jan Strathmann – Kamera: Angela Poschet – Schnitt: Ringo Hess – Musik: Oliver Heuss – Sprecher: Volker Lechtenbrink (Sandmann), Ilja Richter (Habumar), Marc Wehe (Nepomuk) – Darsteller (Realfilm-Sequenzen): Bruno Renne (Miko), Valeria Eisenbart (Lina) – Länge: 83 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Falcom Media – Altersempfehlung: ab 6 J.

Wir trauen unseren Ohren kaum. Was bitte blökt das Schaf, das seine Artgenossen über Hürden scheucht? "Das muss trantütiger werden!" Spöttelt der deutsche Animationsfilm "Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland" etwa über die hiesige Branche? Denn der sagt man ja gerne nach, bei langen Trickfilmen Verschnarchtheit mit Familientauglichkeit zu verwechseln. Doch weit gefehlt. Dieser Gag will uns in die Geschichte hineinziehen: Wir sind hoch über den Wolken beim Sandmännchen, jenem Wesen, das seit fast 51 Jahren kleinen Kindern das Ende des Fernsehabends verkündet. Und die Schafe sollen nicht wie aufgedreht, sondern ganz gemächlich hüpfen, damit uns beim Zählen derselben allmählich die Augen zufallen. Ein wenig Anzüglichkeit dürfte sich dieser Film aber durchaus erlauben. Denn die Regisseure Jesper Møller und Sinem Sakaoglu beweisen, dass es durchaus möglich ist, eine kindgerechte Geschichte zu erzählen, die weder dröge daherkommt noch mit Zappeligkeit punkten will.

"Alle kennen den Sandmann, weil er uns jeden Abend im Fernsehen begegnet", sagte Produzent Jan Bonath anlässlich der Welturaufführung beim diesjährigen Internationalen Trickfilmfestival in Stuttgart. "Aber niemand weiß etwas über ihn. Wo kommt er her? Wie lebt er? So ist die Idee entstanden, sich dazu eine Geschichte auszudenken." Nun erfahren wir also einiges über ihn und das Traumland, in dem er lebt, über "Schlafschafe" und wie man von der "Wachwelt" hinübergelangen kann. Außerdem kann der Sandmann jetzt auch sprechen, was er bisher in den Gute-Nacht-Geschichten nie getan hat.

Das anfangs die Ruhe störende, putzmuntere Schlafschaf Nepomuk heuert als Helfer beim Sandmann an. Prompt lässt es sich in seinem Übereifer den Sack mit dem Traumsand entwenden. Dahinter steckt der fiese Wirbelsturm Habumar, der den Menschen schlechte Träume bringen will. Der Sandmann braucht Unterstützung. Nur ein Mensch, jemand aus dem "Wachland", kann im "Traumland" träumend etwas gegen Habumar ausrichten. Und so schickt er Nepomuk mit einer wichtigen Mission auf die Erde: Er soll den berühmten Käpt’n Scheerbart aufspüren und zu Hilfe holen. Aber statt des furchtlosen Seemanns bringt Nepomuk dessen schüchternen sechsjährigen Enkel Miko mit ins Traumland. Was nun? Kein Problem, denn der Sandmann erkennt große Träumer auf den ersten Blick. Er engagiert den kleinen Miko und zu dritt ziehen sie los, um die schönen Träume zu retten.

Die kurze Episode auf der Erde sowie der Schluss des Films sind als Realfilmsequenzen gedreht. So hübsch die Kulisse im Inneren des Leuchtturms, wo Miko mit seinen Eltern und seiner Schwester lebt, ausgestattet ist, handelt es sich hier um die schwächeren Teile eines ansonsten gelungenen Films. Die Inszenierung wirkt in den Dialogen und im Spiel der Darsteller seltsam aufgesetzt und künstlich. Die abwechslungsreichen Animationsfilmwelten hingegen bezaubern. Und das gewiss nicht nur wegen der ausgefeilten Mischung aus Puppentrick, 2-D-Animation und CGI, welche das vorherrschende Element, die Stop-Motion-Technik, unterstützen. Die Figuren sind liebevoll gestaltet. Das alterslos erscheinende spitzbärtige Sandmännchen strahlt Weisheit, Ruhe und Zuverlässigkeit aus. Der quirlige und manchmal tollpatschige Nepomuk vergnügt Klein und Groß und der kleine Miko lädt junge Zuschauer zur Identifikation ein. Drei Anläufe braucht er, um seine Ängste zu überwinden, obwohl Träume einem eigentlich gar nichts anhaben können. Ulkige Nebenfiguren wie ein wienernder Psychologe amüsieren genauso wie das Gefährt des Sandmanns. Letzteres verwandelt sich bei Bedarf von einem Auto in einen Flieger oder ein Schiff und stakst auch mal auf langgliedrigen Insektenbeinen durch die Gegend, um Hindernisse zu überwinden.

Der Film hat einen gewissen Drive: Kurze dramatische Szenen wechseln mit ruhigen, beschaulichen. Blüten und Kirschen schweben über den Reisenden und einmal durchqueren sie eine Landschaft mit Bergen aus Speiseeis, wie es eben nur im Traum (oder im Trickfilm) möglich ist. Lichte, warme Farben kontrastieren mit den giftig grünen von Habumars Luftschiff, das die Atmosphäre verdüstert und die Pflanzen absterben lässt. Denn in der Nähe von Habumar und seinen spitzzähnigen Helfern schwirren Albträume herum. Und dass die über die Menschen kommen, gilt es zu verhindern. Für ganz kleine Gucker mag das schon mal gruselig sein, aber diese Momente sind rar. Das Fröhliche mit vielen liebevollen Details überwiegt. Nur: Zum Einschlafen ist dieser Sandmann viel zu unterhaltsam ...

Ina Hochreuther

 

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KJK-Ausgabe 123/2010

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