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Ausgabe 124-4/2010

KONFERENZ DER TIERE

Produktion: Constantin Film / Ambient Entertainment / White Horse Pictures; Deutschland 2010 – Regie: Reinhard Klooss, Holger Tappe – Buch: Reinhard Klooss, Klaus Richter, Oliver Huzly, Sven Severin; inspiriert durch die gleichnamige Erzählung von Erich Kästner – Animation Supervisor: Benedikt Niemann, Nicolai Tuma – Schnitt: Alexander Dittner – Musik: David Newman – Länge: 93 Min. – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Constantin Film – Alterseignung: ab 8 J.

Bei der Neuverfilmung von Kästners "Konferenz der Tiere" haben sich die Produzenten und Regisseure Reinhard Klooss und Holger Tappe ("Urmel aus dem Eis" und "Urmel voll in Fahrt") viel vorgenommen. Sie wollten nicht nur mit modernster Animationstechnik den ersten deutschen Animationsfilm in 3D produzieren, sie haben es auch getan. Dabei interpretierten sie den 60 Jahre alten Klassiker Kästners frei und passten ihn unserer Zeit an.

In der afrikanischen Savanne vermissen die Tiere das alljährlich ins Okavango-Delta flutende Wasser, das die Landschaft in ein blühendes Paradies verwandelt. Das tapsige Erdmännchen Billy will seinem Sohn beweisen, dass es aus einem Wasserloch Wasser beschaffen kann, gerät dabei jedoch zwischen die Fronten einer Herde von Nashörnern und einer Herde Wasserbüffel, die sich nicht einigen können, wer zuerst am Wasserloch trinken darf. Während Elefantenkuh Angie und Löwe Sokrates noch warten wollen, ob das Wasser nicht doch von selbst kommt, springt die Handlung unvermittelt in die Arktis, wo Eisbärin Sushi von der Eisschmelze überrascht wird. Danach verlassen die Riesenschildkröten Winston und Winifred die Galapagos-Inseln, weil vor der Küste ein Öltanker havariert und eine Ölpest droht, Känguru Toby und der stets stinkige Tasmanische Beutelteufel retten sich vor einem im australischen Outback von einem Motorradfahrer verursachten Buschbrand, und der gallische Hahn Charles flüchtet aus der Kombüse eines Kreuzfahrtschiffs, ehe er für ein Sterne-Menü zubereitet werden kann. Überraschenderweise finden diese sechs Figuren in einer – aus welchen Gründen auch immer – im Meer schwimmenden Badewanne zusammen, wo Charles das Kommando übernimmt. Natürlich landen sie alle im Okavango-Delta und geraten so in die Geschichte um die Wassersuche.

Erdmännchen Billy wagt sich durch das Tal des Todes, durch welches das lebensspendende Wasser kommen müsste, das jedoch trotzdem als gefährlich gilt, weil dort ein schwarzer Schatten – der sich später als riesiger Leopard herausstellt – sein Unwesen treibt. Billy wird von Sokrates begleitet, der im Tal durch einen Jäger seinen Bruder Mambo verlor. In der Schlucht treffen sie auf die mit der Badewanne gelandeten Tiere. Gemeinsam entdecken sie den Grund für den Wassermangel: einen riesigen Staudamm, errichtet von Hoteldirektor Smith, dessen "Eden Paradise Hotel" an diesem künstlichen See der Schauplatz der 168. Klimakonferenz sein soll, auf dem (überraschend wenige) Politiker und Wirtschaftsvertreter tagen wollen. Mehr durch Zufall bringen die Tiere die Konferenz durcheinander und werden vom skrupellosen Sicherheitschef Hunter gejagt, der einst Mambo getötet hat. Das Haus-Maskottchen, der Schimpanse Toto, und Smiths Tochter Maya helfen den Tieren, können aber nicht verhindern, dass Sokrates gefangen wird. Als die Tiere in die Savanne zurückkommen, trompetet Angie, unterstützt von Billys Trommeln, alle Tiere zusammen. Sie halten ihrerseits eine Konferenz ab, um sich gegen die Menschen zu verschwören und ihr Recht auf Wasser durchzusetzen. Der Plan wird in die Tat umgesetzt und es kommt zum verdienten Happy End: Die Tiere machen sich auf nach Amerika, um in New York den Menschen ihr Anliegen nahezubringen. Unterschwellig tut der Film wirklich einiges, um spielerisch nachdenklich zu machen.

Allerdings verspielt der Film einiges von dem Wohlwollen, das man seinem Anliegen entgegenbringt, indem er allzu viel – auch visuell – aus anderen Filmen oder Sphären übernimmt. Das beginnt in der Anfangssequenz damit, dass beim Blick von oben auf die Savanne und ihre Tiere Kraniche durchs Bild fliegen, ganz wie am Anfang von "König der Löwen" eine Schar Reiher. Die Parallelen zu jenem Film finden sich auch im Löwen Sokrates (ein Eindruck der durch die Stimme von Thomas Fritsch verstärkt wird), im Erdmännchen Billy und in den Geiern im Tal des Todes. Billy muss sich den Vergleich mit Erdmännchen Timon aus "König der Löwen" auch deshalb gefallen lassen, weil Timon das stinkende Schwein Pumbaa zum Gefährten hat und Billy in Begleitung des stets stinkbereiten Tasmanischen Beutelteufels daherkommt. Der Zug der Tiere durch die Schlucht orientiert sich mit seiner Kameraführung zudem am "Krieg der Sterne".

Natürlich sind Zitate und Anspielungen heutzutage im Film beliebt, insofern ist allenfalls einzuwenden, dass in diesem Film dabei zu wenig Fingerspitzengefühl am Werk war. Was der Film aber perfekt beherrscht, das ist die Technologie. Als erster deutscher 3D-Film ist "Konferenz der Tiere" bewunderns- und sehenswert. Perfekt animiert und wohlmeinend, wird der Film wohl ein Kinoklassiker werden, obwohl er hinter der technischen Perfektion die Stringenz der Handlung vernachlässigt und dem Zuschauer einige gewagte Gedankensprünge von Kontinent zu Kontinent zumutet oder die Antwort schuldig bleibt, warum für ein Luxushotel ein so immens riesiger Staudamm nötig sein soll. Zusammengehalten wird die Geschichte von hörenswerter Musik des "Ice Age"-Komponisten David Newman und von einigen Schlagern, die kurzweilig an passender Stelle eingefügt sind und die Handlung voranbringen oder kommentieren. Es ist vielleicht etwas unfair, diesen Film der kritischen Betrachtung eines Erwachsenen auszusetzen, der so manche Schwäche des Projekts sieht. Aber es ist zu vermuten, dass der Film bei einem jungen Publikum durchaus "ankommt" und dank seiner Unterhaltungs- und Schauwerte die gewünschte aufklärerische Wirkung zu erzielen vermag. Das wäre dem Film zu wünschen, zumal er seine Geschichte weitgehend in opulenten dreidimensionalen Bildern erzählt, und bei allem ernsten Hintergrund doch eine optimistische, humorvolle Einstellung an den Tag legt.

Wolfgang J. Fuchs

Als Ergänzung und zum Vergleich sei auf die erste Verfilmung von Erich Kästners Buch hingewiesen: "Die Konferenz der Tiere" von Curt Linda (BRD 1969) war der erste westdeutsche programmfüllende Zeichentrickfilm in Farbe, der voll animiert ist und dem auch deshalb Bedeutung zukommt, weil sich "seine Hersteller intensiv und erfolgreich bemüht haben, den von Disney geprägten Stil zu überwinden und eine eigenständige Ausdrucksform zu finden" (zit. Evang. Filmbeobachter 1970). Inhaltlich entspricht Curt Lindas Adaption der Intention von Erich Kästner, der mit seinem Buch, das er 1949 unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs geschrieben hat, einen Appell für den Frieden in der Welt formulierte. "Die Konferenz der Tiere" von Curt Linda ist zurzeit in Wiederaufführung im Kino zu sehen (Verleih: MFA; 35mm) und für die nichtgewerbliche Filmarbeit (BJF-Clubfilmothek; DVD) verfügbar.

 

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