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Ausgabe 124-4/2010

MEIN LIEBSTER FEIND

MIN BEDSTE FJENDE

Produktion: Bullitt Film ApS; Dänemark 2010 – Regie: Oliver Ussing – Buch: Oliver Ussing, Søren Grinderslev Hansen, nach dem Roman „Nørdernes forvandling“ von Thorstein Thomsen – Kamera: Charlotte Bruus Christensen – Schnitt: Andri Steinn Gudmundsson – Musik: Troels Abrahamsen – Darsteller: Nikolaj Støvring Hansen (Alf), Rasmus Lind Rubin (Toke), Katrin Alfredsdottir (Emma), Jonas Eilskov Jensen (Alexander), Benjamin Molsing (Johannes), Damon Anthony Phillips Jerichow (Mathias), Clara Bruun Sandbye (Tilde), Kim Bodnia (Lehrer) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Vertrieb: Bullitt Film ApS, Tel.: +45 2612 5001, e-mail: elise@bullittfilm.dk, www.bullittfilm.dk – Altersempfehlung: ab 12 J.

Alf ist ein netter Junge von etwa 12 oder 13 Jahren, etwas kleiner als seine Klassenkameraden und im Vergleich zur Clique, die den Ton in der Klasse angibt, auch still und zurückhaltend. Alf tanzt gerne Ballett und scheint in dieser Disziplin sogar talentiert. Obwohl also nicht unsportlich, wird er von den anderen gehänselt, die Ballett ausschließlich als etwas für Mädchen halten. Dabei hat er es im Vergleich zu Toke noch gut, denn weil dieser etwas dicker und schwerfälliger als die anderen ist und mit seinem Hobby für Insekten und dem geliebten Kaninchen bei den anderen weder im Sportunterricht noch sonst wo punkten kann, ist er schon lange Zielscheibe für Spott und körperliche Übergriffe. Als Alf einen Manga-Comic in die Hände bekommt, in dem sich ein Außenseiter mit Guerilla-Taktik gegen seine Feinde zur Wehr setzt, weiß er, was zu tun ist. Er gewinnt Toke als Verbündeten, um sich gemeinsam mit ihm an den Klassenkameraden zu rächen. Erstes Opfer soll das "schwächste" Mädchen in der Klasse sein, deren Vorliebe für Parfums bekannt ist. Dank Tokes Wissen über besonders übelriechende Sekrete einiger Käfer entsteht eine Mixtur, die extrem abstoßend ist. Doch die anderen kommen den Urhebern des Gestanks schnell auf die Schliche und so sind es wieder Alf und Toke, die das Nachsehen haben und dafür büßen. Da hilft nur noch eine Radikalmethode aus dem Manga. Um weniger angreifbar zu sein, vernichtet Alf alle seine Ballettsachen und überredet auch Toke, alles was ihm bisher lieb und teuer war, aufzugeben, sogar sein Kaninchen. Nun gibt es für Toke kein Zurück mehr. Weitere Hilfskräfte unter anderen Schülern, die ebenfalls schon Mobbing-Erfahrungen gemacht haben, werden erfolgreich angeworben, die sich den Regeln des selbsternannten Geheimbundes unterwerfen müsse, und plötzlich verspürt Toke so etwas wie Macht. Mit äußerster Brutalität schlägt er seinen ärgsten Widersacher krankenhausreif und erwartet von Alf, dass dieser dabei mitmacht. Doch Alf möchte den Freund lieber überreden, den Rachefeldzug zu beenden, zumal sich Alf gerade erfolgreich in eine Mitschülerin verliebt hat.

Mobbing-Erfahrungen in der Schule sind ein aktuelles und brisantes Thema, das für Schüler und Lehrer gleichermaßen wichtig ist. Gerade weil sich viele Fälle in einer von den Erwachsenen meistens gar nicht bemerkten oder unkontrollierten Grauzone abspielen, können Filme für das Thema sensibilisieren und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung fördern. Selten zuvor hat ein Film gewagt, die Spirale der Gewalt im Wechselspiel von Demütigungen und Rachefantasien nicht nur unter Jugendlichen, sondern bereits unter älteren Kindern so direkt und schockierend zu beschreiben, wobei ein ganz vorsichtiges Happy End zumindest in den Bereich des Möglichen rückt. In vielen Großaufnahmen, die bewusst jede Distanzierung vom Filmgeschehen und von den beiden Protagonisten verhindern und wie ein Sog wirken, zeigt der Film, wie aus den ursprünglichen Opfern Alf und Toke Täter werden, wobei das Stadium der vergleichsweise harmlosen und für den Beobachter noch ansatzweise lustig wirkenden Schikanen schnell hinter sich gelassen wird.

Indem die Erwachsenen allenfalls eine unwissende Statistenrolle einnehmen und oft nicht einmal am Rande auftauchen, verdeutlicht Oliver Ussing in seinem zweiten Spielfilm, den er nach einem dänischen Roman drehte, dass man der Thematik mit wohlgemeinten Ratschlägen oder Ermahnungen allein nicht angemessen begegnen kann. Der niemals voyeuristische oder die Gewalt verharmlosende Film verlangt durch seine drastischen Szenen, die für Sechs- oder Achtjährige keinesfalls empfohlen werden können, nicht nur jungen Zuschauern emotional einiges ab, wobei auch die (inszenierte) Gewalt gegen Tiere in ihrer Wirkung auf die Kinder nicht unterschätzt werden sollte. Zugleich nimmt er sein junges Publikum aber ernst und fordert es heraus, eigene Stellung zu beziehen und sich konstruktiv auseinanderzusetzen. Darum ist dem Film, der auf dem Kinderfilmfestival Lucas 2010 sowohl den Preis der CIFEJ-Jury als auch eine Lobende Erwähnung der FICC-Jury erhielt, eine baldmögliche Verfügbarkeit auch in Deutschland zu wünschen.

Holger Twele

 

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KJK-Ausgabe 124/2010

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