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Ausgabe 126-2/2011

INSIDE AMERICA

Produktion: Target Box Filmproduction; Österreich 2010 – Regie und Buch: Barbara Eder – Kamera: Christian Haake – Schnitt: Claudia Linzer – Musik: Gerrit Wunder – Darsteller: Raul Juarez (Manni), Aimee Lizette Saldivar (Aimee), Zuleyma Jaime (Zuly), Luis De Los Santos (Ricky), Patty Barrera (Patty) u. a. – Länge:  107 Min. – Farbe – Verleih: Thimfilm (Österreich) – Altersempfehlung: ab 16 J.

In ihrem ersten Langfilm schildert die Autorin und Regisseurin Barbara Eder, 1976 in Eisenstadt geboren, anhand von sechs Geschichten von Jugendlichen aus unterschiedlichen Schichten und ethnischen Gruppen das schwierige Alltagsleben in der texanischen Grenzstadt Brownsville. Eder kennt das Milieu sehr gut, sie war als 17-jährige Austauschschülerin an der High School, an der sie ihr düsteres Dokudrama angesiedelt hat. Mit einem Mini-Budget, einem Mini-Team, viel Herzblut und Wagemut realisierten sie und die Produzentin Constanze Schumann, die damit zugleich ihr Studium an der Wiener Filmakademie abschlossen, das Projekt, das ursprünglich mal ein kurzer Dokumentarfilm werden sollte. Doch dann wuchs "Inside America" zu einem abendfüllenden Sozialdrama mit Laiendarstellern, die ihre Handlungsepisoden weitgehend ohne vorgegebene Dialoge absolvieren. Bezeichnend ist, dass sich die Filmemacher neun Monate nach einem ersten Casting neue Hauptdarsteller suchen mussten: "Unser Hauptcharakter war bei Drehbeginn im Gefängnis, ein Zweiter nicht auffindbar, eine Dritte wollte gerade heiraten. Wir haben wieder von vorne anfangen müssen." Verstärkt wird die authentische Atmosphäre durch die agile Handkamera von Christian Haake.

An einer High School in Brownsville, einer Stadt mit starkem Hispanics-Anteil und hoher Kriminalitätsrate an der Grenze zu Mexiko, herrschen raue Sitten. Die Schüler müssen bei der Ankunft erst einmal rigide Waffen- und Drogenkontrollen über sich ergehen lassen. Durch die Flure patrouillieren uniformierte Wachmänner. Die Lehrer mühen sich ab, die Schüler an die Ideale des "American Dream" heranzuführen. Außerhalb der Schule treffen die etwa 17-jährigen Jugendlichen auf eine trostlose Realität, die von Drogen und Bandenkriminalität, Langeweile und Orientierungslosigkeit, prekären Familienverhältnissen und Zukunftsangst geprägt ist. Beim Versuch, erwachsen zu werden, müssen sie immer wieder erfahren, wie schwer es ist, sich einen akzeptablen Platz im Leben zu erkämpfen. So strampelt sich die kokainsüchtige weiße Cheerleaderin Aimee mit Hilfe ihrer Mutter ab, um zum schönsten Mädchen der Schule gewählt zu werden. Doch als ihr Freund Carlos, ein extrem patriotischer Militärschüler, sie mit einem illegal eingewanderten Hausmädchen betrügt, wird sie zum Gespött der Schule. Der Mexikaner Manni, der ebenfalls keine Ausweispapiere hat, ist darauf angewiesen, neben der Schule Billigjobs zu verrichten, doch lokale Gangs machen ihm das Leben schwer. Zwei Girls hispanischer Herkunft werden an einer Tankstelle in einen Raubüberfall auf eine einsame Tankstelle verwickelt, den ihre bewaffneten Lover anscheinend spontan verüben.

Eder konzentriert sich auf die nüchterne Beschreibung der Zustände und verzichtet erfreulicherweise auf jeden moralischen Zeigefinger. Das Bedrückende an ihrer halbdokumentarischen Studie ist, dass die Protagonisten am Ende ohne Perspektive bleiben. Eder gönnt ihnen auch keine greifbaren Chancen auf Besserung, die Helden stecken vielmehr in einem zähen Sumpf aus Problemen fest. Arbeitslosigkeit und Rassendiskriminierung, Drogenabhängigkeit und Jugendbanden gehören ebenso dazu wie der verbreitete Waffenfetischismus, übersteigerte Frömmelei und die gescheitere Einwanderungspolitik der Regierung, die den vielen Illegalen im Lande keinen Ausweg weisen kann oder will.

Unterstützung können sich die jungen Protagonisten auch nicht von erwachsenen Bezugspersonen erhoffen, sie verharren im Film im Status von Randfiguren. Viele von denen, die den Weg "Inside America" geschafft haben, bleiben in Eders Vision sozial und ökonomisch "Outside America". Ein pessimistischer Blick auf die Schattenseiten des American Way of Life. Beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2001 in Saarbrücken wurde "Inside America" mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Reinhard Kleber

 

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