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Ausgabe 126-2/2011

DIE KATZE VON PARIS

UNE VIE DE CHAT

Produktion: Folimage in Koproduktion mit Lunanime / Lumière Publishing / Agora Films / Carouge / Tournay France 3 Cinéma / Rhone-Alpes Cinéma / RTBF; Frankreich / Belgien / Niederlande / Schweiz 2011 – Regie: Alain Gagnol und Jean-Loup Felicioli – Buch: Alain Gagnol / Dialoge: Jacques-Rémy Girerd – Schnitt: Hervé Guichard – Musik: Serge Besset – Länge: 64 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Films Distribution Paris, e-mail: info@filmsdistribution.com – Altersempfehlung: ab 6 J.

Die Katze von Paris ist ein Kater namens Dino, der ein wahres Doppelleben führt: Nachts geht er zusammen mit dem sympathischen Einbrecher Nico leichtfüßig auf Beutezug über den Dächern von Paris, wo die beiden nur zum Vergnügen die Schätze der Reichen rauben. Tagsüber wiederum ist Dino Schmusetier und einziger Verbündeter der kleinen Zoe, die seit dem gewaltsamen Tod ihres Vaters die Sprache verloren hat. Zoes Mutter Jeanne, Kommissarin bei der Pariser Polizei, hat sich seither ganz dem Ziel verschrieben, den Mörder ihres Mannes zur Strecke zu bringen. Diese Chance bietet sich, als bekannt wird, dass Victor Costa und seine Bande den ganz großen Coup planen: Sie wollen den Koloss stehlen, eine gigantische Skulptur von unschätzbarem Wert, die für eine Ausstellung in die Stadt gebracht wird. Als Dino Zoe eines Morgens anstelle der üblichen toten Salamander ein besonders hübsches Armband zum Geschenk macht, stellen Jeanne und ihr Assistent Lucas eine erste Verbindung zu den nächtlichen Einbruchdiebstählen her. Dass es noch viel weiterreichende und schwerwiegendere Verstrickungen gibt, findet Zoe heraus, als sie ihrem Kater eines Nachts folgt: Zoes Kindermädchen entpuppt sich als Costas Komplizin, die im Haus der Polizeikommissarin spioniert und nun Zoe kidnappt – zum Glück gibt es Nico, der das Mädchen gleich mehrmals rettet und die Polizei auf die richtige Spur bringt.

Nach "Die Prophezeiung der Frösche" (dt. Verleihtitel: Das Geheimnis der Frösche) und "Mia et le Migou" (kein deutscher Verleih) ist in der französischen Trickfilmschmiede Folimages mit dem Animationsfilm "Die Katze von Paris" in über fünf Jahren Arbeit ein weiteres Meisterwerk entstanden. In atmosphärisch dichten und originellen Bildern erzählt diese für die ganze Familie ersonnene Krimikomödie von dem zwar traumatisierten, aber aufgeweckten Mädchen Zoe, von ihrer auf Vergeltung und Gerechtigkeit sinnenden Mutter, von dem einsamen Dieb mit dem goldenen Herzen, von einer streng hierarchischen Verbrecherwelt und nicht zuletzt von dem ebenso unabhängigen wie loyalen Kater Dino, der in dem Maße, in dem er die Nacht- mit der Tagwelt verbindet, auch die Personen zusammenbringt – die Guten bis zum Happy End, die Bösen bis zu ihrer gerechten Bestrafung.

Ein besonderes Highlight sind die unzähligen, gekonnten Anspielungen auf Filmklassiker wie Hitchcocks "Über den Dächern von Nizza" (in dem "die Katze" eine über die Dächer kletternde Einbrecherin ist) oder Filmgenres wie den Film noir oder den französischen Polizeifilm. Vertraut ist das Spiel mit dem trügerischen Schein – wer ist gut (der Dieb), wer böse (die Nanny)? Man erkennt Figuren(typen) wieder wie gute alte Bekannte, beispielsweise die aus persönlichen Motiven obsessiv engagierte Kommissarin und ihr treu ergebener Assistent Lucas (nach Maigrets Assistenten benannt), den cholerischen Gangsterboss, der seine Bande mit unerbittlicher Härte im Griff hat, soweit deren Dummheit dies zulässt, die doppelgesichtige Gangsterbraut (herrlich: mit ihrem penetranten Parfum treibt sie selbst den hartgesottenen Gaunern die Tränen in die Augen). Der Gentlemandieb, der zum Retter Zoes und Helfer der Polizei avanciert, ist eine moderne Version des französischen Meisterdiebs Arsène Lupin. Im Finale stapft der Koloss einem Golem gleich durch die Straßen der Großstadt wie einst Godzilla, King Kong oder der Marshmallow-Mann der "Ghostbusters".

Dieser Aspekt mag freilich eher für das erwachsene, filmerfahrene Publikum eine Rolle spielen. Das schmälert jedoch keineswegs das Vergnügen, das Kinder aus dem Film beziehen. Kater Dino ist von Anfang an Sympathieträger und sorgt für Gelächter, etwa wenn er Nachbarhund Rufus zum Bellen bringt und dieser dann mit Pantoffeln (und anderem) zum Schweigen gebracht wird. Zoes Stummsein evoziert großes Mitgefühl, spielt aber in ihrer Beziehung zu Dino keine Rolle, da sich Kind und Kater auch wortlos verstehen, und wird außerdem zum Schluss glücklich aufgelöst. Der Krimiplot wird durch lustige Szenen vor allem mit den dämlichen Ganoven entschärft und die Ordnung wiederhergestellt, wenn die Bösen bestraft werden. Einziger Kritikpunkt: Zoe bleibt als kindliche Protagonistin recht passiv, was zum Teil ihrem Stummsein geschuldet ist.

Neben seiner kurzweiligen Dramaturgie und einer kinderfreundlichen Filmlänge von gut einer Stunde überzeugt der Film vor allem durch seine Liebe zum gezeichneten Detail. Die Metropole an der Seine bildet die grandiose Kulisse vor allem der nächtlichen Abenteuer, wenn ihre schwarze Silhouette zum Schauplatz atemberaubender Verfolgungsjagden wird. Die Dächer sind, so die Filmemacher, ein magischer Ort, an dem alles möglich scheint und die gültigen Regeln aufgehoben sind. Dementsprechend auch die Gesetze der Schwerkraft bei den halsbrecherisch-akrobatischen Verfolgungsjagden über den Straßenschluchten bis zu den steinernen Gargoyles von Notre Dame, wo in einem nervenkitzelnden Showdown der Verbrecher im wahrsten Sinne des Wortes seinem Größenwahn zum Opfer fällt. Das Ganze wird durch einen wunderbar stimmigen Soundtrack abgerundet, der französische Akkordeonklänge mit treibenden Instrumentalstücken à la „Batman“ verbindet und mit der unvergleichlichen Jazzstimme Billie Holidays, die so elegant und cool durch die Pariser Luft streicht wie eine Katze. Da bleibt man gerne bis zum allerletzten Bild und Ton des Abspanns sitzen.

Ulrike Seyffarth

 

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KJK-Ausgabe 126/2011

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