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Ausgabe 126-2/2011

UNDER THE HAWTHORN TREE

SHANZHA SHU ZHI LIAN

Produktion: Beijng New Picture Co., Ltd.; Volksrepublik China 2010 – Regie: Zhang Yimou – Buch: Yin Lichuan, Gu Xiaobai, A Mei, nach dem Roman von Ai Mi – Kamera: Zhao Xiaoding – Schnitt: Meng Peicong – Musik: Qigang Chen – Darsteller: Zhou Dongyu (Jing), Shawn Dou (Sun), Xi Meijuan (Jings Mutter), Li Xuejian (Zhang), Cheng Taishen (Luo, Lehrer), Sa Rina (Tante), Lv Liping (Weis Mutter), Sun Haiying (Suns Vater) – Länge: 115 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Wild Bunch, Paris, Tel. +33 1 53015020, Fax +33 1 53015049 – Altersempfehlung: ab 16 J.

Wie Millionen anderer chinesischer Schüler und Studenten wird die Jugendliche Jing zur Zeit der Kulturrevolution aufs ‘Land verschickt’. Dort soll sie lernen, ganz im Dienst der kommunistischen Partei aufzugehen, geradeso wie jene Märtyrer im zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, von denen ein Parteifunktionär den jungen Leuten unterwegs, unter dem titelgebenden Weißdorn erzählt. Der Baum treibe seitdem, genährt durch das Märtyrerblut, rote Blüten hervor.

Jing will in den Augen der Machthaber nur ja nichts falsch machen, da ihr Vater als Konterrevolutionär eingesperrt ist und sie eine Karriere im Schuldienst anstrebt. Auf ihr ruhen alle Hoffnungen der kränkelnden Mutter. Deshalb verlangt sie der Tochter den Verzicht auf privates Glück und deren Anpassung an Staat und Familie ab, als der junge Geologe Sun durch sein ritterliches Auftreten nach und nach das Herz der scheuen und befangenen Jing gewinnt. Doch er, der Sohn eines hohen Funktionärs, entfacht Zweifel an den hehren Worten der Partei; schlicht für Propaganda hält er den Mythos vom rotblühenden Weißdorn. Gleichwohl will sich Jing davon gemeinsam mit ihm im Frühling lieber selbst überzeugen. Sie deuten den Mythos zu einem privaten Symbol ihrer Liebe um. Aber ihre Liebe erfüllt sich nicht. Sun erkrankt an Leukämie, weil, symbolisch gesprochen, die Partei und die Elterngeneration durch ihr strenges Regiment die Lebenskraft der Jugendlichen aufzehren. So sieht Jing Sun, nach einer langen, schmerzlichen Abschiedsszene, erst an seinem Totenbett wieder.

Der preisgekrönte Regisseur Zhang Yimou, der 1988 auf der Berlinale für "Rotes Kornfeld" den Goldenen Bären erhielt, demaskiert in seinem neuen Film aber nicht die brutalen Folgen von Maos Politik für den Einzelnen, was bei dessen Präsentation auf der diesjährigen Berlinale beim Publikum auch kritische Nachfragen provozierte. Yimou beobachtet seine ausdrucksvoll schüchtern agierende Heldin nicht beim sozialen Abstieg, will nicht darauf hinaus, dass sie auf dem Land schonungslos geschunden wird. Vielmehr bedient er sich der Härte und der Entbehrung als einem Vehikel, welches das tadellose Verhalten des Protagonisten, seine Fürsorge, auslöst. Der Regisseur entrückt das Paar geradezu aus dem hässlichen Arbeitsalltagseinerlei – das wirkungsvoll in Szene gesetzt wird durch eine gedeckte Farbgebung – und verhilft ihm dadurch zu Intimität, so dass dessen Wünsche nach Nähe, Sicherheit, aber auch Muße und Entspannung für Momente zu ihrem Recht kommen dürfen. Durch sorgfältig komponierte, wunderschöne Cinemascopeaufnahmen eröffnet er der kleinen abgeschirmten Welt den breitesten Raum. Für Suns Gaben an Jing ersinnt Yimou metaphorische Bilder des Ein- und Umhüllens. So kleidet der Held bei Kälte die magere Jugendliche in seinen Mantel, schirmt sie mit seinem Hemd vor neugierigen Blicken ab, oder er funktioniert für den gemeinsamen Badespaß eine Arbeitskarre zu einem Umkleidehäuschen für Jing um.

Suns Fürsorge steht konträr zu dem herzlosen Verhalten der kommunistischen Machthaber, den unerbittlichen Forderungen der Elterngeneration, aber auch zu dem Verhalten anderer junger Männer, die eine junge Frau nur für ein sexuelles Abenteuer rumkriegen wollen. Die tragische Liebesgeschichte mag als süßliches Melodram erscheinen, doch ist sie ob der Parteipropaganda, sich für Leistung ohne zu murren letztlich wie ein Ackergaul abzuplagen, ein eindringliches und bezauberndes Plädoyer dafür, das persönliche Glück nicht aus den Augen zu verlieren und menschlich zu sein.

Heidi Strobel

 

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KJK-Ausgabe 126/2011

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