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Ausgabe 127-3/2011

"Der DEFA-Kinderdokumentarfilm hat seine Spuren hinterlassen"

Gespräch mit Gudrun Sommer, Leiterin der Kinder- und Jugendsektion "doxs!" Duisburg

Interview

Gudrun Sommer, Jahrgang 1973, geboren in Graz/Österreich, kam über ihr Studium (Philosophie, Theater- und Film-/Fernsehwissenschaften) ins Ruhrgebiet und begann relativ schnell bei Festivals zu arbeiten. Zunächst bei den Oberhausener Kurzfilmtagen, danach bei der Duisburger Filmwoche, wo sie ihre Leidenschaft für den Dokumentarfilm entdeckte und Mitglied im Organisationsteam und in der Auswahlkommission wurde. Aus dieser Arbeit heraus gründete sie 2002 die Kinder- und Jugendsektion "doxs!".

KJK: 2002 war Kinderdokumentarfilm ja nicht wirklich ein Begriff. Nach dem Ende des DEFA-Kinderdokumentarfilmstudios galt das Genre ja als tot. Wie kommt man also zwölf Jahre später auf die Idee, das wieder zu beleben und was konnte man da überhaupt zeigen?
Gudrun Sommer: Ich glaube schon, dass der DEFA-Kinderdokumentarfilm da auch seine Spuren hinterlassen hat und zwar in Person von Theda Kluth, die schon immer der Duisburger Filmwoche nahestand und das Thema eingebracht hat. Dann gab es als Vorläufer 2001 die Tagung der dfi (Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW) zum Stand des Kinderdokumentarfilms. Wir haben damals relativ naiv begonnen und sehr schnell gemerkt, dass wir unser Programm nicht wie die Filmwoche nur mit deutschen bzw. deutschsprachigen Filmen bestücken können. Wir haben im Sinne des Wortes klein angefangen, indem wir zunächst Programm für kleine Kinder angeboten und erst nach und nach das Alter erhöht haben; heute decken wir das ganze Schulspektrum bis 18 Jahre ab. Zunächst hatten wir Länder- und/oder Themenschwerpunkte, aber auch schon immer einen deutschsprachigen Teil, weil wir immer versuchten, Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum mit einzubeziehen und das ist zum Glück im Lauf der Zeit immer einfacher geworden.

Von wem kam denn überhaupt die Initiative zu dem, was heute "doxs!" ist?
Das waren zum einen Theda Kluth und ein damaliges Kommissionsmitglied. Außerdem hat Petra Schmitz (dfi) immer unterstützt. Es gab auch keine langen Diskussionen; es gab die Idee und das wurde dann gemacht. Und es war auch kein Thema, dass wir – anders als die "große" Filmwoche – auch internationale Produktionen zeigten. Auch deswegen hat sich die Kinder- und Jugendsektion relativ eigenständig entwickelt. Hinzu kommt, dass wir die internationalen Produktionen einsprechen mussten und uns darüber auch eine eigene Kompetenz erarbeitet haben. Wirklich gelernt hatte all das außer der Übersetzerin ja niemand. Auch die Kino-Moderation. Von Anfang an war klar: Wenn die Kinder- und Jugendsektion im Rahmen der Filmwoche stattfindet, wird deren Diskussionstradition in diese Sektion übernommen. Dabei ist uns wichtig, dass es nicht nur ein Gespräch zwischen Moderator und Gast für das Publikum ist, sondern dass man die Kinder zum Sprechen bringt, also in ein Gespräch mit dem Publikum kommt.

Wie viele Vorführungen gibt es während eines Festivals?

Im Schnitt programmieren wir acht Blöcke, die zu 90 Prozent aus Kurzfilmen bestehen. Dabei gibt es einen Spielraum von drei, maximal vier Zusatzvorführungen, außerdem ein Format für offene Ganztagschulen und am Wochenende zeigen wir ein Programm für das Familienpublikum des Kinos. Wenn wir von den vielen Schülern mit Migrationshintergrund sprechen (70 bis 80 Prozent unseres Publikums), glaube ich, dass die meisten zum ersten Mal dieses Kino betreten. Und das bleibt schon hängen, dass sie diese soziale Hürde überwunden haben, eben ins Forum am Dellplatz zu gehen und nicht ins Multiplex.

Wie haben sich dann die Tourneen entwickelt?

Die gingen gar nicht so sehr von uns aus, sondern wir wurden angefragt. Wir haben ja gar nicht die Kapazitäten, uns großartig anzubieten. Eines der ersten Kinos war das Berliner Arsenal, wo wir zwei Jahre lang im Rahmen ihres Familienkinos Kinderdokumentarfilme zeigten. Dann gab es die "Blicke" in Bochum, die immer schon ein Kinderprogramm machen wollten und das ist im Sinne von Synergieeffekten kostengünstig, weil auch Leute von uns da arbeiten. Ähnlich war es beim Frauenfilmfestival Köln/Dortmund; dann kam das Kölner Cinepänz. Das Goethe-Institut (München) hat mit uns die DVD "Junge Helden" gemacht, danach fragten Festivals weltweit an und darüber sind viele Tourneeprogramme ins Rollen gekommen.

Kann man sagen, dass durch die Arbeit von "doxs!" jetzt auch mehr produziert wird?

Das wäre jetzt ein wenig vermessen, es so auszudrücken. Wir merken aber schon, dass – vor allem seit "Junge Helden" – die Festivals in Deutschland ein anderes Interesse für Dokumentarfilm zeigen. In den ersten paar Jahren gab es gar nix. Dann gab's auf einmal eine Podiumsdiskussion bei den Potsdamer "Sehsüchten" (Studentenfilmfestival), dann eine beim Frankfurter LUCAS, bei "interfilm" und dann ein Kinderprogramm beim Kasseler Dok-Fest. Und seit zwei, drei Jahren zeigt auch die Berlinale Dokumentarfilme für Kinder und Jugendliche. Und wir merken, dass wir mehr Einreichungen von den Hochschulen bekommen. Auf der Produktionsseite ist das WDR-Projekt, das wir mit "dok you" auf die Beine gestellt haben, ein markanter Faktor. Dabei sind sechs nicht formatierte Kinderdokumentarfilme entstanden. Bei der Diskussion in Erfurt (Goldener Spatz) war das erste richtungsweisende Statement zum Kinder-TV: "Es muss realitätsnah sein!" Sie wünschen realitätsnahes Kinderfernsehen, mehr migrantische, also klassische Themen für den Dokumentarfilm. Ich denke, vor allem im TV hat es auch mit Geld zu tun. Dokumentarisches im weitesten Sinn ebenso wie "Skripted Reality" ist in der Produktion viel billiger als Fiktionales. Natürlich spielt auch die technische Entwicklung eine Rolle, die es tendenziell jedem nicht nur ermöglicht, einen Film zu drehen, sondern diesen auch via Internet weltweit zu zeigen. Genau da werden Festivals immer wichtiger. Denn je mehr Filme gedreht und verbreitet werden, desto schwieriger wird es für die Zuschauer, auch für Kinder und Jugendliche, den Film zu finden, der sie interessiert. Gerade jetzt wird es für Festivals wichtig, auszuwählen und sich als Empfehlungssystem zu etablieren.

Dieses Jahr gibt es erstmals die "Große Klappe – Filmpreis für politischen Kinder- und Jugenddokumentarfilm". Wie wird der Preis ermittelt?
Wir schlagen Filme in der Altersgruppe 10 bis 18 Jahre für diesen zusätzlichen Wettbewerb vor, die im  weitesten Sinne den Anspruch an Politik erfüllen, den der Preis hat. Das ist aber bei den meisten Filmen in dieser Altersgruppe sowieso der Fall, weil wir auch nicht so einen engen Begriff von Politik und politischem Film haben. Die Jury besteht aus Jugendlichen von vier Schulen. Jeweils zwei Schüler nehmen zuvor an einem längeren Workshop teil. Konkret heißt das, dass unsere Filmvermittler sich an vier Samstagen mit den Workshop-Teilnehmern über die Filme unterhalten. Die Schüler tragen diese Diskussion dann in ihre Klassen und die Entscheidung fällt schon vor dem Festival. Am Ende treffen sich dann diese acht Jugendlichen und entscheiden gemeinsam über den mit 3.500 Euro dotierten Preis.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen – außer mehr Geld?
Natürlich würde ich mir wünschen, dass im Kino und im Fernsehen Kinderdokumentarfilme und solche für Jugendliche stärker gesehen und auch produziert werden. Ich würde mir auch wünschen, dass Filme wie "7 oder warum ich auf der Welt bin" mit dem Kinder-TV entstehen und nicht mit WDR/arte.

Mit Gudrun Sommer sprach Lutz Gräfe

 

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