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Ausgabe 128-4/2011

ATMEN

Produktion: Epo-Film; Österreich 2011 – Regie und Buch: Karl Markovics – Kamera: Martin Gschlacht – Schnitt: Alarich Lenz – Musik: Herbert Tucmandl – Darsteller: Thomas Schubert (Roman Kogler), Karin Lischka (Margit Kogler), Gerhard Liebmann (Walter Fakler), Georg Friedrich (Rudolf Kienast), Stefan Matousch (Gerhard Schorn) u. a. – Länge: 93 Min. – Farbe – FSK: offen – Verleih: 24 Bilder, Thimfilm – Altersempfehlung: ab 14 J.

Der 18-jährige Roman Kogler verbüßt schon seit längerer Zeit eine Haftstrafe in einer Sonderstrafanstalt für Jugendliche. Mit Praktika soll er langsam wieder an das Leben in der Freiheit und ein geregeltes Leben gewöhnt werden. Doch Roman ist ein schweigsamer Einzelgänger, der durch zügellose Aggressionen immer wieder auffällt und bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz deshalb meistens abgewiesen wird. Als er seinem Betreuer eine neue Stelle zeigt, für die er sich bewerben will, hält dieser es zunächst für einen schlechten Scherz. Aber Roman meint es ernst: Er stellt sich bei einem Bestattungsunternehmen vor. Die Kollegen dort behandeln den jungen Mann ablehnend und barsch, der tägliche Umgang mit den Toten scheint sie abgehärtet, zynisch und innerlich kalt gemacht zu haben. Roman aber findet tatsächlich einen Zugang zu dem Job, den sonst keiner machen will, und beginnt auch, sich mit seiner Vergangenheit und seiner Herkunft auseinander zu setzen.

Von Anfang an entsteht Spannung, weil die Figur des Romans so wenig greifbar ist und so abweisend wirkt. Doch mit jeder Szene gewinnt der Jugendliche Kontur und offenbart, was hinter der verschlossenen Maske verborgen ist. Vieles in diesem Film vermittelt sich nur durch Blicke und Körpersprache. Wenn Roman in einer Szene still einem Kollegen hilft, eine verstorbene alte Frau in ihrer Wohnung zu waschen und anzuziehen, dann offenbart nicht nur der Bestatter, der sich zuvor als kalter Zyniker gegeben hat, durch seinen respektvolle Umgang ein anderes Bild von sich, sondern auch Roman findet über die Begegnung mit dem Tod ein neues Gespür für die Würde des Menschen.

Von dieser Rückkehr ins Leben über die Toten erzählt der österreichische Schauspieler Karl Markovics in seinem beeindruckenden Debüt als Regisseur und Drehbuchautor. Der Grundton ist dabei überaus realistisch, die Inszenierung verzichtet auf Spielereien und über weite Strecken ist nicht einmal Filmmusik zu hören. Dennoch findet Markovics auch immer wieder poetische, ausdrucksstarke Bilder für die Entwicklung von Roman. Zentral ist das Bild, das auch als Plakatmotiv gewählt wurde. Roman liegt fast regungslos auf dem Boden eines Schwimmbeckens. Über ihm im Wasser baumeln die Beine anderer. Roman hält die Luft an, blickt nach unten, weigert sich zu atmen und ist allein. Erst im Laufe des Films erkennt er, warum er mit dem Bekenntnis zum Leben solche Schwierigkeiten hat und lernt wieder zu atmen.

Stefan Stiletto

 

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KJK-Ausgabe 128/2011

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