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Ausgabe 128-4/2011

GEKIDNAPPT

KIDNAPPET

Produktion: SF Film Production ApS mit S/S Fladen Film AB; Dänemark / Schweden 2010 – Regie und Buch: Vibeke Muasya – Kamera: Alexander Gruszynski – Schnitt: Morten Højbjerg – Musik: Kristian Eidnes Andersen – Darsteller: Connie Nielsen (Susanne), Lars Mikkelsen (Victor), Simon Larsen (Simon), Amos Odhiambo (Amos), Irene Kayeri (Kanini) u. a. – Länge: 92 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Level K, Frederiksberg, Dänemark, Tel.: +45 4844 3072, e-mail: tine.klint@levelk.dk – Altersempfehlung: ab 10 J.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei elfjährige Jungen, deren bisheriges Leben nicht unterschiedlicher verlaufen sein könnte, obwohl beide in Kenia geboren wurden. Simon wurde noch als Baby im Waisenhaus von einer dänischen Ärztin im Entwicklungsdienst adoptiert, wuchs im Wohlstand auf und kann kein einziges Wort seiner Muttersprache Suaheli. Amos ist in den Slums von Nairobi aufgewachsen, hat schon Erfahrungen mit leichten Drogen gemacht und schlägt sich mit kleinkriminellen Handlungen durchs Leben. Er ist zudem an zwei wenig zimperliche Kriminelle geraten, denen er eine Menge Geld schuldet. Simon und Amos lernen sich kennen, als Simon seine Mutter bei einem Hilfsprojekt nach Nairobi begleitet und ein vom Vater geschenkter Fußball über die Absperrungen der Hotelanlage fast direkt vor die Füße von Amos fliegt. Um den Ball zurückzuholen, folgt Simon ihnen bis in die Slums, aus denen er alleine nicht mehr zurückfindet, zumal Amos dessen Handy stiehlt, in der Hoffnung, damit seine Schulden begleichen zu können. Unterdessen hat Simons Mutter die Polizei eingeschaltet und auf Rat eines afrikanischen Kollegen auch die Medien über das plötzliche Verschwinden ihres Sohnes informiert. Eine hohe Belohnung winkt für Hinweise auf den Verbleib des Jungen. Diese Verzweiflungsaktion hat ungeahnte Folgen, denn in einem armen Land wie Kenia wollen sich viele diese Belohnung sichern, auch Amos und die beiden Kriminellen. Simon wird gekidnappt und seine Mutter von den Kriminellen erpresst, die kurz darauf von einem Drogenboss eliminiert werden. Während die Situation noch weiter eskaliert, erkennt Amos seinen Fehler und setzt alles daran, um Simon zu retten.

Der Film zeigt zwar auch die verzweifelte Suche der Mutter nach ihrem Sohn, ist ansonsten aber weitgehend aus der Perspektive der beiden Jungen und weiteren Kindern erzählt, die viel Mut aufbringen, um einigen bösen Erwachsenen Paroli zu bieten. Er mutet seinen Protagonisten und damit auch einem jungen Publikum einiges zu, etwa wenn die beiden Gangster erschossen werden und auch Amos von einer Kugel schwer verletzt wird. Im Unterschied zu einem Thriller für Erwachsene fällt die Begleitmusik in entscheidenden Szenen jedoch vergleichsweise ruhig und deeskalierend aus und akrobatische Einlagen und Zwischenschnitte, etwa die eines kleinen Jungen, lockern die Spannung immer wieder kurz auf. Selbstverständlich gibt es ein Happy End, das noch einmal hervorhebt, was Simon – und mit ihm das Publikum – aus dieser Begegnung mit einer fremden Lebenswelt gelernt hat. Auf dem Kinderfilmfestival im norwegischen Kristiansand hat der Film 2011 gleich zwei Preise erhalten. Seine deutsche Erstaufführung hatte er im gleichen Jahr beim Filmfest/Kinderfilmfest München.

Geschichten mit dunkelhäutigen Hauptdarstellern und zentralafrikanischen Wurzeln sind im skandinavischen Kinderfilm fast schon selbstverständlich. Von daher war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Kinderfilm an Originalschauplätzen in Afrika selbst angesiedelt sein würde, beispielsweise in Kenia und der Stadt Nairobi. Die dänische Regisseurin Vibeke Muasya hat diesen logistisch immer noch recht aufwändigen Schritt gleich mit ihrem ersten Kinospielfilm gewagt und dafür das Genre des Thrillers zur Grundlage genommen. Ihr Film zeigt möglichst authentisch und realistisch die Lebensbedingungen in den Slums von Nairobi, die von Armut, schlechten hygienischen Bedingungen, Drogenkonsum, Hunger, Krankheiten und Kriminalität geprägt sind, ist zugleich spannend und unterhaltsam, um ein größeres Zielpublikum anzusprechen. Der bisherige Erfolg des Films gibt der von einer vergleichsweise komplizierten Dramaturgie gestützten Konzeption recht, auch wenn die Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist, dass gängige Klischeevorstellungen über Afrika eher bestätigt als hinterfragt werden.

Holger Twele

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 128-4/2011 - Hintergrund - GEKIDNAPPT

 

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