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Ausgabe 128-4/2011

IM WELTRAUM GIBT ES KEINE GEFÜHLE

I RYMDEN FINNS INGA KÄNSLOR

Produktion: Naive AB; Schweden 2010 – Regie: Andreas Öhman – Buch: Andreas Öhman, Jonathan Sjöberg – Kamera: Niklas Johansson – Schnitt: Mikael Johansson, Andreas Öhman – Musik: Josef Tuulse – Darsteller: Bill Skarsgård (Simon), Martin Wallström (Sam), Cecilia Forss (Jennifer), Sofie Hamilton (Frida) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Verleih: Arsenal Film – Altersempfehlung: ab 12 J.

Wenn Simon das Leben auf Erden nicht mehr aushält, flüchtet er in die Schwerelosigkeit, steigt in seine Raumkapsel und schwebt durchs Weltall. Ist unerreichbar für alles und jeden. Die Eltern versuchen verzweifelt, den Jungen aus seiner Isolation – einer rot gestrichenen Blechtonne auf vier Beinen mit Deckel und Luftrohr – herauszulocken. Die Mutter mit Schreien, der Vater mit Geld. Beides vergeblich. Also muss wieder Sam kommen, der größere Bruder. Er ist der einzige, der sich in die Welt des Jüngeren tasten kann. Simon hat Asperger, wie er allen, die ihm begegnen, ungefragt mitteilt, eine Art Autismus, der zwischenmenschliche Beziehungen so gut wie unmöglich macht. Gefühle sind für Simon nicht nachvollziehbar. Um durchs Leben zu kommen, braucht er absolute Ordnung. Jede Minute seines Tagesablaufs ist geregelt. Und jede Woche muss gleich ablaufen.

Da die Eltern mit Simon nicht klar kommen, wohnt er bei Sam und dessen Freundin Frida, die zunehmend genervt ist von diesem Leben zu Dritt, in dem sich alles nach Simon zu richten hat. Frida hält sich nicht mehr an die Regeln, öffnet einfach den Deckel der Raumkapsel und das Chaos bricht heraus. Sie stellt Sam vor die Wahl: Er oder ich. Doch Sam braucht Frida, wie Simon Sam braucht. Es gibt keine Lösung für Sam, aber für Frida. Sie geht und lässt einen unglücklichen Sam zurück. Simon weiß, dass er daran Schuld hat. Also muss eine neue Freundin her, die besser zu ihm passt. Er macht sich auf die Suche mit einer Liste von dreizehn Fragen und einer Polaroidkamera. Das Ergebnis seiner Sammlung klebt er akribisch in ein Album und überreicht es stolz seinem Bruder. Dass Übereinstimmung langweilig ist, sich Gegensätze anziehen, kann Sam ihm noch anschaulich anhand von zwei Magneten vermitteln. Aber nicht, was Liebe ist. Bei seiner erneuten Suche nach dem Gegensätzlichen gerät Simon an Jennifer. Hier stimmt nichts überein, also muss sie die Richtige sein! Jennifer spielt mit, mag ganz einfach diesen merkwürdigen Kerl mit dem Asperger-Syndrom. Sie fasst ihn auch immer wieder spontan an, was absolut verboten ist und ihn normalerweise ausrasten lässt. Aber Simon verändert sich – er, der nichts fühlen kann, organisiert mit anderen Gestörten aus seinem Arbeitsprojekt einen romantischen, gefühlvollen Abend für Sam und Jennifer, wo nicht nur die Sterne am Firmament funkeln und strahlen.

Regisseur Andreas Öhman, 26 Jahre jung, hat mit "Im Weltraum gibt es keine Gefühle" einen Debütspielfilm hingelegt, der von Schweden 2011 ins Oscar-Rennen geschickt wurde, eine Familienkomödie, wie der Verleih annonciert. Es ist keine Komödie im üblichen Sinne, eher im skandinavischen, wo derartige Geschichten lakonisch, unpathetisch, mit schrägem Humor und tiefer Humanität leidenschaftlich erzählt werden. Ein warmherziges Plädoyer fürs Anderssein, ein Stück Leben aus einer Welt, die normalen Menschen verschlossen ist, "die faszinierende, wundervolle Asperger-Welt", so der Regisseur: "Ich wollte  einen solchen Charakter auf die große Leinwand bringen. Simon und sein Universum gaben uns die Möglichkeit, eine stark visuelle Welt mit einer besonderen Art von Mensch darin zu erschaffen, komisch und schlicht und doch sehr komplex. Ich glaube, ganz tief in jedem von uns sind Asperger-Neigungen, mit denen wir sorgsam umgehen sollten. Sie machen uns besonders. So wie Simon besonders ist. Ich hoffe, Sie mögen ihn so wie ich ihn mag."

Ja, wir mögen ihn, diesen Simon in seiner korrekten rot-blauen Kleidung, der als Beweis seiner Wandlung und Entwicklung eines Tages in blau-rot daherkommt. Und wenn am Ende des Films Jennifers kleiner Finger mit einer vorsichtigen Berührung ein Lächeln in Simons Gesicht zaubert, überträgt sich das auf die jungen wie älteren Zuschauer – ein Generationen übergreifendes Filmerlebnis.

Gudrun Lukasz-Aden

 

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KJK-Ausgabe 128/2011

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