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Ausgabe 129-1/2012

HALBE PORTIONEN

Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg, in Koproduktion mit  SWR, ARTE und BR; Deutschland 2010 – Regie und Buch: Martin Busker – Kamera: Florian Langanke – Schnitt: Wiebke Hofmann – Musik: Steven Schwalbe, Fabian Schmitt – Darsteller: Mohammed Aslan (Umut), Lorenz Harder (Luka), Tolga Tank, Hakan Kicir, Valérie Lillibeth, Walter Sittler, Gerhard Polacek u. a. – Länge: 52 Min. – Farbe – Altersempfehlung: ab 12 J.

Bereits als Abiturient drehte der 1980 in Emden geborene Martin Busker mit "Ferne Ufer" seinen ersten – wie er selbst sagt – "ernstzunehmenden Film". 2008 überzeugte er mit dem Kurzspielfilm "Höllenritt". Dieser Hochschulfilm, produziert an der Filmakademie Baden-Württemberg, wurde auf vielen nationalen und internationalen Festivals präsentiert und mehrfach ausgezeichnet. Es geht um den zwölfjährigen Jakob, der sich nach der Scheidung seiner Eltern von seinem Vater im Stich gelassen fühlt und deshalb in einen Club namens PSA, sprich: "Papas sind Arschlöcher", eintreten will. Die Aufnahmeprüfung besteht im Fertigmachen des Erzeugers und so muss Jakob seinem Vater das erste gemeinsame Wochenende so richtig vermiesen, was ihm aber dann trotz aller Anstrengung nicht gelingt. Beim Deutschen Kinder-Medien-Festival GOLDENER SPATZ 2009 wurde diese äußerst einfallsreiche und witzige Produktion mit dem Drehbuchpreis des MDR Rundfunkrates ausgezeichnet. 2011 nun war Buskers Abschlussfilm "Halbe Portionen" für den Wettbewerb des Kinder-Medien-Festivals nominiert und erhielt von der Jury des jungen Publikums gleich zwei GOLDENE SPATZEN: einen für den besten Film in der Kategorie Kurzspielfilm, Serie, Reihe und einen für Lorenz Harder als besten Darsteller.

Worum geht es in diesem ungewöhnlichen 52-minütigen Spielfilm? Der zwölfjährige, etwas pummelige türkische Junge Umut aus Stuttgart plappert wie ein Wasserfall, übrigens mit schwäbischem Akzent, und hat Sätze drauf wie: "Ein echter Agent schläft nie, nur mit schönen Frauen!" Denn seine Tagträume drehen sich darum, dass er mal Geheimagent, mal Polizist oder Bodyguard ist. Doch so selbstbewusst, wie er wirkt, ist Umut gar nicht, denn in Wahrheit wird er von der Gang seines großen Bruders gehänselt und unter Druck gesetzt. Für die soll er Leute abzocken und Handys klauen. Ausgerechnet der ein Jahr ältere Luka ist sein erstes Opfer. Luka, der zusammen mit seiner alkoholkranken Mutter in einer heruntergekommenen Wohnung lebt, ist schwer traumatisiert und spricht kein einziges Wort. Nur mit seiner Handpuppe aus Stoff und einem Pflaster quer über dem Gesicht kann er Kontakt zu seiner Umwelt aufnehmen. Umut überfällt diesen merkwürdigen, völlig verängstigten Jungen allerdings nur zum Schein, damit der Chef der Gang endlich Ruhe gibt. Doch dann beobachtet er, wie Luka sich vor den Zug werfen will. Er rettet Luka, den er von nun an "Psycho" nennt, und freundet sich schon bald "auf Probe" mit ihm an. Zusammen erleben sie den wohl aufregendsten Tag ihres Lebens, an dem Luka betteln lernt und Umut ihm zeigt, wie er einen echten Hubschrauber der Deutschen Luftrettung per Fernsteuerung zum Landen bringt. Doch diese Abenteuer sind nichts gegen das entsetzliche Geheimnis, das Luka mit sich herumträgt. Denn in der Nacht zuvor ist seine Mutter gestorben und sitzt zu Hause vor laufendem Fernseher tot in ihrem Sessel. Und das gerade heute, wo sie Geburtstag hat! Als Luka seinen "Freund auf Probe" mit zu sich in die Wohnung nimmt und ihm zeigt, was passiert ist, weiß Umut, dass er den stummen, hilflosen Jungen nicht mit seinem Problem allein lassen kann.

"Wir haben uns entschlossen, dem Film 'Halbe Portionen' den GOLDENEN SPATZ zu überreichen", schrieb die Jury des jungen Publikums in ihrer Begründung, "weil die Geschichte uns sehr berührt hat und viele Emotionen in uns hervorgerufen hat. Wir haben sowohl geweint als auch gelacht. Es hat uns auch sehr fasziniert, dass zwei so unterschiedliche Welten und Charaktere aufeinander treffen und dadurch eine Freundschaft entsteht, in der Umut Luka die Freude am Leben wiedergibt und ihn immer wieder davon abhält, sich sein Leben zu nehmen." Eigentlich kann man nur schwer beschreiben, was diesen Film so auszeichnet, so besonders macht. Wahrscheinlich ist es dieses enge Beieinander von Schmerz, Trauer, Freude und Spaß, sicher auch die ungewöhnliche Geschichte mit all ihren überraschenden kleinen Beobachtungen. Vor allem aber ist es das Zusammenspiel dieser beiden so unterschiedlichen Protagonisten. Eingeführt werden sie als Loser dieser Gesellschaft, der eine plappernd, der andere stumm. Dann erobern sie im Fluge unser Herz, bis sie am Ende des Films die Gewissheit ausstrahlen, dass sie stark und ohne Angst und sicher auch weiterhin so verrückt ihren Weg gehen werden. Das macht nicht nur Kindern Mut und gibt Kraft trotz aller Traurigkeit. Bemerkenswert ist die schauspielerische Leistung der beiden Jungen Mohammed Aslan und Lorenz Harder: frisch, unverbraucht und trotz der wirklich schwierigen Rollen so authentisch und bezaubernd.

Barbara Felsmann

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 129-1/2012 - Interview - "Warum dürfen Kinder im Kino nicht weinen?"

 

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