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Ausgabe 129-1/2012

JONAS

Produktion: Boje Buck Produktion mit ARD Degeto und DCM Productions; Deutschland 2011 – Regie: Robert Wilde – Buch: Johannes Boss – Kamera: Frank Lamm – Schnitt: David Gruschka – Musik: Charlotte Goltermann – Darsteller: Christian Ulmen sowie Schüler und Lehrer der Paul Dessau Gesamtschule in Berlin, Zeuthen – Länge: 106 Minuten – Farbe – FSK: ab 6 J. – Verleih: Delphi Filmverleih GmbH – Altersempfehlung: ab 12 J.

Für Jonas – anscheinend über 18, denn er kommt mit dem Auto vorgefahren – ist diese Schule die letzte Chance. Er bemüht sich redlich, ist nett, irgendwie ein Fremdkörper in der Klasse. Nicht nur, weil er merkwürdig aussieht, ein bisschen wie Pumuckl, sondern auch, weil er sich merkwürdig verhält. Er ist absolut arglos, freundlich, manchmal schwer von Begriff. Hat er aber begriffen, freut er sich wie ein kleines Kind und führt die Schritte seines Lernens an der Tafel vor. Die Lehrer sind offensichtlich irritiert von diesem Kerl, der da täglich aus der Hauptstadt anreist. Vor allem seine Musiklehrerin weist Jonas immer wieder in die Schranken. Als er ihr schließlich gesteht, sich in sie verliebt zu haben, hat ihre freundliche Nachsicht ein Ende. Sie mahnt ihn ernsthaft, diesen Unsinn zu lassen. Auch die anderen Lehrer wissen nicht recht, was sie von diesem eigenartigen Schüler halten sollen Die Lehrer konferieren über Jonas und beschließen mehrheitlich, ihn nicht weiter zu unterrichten. Er bittet und bettelt um eine Verlängerung seiner Probezeit und wickelt schließlich Lehrer wie Schüler mit einem Band-Projekt um den Finger. Er bekommt sie – die letzte Chance.

In diesem dokumentarischen Spielfilm sind die Mitschüler echt, die Lehrer sind es ebenfalls, die Schule auch. Nur Jonas ist es nicht. Hinter dem 18-Jährigen verbirgt sich der Schauspieler, Entertainer und Schriftsteller Christian Ulmen, im wirklichen Leben doppelt so alt wie Jonas. Um so auszusehen wie ein Schüler, verbrachte er jeden Morgen vor Schulbeginn vier Stunden in der Maske. Das sieht man in jeder Szene, in jeder Großaufnahme, von deren es viele gibt, zu viele. Die Mitschüler haben offenbar nicht richtig hingeschaut, lassen sich weder von diesem neuen Schüler noch von den Kameras stören. Und die Lehrer? Ihr hintergründiges Lächeln lässt vermuten, dass sie die Täuschung durchschaut haben.

Christian Ulmen hat sich mit diesem Film auf ein neues Abenteuer eingelassen – ähnlich seiner Fernsehserie "Mein neuer Freund", für die Robert Wilde ebenfalls als Regisseur zeichnet. Dort geht es darum, dass Ulmen den neuen Freund einer Tochter darstellt, der in die Familie eingeführt wird und sich von einer Peinlichkeit zur nächsten hangelt. Komplizin ist die Freundin, die weiß, was gespielt wird und mitspielt. Aber wie ist das in "Jonas"? Wer ist Komplize, wer außer Ulmen spielt mit? Und es stellt sich die Frage: Was soll das Ganze? Es wird niemand vorgeführt oder bloß gestellt, nichts wird entlarvt. Außer Christian Ulmen, doch der tut das selbst mit großem Eifer, zur Unterhaltung der Kinogänger, die natürlich von Anfang an wissen, wer der Schüler ist. Ulmen: "Ich habe als Jonas meine ganz persönlichen Ängste als Schüler wieder erlebt: Wie ist es, eine wichtige Klassenarbeit zu verkacken, die Peinlichkeit und Scham, an der Tafel etwas vorzurechnen." – Na und? Ein Kinofilm ist das falsche Format für dieses Undercover-Unternehmen. Ohne Ulmen wäre ein kurzweiliger, amüsanter wie informativer Dokumentarfilm über eine sympathische Gesamtschule mit lässiger, kompetenter Lehrerschaft herausgekommen. Mit ihm ist es eine Farce, die ins Leere geht.

Gudrun Lukasz-Aden

 

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KJK-Ausgabe 129/2012

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