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Ausgabe 129-1/2012

KRIEG DER KNÖPFE

LA NOUVELLE GUERRE DES BOUTONS

Produktion: La Petit Reine / TF1 Films Production / Studio 37 / Mars Films / Logline Studios; Frankreich 2011 – Regie: Christophe Barratier – Buch: Stéphane Keller, Christophe Barratier, Thomas Langmann, Philippe Lopes Curva, nach dem gleichnamigen Roman von Louis Pergaud – Kamera: Jean Poisson – Schnitt: Yves Deschamps, Anne-Sophie Bion – Musik: Philipp Rombi – Darsteller: Jean Texier (Lebrac), Clément Godefroy (Kleiner Gibus), Théophile Baquet (Großer Gibus), Louis Dussol (Bacaillé), Harald Werner (La Crique), Thomas Goldberg (Aztec), Ilona Bachelier (Violette), Laetitia Casta (Simone), Guillaume Canet (Paul, der Lehrer), Kad Merad (Vater Lebrac), Gérard Jugnot (Vater Aztec), Francois Morel (Vater Bacaillé), Marie Bunel (Mutter Lebrac) u. a. – Länge: 100 Min. – Farbe – FSK: ab 6 J. – Verleih: Delphi Filmverleih – Altersempfehlung: ab 8 J.

Bereits in der ersten Einstellung – die beiden Gibus-Brüder kommen plaudernd einen Feldweg entlang – ist die Zeit klar, in der diese neue Verfilmung des Buch- und Film-Klassikers spielt: Der kleine Gibus hofft, dass der Vater bald aus dem Krieg heimkommt. Es ist der März 1944 in Frankreich, irgendwo zwischen den Dörfern Velrans und Longeverne. Seit jeher verbindet die Bewohner eine innige Feindschaft, und so stürzen sich auch jetzt aus dem Hinterhalt die Jungs von Velrans auf die Brüder von Longeverne und Aztec, der Anführer, verhöhnt sie als "Schlappschwänze". Das hat natürlich Folgen, sobald sie es in Longeverne ihrem Anführer Lebrac sagen. Dort gibt es allerdings erst mal eine schöne Neuigkeit zu bestaunen. Mademoiselle Simone hat ihre Nichte Violette aus Paris zu sich geholt, ein apartes dunkelhaariges Mädchen, das – wie sich in der Schule herausstellt – gescheit ist und gute Manieren hat. Davon kann bei Lebrac nicht die Rede sein; schon seine geografischen Kenntnisse, die er an der Tafel demonstrieren soll, sind äußerst lückenhaft, und mit seinem Vater gerät er immer öfter aneinander, nicht nur, weil der ihm untersagt, den – allgemein verbotenen – Radiosender London aufzudrehen. Die meiste Zeit jedoch sind alle damit beschäftigt, das Gleichgewicht im Kampf mit der Clique des gegnerischen Dorfes zu halten und die Techniken werden immer fantasievoller, aber auch rauer. Als mit dem ehemaligen Schüler Brochard, der sich jetzt als Spitzel für die deutsche Besatzung betätigt, und patrouillierenden Lastkraftwagen die Gefahr für die Dorfbewohner und für Violette, die Lebrac ihre jüdische Herkunft anvertraut, lebensbedrohlich wird, wenden sie sich wichtigeren Dingen zu und bringen nicht zuletzt Mademoiselle Simone und Violette in Sicherheit.

Dieses Ende unterscheidet sich wesentlich von dem Klassiker in Schwarzweiß aus dem Jahr 1962 von Yves Robert, wo sich die jugendlichen Anführer aus den beiden Dörfern zu ihrem Erstaunen im Internat wieder treffen. Durch die zeitliche Verschiebung der Geschichte bekommt die Neuverfilmung von Christophe Barratier ("Die Kinder des Monsieur Mathieu") eine zweite Ebene, was ausgesprochen gut gelungen ist. Die Verknüpfung des Grundthemas – die seit Generationen herrschende Bekriegung zweier Dörfer – mit dem Leben im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs ist absolut stimmig und wirkt in keiner Weise aufgesetzt. Wir sehen eine schöne Mischung aus unbeschwerten Spielen, amüsanten Begebenheiten, zarten Annäherungen, beherztem Handeln, aber auch mit überzeugend dargestellten Gefühlen wie Verrat, Zorn, Angst und Enttäuschungen. Der Film hält die Spannung bis zum Schluss, denn es geht immer auch um die Frage, wer ist Freund, wer Feind, wem kann man vertrauen – da ist manche Überraschung eingebaut. Ein wunderbar leichter, atmosphärischer Film mit einer spielfreudigen Kinderschar und gut besetzten Erwachsenenrollen – ein nachwirkendes Filmerlebnis!

Barratiers Film, der nach der Originalübersetzung "Der neue Krieg der Knöpfe" heißt, ist einer von zwei Filmen, die – nachdem die Buchrechte gerade abgelaufen sind – nach der gleichen Buchvorlage ("La guerre des boutons" von Louis Pergaud, 1912) entstanden sind und in Frankreich im September 2011 innerhalb von einer Woche ihren Kinostart hatten und sich seither erfolgreich in einem Wettbewerb befinden: Die Neuverfilmung von Yann Samuell, deren Handlung wie Yves Roberts Film in den 60er-Jahren spielt und die nicht in die deutschen Kinos kommt, sahen in Frankreich 1,4 Millionen, Barratiers Film hatte bisher 1,5 Millionen Zuschauer, weitere sind ihm zu wünschen.

Christel Strobel

 

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