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Ausgabe 129-1/2012

KRIEGERIN

Produktion: Mafilm in Ko-Produktion mit ZDF und HFF; Deutschland 2011 – Regie und Buch: David Wnendt – Kamera: Jonas Schmager – Schnitt: Andreas Wodraschke – Musik: Johannes Repka – Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Klaus Manchen (Großvater Franz) u. a. – Länge: 103 Min. – Farbe – FSK: ab 12 J. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Ascot Elite Filmverleih – Altersempfehlung: ab 16 J.

Ein Mädchen, vom schweren Rucksack niedergedrückt, schleppt sich über den Ostseestrand. Erschöpft erreicht es ihr Ziel: den geliebten Großvater, der seine Enkelin für das Leben trainiert, sie hart und stark macht.

Zehn Jahre später. Marisa ist zwanzig und gehört einer Clique jugendlicher Neonazis an. Ihr T-Shirt ist Programm: Nazibraut. Sie entern einen Zugwaggon und klatschen alles, was ausländisch aussieht, verbreiten Angst und Schrecken. Unangegriffen, ungestraft, lachend. Ansonsten gibt es nicht viel zu lachen in der ostdeutschen Provinz. Marisa arbeitet an der Kasse eines Supermarktes – das tätowierte Hakenkreuz am Hals hat sie sichtbar mit Hansaplast überklebt. Kommt ein Ausländer, verlässt sie demonstrativ ihren Arbeitsplatz. Als die jungen Asylanten Rasul und Jamil den Laden betreten, spürt sie nur noch Hass. Endlich kommt ihr Freund Sandro aus dem Knast. Sie fallen übereinander her, Marisas Sexualität ist aggressiv wie ihr gesamtes Lebensgefühl, das vom Hass gespeist ist, Hass auf Ausländer, Juden, auf die Polizei. Als Rasul und Jamil an ihrem Badesee auftauchen, kennt ihre Verachtung keine Grenzen. Die beiden werden gedemütigt und vertrieben. Rasul ist sauer, tritt gegen Marisas Auto. Voller Wut verfolgt sie die beiden und rammt ihr Moped in den Straßengraben. Am nächsten Tag beschleicht Marisa ein Gefühl, das man als schlechtes Gewissen deuten könnte. Sie sucht nach Blutspuren, findet nichts. Die Asylanten tauchen nicht wieder auf. Ist sie eine Mörderin? Nein. Sie ist erleichtert, als sie Rasul sieht. Der hat keine Angst vor ihr, konfrontiert sie mit seiner Geschichte und erwartet ihre Hilfe. Davon darf niemand etwas wissen. Marisas Blick auf die Realität verändert sich, auf den geliebten Großvater, der die braune Saat in ihr gesät hat, auf die anderen besoffenen Altnazis, die sich mit den jungen Neonazis verbrüdern. Am Beispiel von Svenja, einer l6-Jährigen, die unbedingt dazu gehören möchte, wird Marisa klar, wie dumm man sein muss, um das zu wollen. Doch eine Umkehr ist Verrat und auf Verrat steht die Todesstrafe, nicht nur im Krieg.

Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt, Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam Babelsberg, kommt aus den alten Bundesländern. Auf seinen Reisen durch die ehemalige DDR begegneten ihm immer wieder rechtsextreme Jugendliche, die sein Interesse weckten. Er recherchierte in der Szene, legte einen Schwerpunkt auf Interviews mit jungen Frauen und entwickelte mit diesem Hintergrundwissen das Drehbuch. Eine packende mehrdimensionale Geschichte, der man sich kaum entziehen kann, auch wenn sich der gesunde Menschenverstand dagegen wehrt, so eine wie Marisa kennen zu lernen. "Der Film soll aufklären, ohne vordergründig pädagogisch zu sein. Er soll Stellung beziehen, ohne auf Klischees zurückzugreifen. Er soll provozieren und unterhalten …" So der Regisseur. Die Musik tut ihr Übriges, sie fetzt, reißt mit und lässt ermessen, was den Sog rechtsextremer Cliquen ausmacht. Zusammen sind sie stark, regieren zwar nicht die Welt, aber die Region.

Für ihre Leistungen wurden der Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt wie auch die Hauptdarstellerin Alina Levshin mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Förderpreis Deutscher Film / Filmfest München 2011, First Steps Award 2011, Prix Genève Europe 2011, MFG-Star Baden-Baden.

Vor dem Hintergrund des Mördertrios aus Zwickau bekommt die "Kriegerin", obwohl Monate vor diesen Ereignissen fertiggestellt, eine fragwürdige Publizität. Die FSK-Freigabe ab 12 sowie das Prädikat "besonders wertvoll" machen die Rezeption dieses Films nicht einfacher. Die rechtsextreme Szene in den neuen Bundesländern wird er keinesfalls schwächen – so viel Prognose muss gestattet sein.

Gudrun Lukasz-Aden

 

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