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Ausgabe 129-1/2012

SUBMARINE

Produktion: Warp Films / Film4 / Red Hour Films; Großbritannien / USA  2010 – Regie und Buch: Richard Ayonade, nach dem Roman "Ich, Oliver Tate / Submarine" von Joe Dunthorne – Kamera: Erik Wilson – Schnitt: Chris Dickens, Nick Fenton – Musik Andrew Hewitt; Lieder: Alex Turner (Arctic Monkeys) – Darsteller: Craig Roberts (Oliver Tate), Yasmin Paige (Jordana Bevan), Sally Hawkins (Jill Tate), Noah Taylor (Lloyd Tate), Paddy Considine (Graham Purvis), Darren Evans (Chips)  u. a. – Länge: 97 Min. – Farbe – FSK: ab 12 J. – Verleih: Kool Filmdistribution – Altersempfehlung: ab 16 J.

Wales, Mitte der 80er-Jahre. In der verschlafenen Küstenstadt Swansea lebt Oliver Tate, ein abgeklärter, leicht verschrobener 15-Jähriger, der eher am äußeren Rand des gesellschaftlichen Lebens seine Bahnen zieht. Wenn er nicht gerade in seinem Wörterbuch liest, Tagebuch schreibt, das Sexualleben seiner Eltern dokumentiert oder sich ausmalt, wie die walisische Bevölkerung auf seinen Tod reagieren würde, hat er ein Auge auf seine Klassenkameradin Jordana geworfen. Das unnahbar wirkende Mädchen mit der Bob-Frisur und dem roten Mantel scheint Olivers Annäherungsversuchen allerdings äußerst vehement standhalten zu können. Seine beiden Eltern um hilfreiche Ratschläge zu bitten, kommt für den stets Parka-tragenden Nerd allerdings nicht in Frage. Denn in Sachen Liebe und Beziehung erfüllen diese nicht gerade eine Vorbildfunktion und zu allem Übel steht ihre marode, in tumbe Routine versinkende Ehe vor der Katastrophe, als ein sonderbarer Esoterik-Guru (Paddy Considine) in das Haus nebenan einzieht, der sich als verflossener Geliebter seiner Mutter (Sally Hawkins) entpuppt. Als Oliver argwöhnisch beobachtet, wie sich seine Mutter heimlich mit ihrer alten Flamme trifft, beschließt er, den seltsamen Eindringling mit allen notwendigen Mitteln zu bekämpfen und tut sein Möglichstes, um seine Mutter wieder an den seit seiner eigenen Pubertät depressiven Vater (Noah Taylor) heranzubringen. Doch indem Oliver sich entscheidet, die Ehe seiner Eltern zu retten, lässt er seine eigenen Wünsche und Sehnsüchte schleifen.

Aus filmhistorischer Sicht hatte der Nerd als zentrale Filmfigur seinen ersten Auftritt in der College-Komödie "Revenge of the Nerds – Die Rache der Eierköpfe" von Jeff Kanew aus dem Jahre 1984, löste sich still und leise aus dem Nischen-Dasein und erfreut sich seit geraumer Zeit an immer wachsender Beliebtheit unter den Film- und Fernsehschaffenden. Sei es etwa in Chuck Lorres hochdekorierter TV-Serie "The Big Bang Theory", oder auf der großen Leinwand wie in Edgar Wrights vielbesprochener Comic-Verfilmung "Scott Pilgrim vs. The World", der sensible Nerd scheint langsam den klassischen Film-Archetypus "beliebter Sunnyboy und Quarterback des Football-Teams mit Cheerleader-Freundin" als Identifikationsfläche für junge Heranwachsende abzulösen.

Das Debüt des bisher hauptsächlich im britischen Fernsehen – vor allem in der Comedy-Serie "The IT Crowd" – in Erscheinung getretenen Richard Ayoade, schlägt zwar in die gleiche Kerbe, stimmt jedoch andere Töne an. In lakonischen und treffsicheren Off-Kommentaren lässt Ayoade seinen mitunter selbstgefälligen und hasenfüßigen Protagonisten Oliver Tate das eigene Leben in all seiner Unspektakulärität kommentieren. In jenen spröden, wunderbar unaufgeregten Momenten versprüht die Figur jenen trockenen Witz, für den seine Landsleute so berühmt sind. Neben der Besetzung der Hauptcharaktere, die sich erfrischend vom klassisch-schönen Hollywood-Cast abhebt, ist auch der Soundtrack zu erwähnen, für den Alex Turner, Frontmann der Artic Monkeys, fünf Songs beigesteuert hat, die in Form einer Musik-Kassette vom Vater an den Sohn weitergegeben wird, die sowohl Olivers Gefühlschaos und Innenleben untertiteln, als auch die einzelnen Filmkapitel miteinander verbinden. Mit "Submarine" ist Richard Ayoade eine der interessantesten und charmantesten Indie-Komödien der jüngsten Zeit gelungen, die zu Recht auf den Filmfestspielen in Toronto, Sundance oder Berlin das Publikum verzaubert hat.

Thomas Künstle

 

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