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Ausgabe 130-2/2012

GROUPIES BLEIBEN NICHT ZUM FRÜHSTÜCK

Produktion: SamFilm, Deutschland 2010 – Regie: Marc Rothemund – Buch: Kristina Magdalene Henn, Lea Schmidbauer – Kamera: Martin Langer – Schnitt: Alexander Dittner, Hans Funck, Sebastian Thümler – Musik: Gerd Baumann – Darsteller: Anna Fischer (Lila), Kostja Ullmann (Chriz), Amber Bongard (Luzy, Lilas Schwester), Nina Gummich (Nike, Lilas Freundin), Roman Knižka (Paul, Bandmanager), Inka Friedrich (Lilas Mutter, u. a. – Länge: 103 Min. – Farbe – FSK: ohne Altersbeschränkung – FBW-Prädikat: wertvoll – Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany – Altersempfehlung: ab 12 J.

Marc Rothemund macht ganz verschiedene Filme. International bekannt wurde er vor allem durch das Drama "Sophie Scholl – Die letzten Tage" (2005), aber zuvor hatte er schon die Komödien "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" (1998) und "Harte Jungs" (2000) gedreht. Rothemund, der sein Metier ohne den Besuch einer Filmhochschule von der Pieke auf erlernte, lässt sich demnach nicht in eine Schublade stecken. Das gilt auch für seinen neuen Film. Der Plot über die unsterbliche Liebe zwischen einem naiven jungen Mädchen aus Berlin und dem charismatischen Leadsänger einer Boygroup-Band, der weibliche Teenies zum Dauerkreischen bis hin zu Ohnmachtsanfällen bringt, klingt zunächst wie zielgruppengerecht aufbereiteter Mainstream mit allerhöchstem Kitschfaktor. Die Sache wird nicht automatisch dadurch auf ein höheres Niveau gehoben, dass sich Rothemund die Gruppe Tokio Hotel und ihren Sänger Bill Kaulitz erklärtermaßen zum Vorbild genommen hat. Mit stereotypen Erwartungshaltungen lässt sich dieser Teenie-Komödie allerdings nicht gerecht werden.

Das liegt – neben der auf große Emotionen und starke Gefühle setzenden Regie und der stimmigen Drehbuchvorlage von Kristina Magdalene Henn und Lea Schmidbauer – zuallererst an den beiden Hauptdarstellern Anna Fischer und Kostja Ullmann. Sie statten ihre Bilderbuch-Rollen mit viel menschlicher Individualität und großer Sensibilität aus, ihre Lebendigkeit und Unverfälschtheit wirkt ansteckend, insbesondere bei der im wirklichen Leben schon deutlich älteren Anna Fischer als Lila. Die 17-Jährige ist gerade erst von einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA zurückgekehrt – und beim Rückflug durch lautes Schnarchen aufgefallen. Was auch in einem Film nicht gerade die Sympathiewerte erhöht, wird von Lila durch ihre direkte, leicht chaotische, aber nie wirklich nervende Art spielend überbrückt und ins Positive verwandelt. Lila weiß nicht, dass in Deutschland inzwischen eine Band mit dem Namen "Berlin Mitte" für Furore sorgt, die bei weiblichen Fans für eine Massenhysterie sorgt, der sich auch Lilas jüngere Schwester Luzy hemmungslos hingibt. Als Lila durch einen Zufall Chriz kennen lernt und sich sofort in ihn verliebt, weiß sie daher nicht, dass es sich um den Leadsänger dieser Gruppe handelt. Dieser wiederum genießt es, von Lila nicht als Star, sondern einfach als Mann und Mensch gesehen und geliebt zu werden. Die kurze Romanze nimmt ein jähes Ende, als Lila erfährt, in wen sie sich da verliebt hat und Chriz von seinem Manager unsanft an die Vertragserfüllung und die gnadenlosen Gesetze des Musikmarktes und der PR-Arbeit erinnert wird. Weder Lila noch Chriz sind bereit, sich diesen Sachzwängen einfach zu beugen, doch wie weit sie für ihre Liebe gehen können und wollen, müssen sie selbst erst herausfinden.

Bis in die Nebenrollen hinein gut besetzt, sorgt der Film nicht nur bei der jugendlichen Zielgruppe für kurzweilige Unterhaltung mit überraschenden Wendungen und großer Empathie für die Figuren, wobei auch kritische Töne über die Kultur- und Musikindustrie nicht ausgespart bleiben. Denn auch das ist eine Kunst: Die Strukturen des Marktes infrage zu stellen und zugleich voll zu bedienen und die Widersprüchlichkeit einer Jugendkultur zwischen Anpassung und Rebellion so zu präsentieren, dass sich am Ende ein konsensfähiges Wohlgefühl breit macht – das wird auch als Feel-Good-Movie bezeichnet.

Holger Twele

 

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KJK-Ausgabe 130/2012

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