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Ausgabe 130-2/2012

LIEDER DER WELT

BARDSONGS

Produktion: Sander Francken Film; Niederlande 2010 – Regie: Sander Francken – Buch: Sander Francken, Joost Schrickx – Kamera: Melle van Essen, Sal Kroonenberg, Bert Pot – Schnitt: Gys Zevenbergen – Musik: Adi Bhasin, Afel Bocoum, Sakar Khan, Morup Namgyal, Rainer Michel – Darsteller: Abba Bilancoro, Kolado Bocoum, Dhamender Singh, Kishan Soni, Tsewang Spalgon, Deachen Yangdol u. a. – Länge: 94 Min. – Originalfassung mit deutschen Untertiteln – Farbe – Verleih: as2edition Verleih, Pullach im Isartal – Filmstart: Mai/Juni 2012 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Trotz der Verschiedenheit der Kulturen auf der Welt gibt es auch Gemeinsamkeiten und Verbindungen. Joseph Campbell beispielsweise hat bei der Untersuchung von überlieferten Geschichten solche strukturellen Ähnlichkeiten entdeckt, Christopher Vogler hat sie im Bereich des Films gefunden. Aber auch im Bereich der aufgegriffenen Themen finden sich von Afrika bis nach Indien über die Religionen hinweg oft mehr Gemeinsamkeiten als auf den ersten Blick zu erwarten wäre. Im Bereich der Weltmusik werden sie häufig von Bardensängern aufgegriffen und an die nächste Generation weitergegeben. Der niederländische Autor, Regisseur und Produzent Sander Francken hat nach solchen "universellen" Geschichten und Bardenliedern Ausschau gehalten. Aus drei dieser Geschichten, die nach Jodhpur im nordindischen Bundesstaat Rajasthan, nach Djenné in Mali und in das tibetische Hochgebirge von Ladakh führen, ist einer der ungewöhnlichsten Filme der letzten Jahre entstanden, gedreht an grandiosen Originalschauplätzen, die allein schon den Besuch des Films im Kino lohnen. Ausgangspunkt sind traditionelle Bardenlieder, die von bekannten Interpreten der jeweiligen Region vorgetragen werden und den äußeren Rahmen jeder Geschichte abgeben. Aus diesem Grund wird der Film auch in der jeweils landesspezifischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln präsentiert. Die "Lebensweisheiten", die in ihrer länderspezifischen Ausprägung in eine Spielfilmhandlung gefasst sind, finden sich auch in anderen Kulturen und sind so elementar und leicht verständlich, dass sie für ein junges Publikum geeignet sind, selbst wenn nur in der Geschichte aus Mali ein kleiner Junge die Hauptrolle spielt.

In der ersten Geschichte geht es um Glück und Unglück und die Schwierigkeiten der Beurteilung, ob es das Schicksal gut oder böse mit einem meint, denn das lässt sich oft erst im Nachhinein feststellen. Sahir und sein Vater verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Plastik in einer nordindischen Stadt. Als ihr Kamel verschwindet, das den schweren Karren durch die engen Straßen der Stadt zog, werden sie von ihren Mitmenschen bedauert. Der Vater beharrt zur allgemeinen Verwunderung jedoch darauf, dass dies nicht notwendigerweise ein Unglück sei – und nach mehreren überraschenden Wendungen der Geschichte lässt sich nachvollziehen, warum er sich nie aus der Fassung bringen ließ.

In Mali möchte der kleine Bouba die Antwort auf eine wichtige Frage finden, um von seinem Lehrer der Koranschule in die nächste Klasse versetzt zu werden. Sieben Tage hat er für die Beantwortung der Frage, worin der größere Teil des Wissens bestehe, Zeit. Auf seinen Streifzügen durch die Stadt lernt er einen Schmied, einen Maurer, einen Fischer, einen Jäger, weiße Touristen und ein gleichaltriges Mädchen kennen, die jeweils ihre eigenen Ansichten zu dieser Frage haben. Bevor er die richtige Antwort findet, die auf den griechischen Philosophen Sokrates zurückgeht, hat er viel über das Leben gelernt und das Publikum faszinierende Einblicke in eine andere Kultur erhalten.

Die dritte Kurzgeschichte wurde in ihrer Substanz schon mehrfach verfilmt, darunter auch in Afrika. Sie ist hierzulande in der Variation des Bauern und seinem Esel bekannt, der mit seinem Sohn unterwegs ist. Hier ist sie im Hochgebirge von Ladakh angesiedelt. Der verwitwete Bauer Sonam macht sich mit seiner 15-jährigen Tochter Padma auf den Weg in die ferne Stadt, um dort auf Anraten des Dorfrates eine junge Kuh gegen ein Handy einzutauschen. Widerstrebend folgt Padma ihrem Vater, sie möchte die Kuh lieber behalten. Auf dem beschwerlichen Weg sieht sich Sonam noch mehrfach mit den Ratschlägen und stillen Erwartungen seiner nicht selten sehr egoistischen Mitmenschen konfrontiert, bis er dank der bockenden Tochter seine Fehler erkennt und zu sich selbst findet.

Der auf dem Lucas-Kinderfilmfestival 2011 erstmals in Deutschland präsentierte Film fordert die Bereitschaft, sich auf die exotisch klingenden Bardenlieder und die fremden Kulturen einzulassen und durch die ruhige Erzählweise auch etwas Geduld. Dafür belohnt er mit faszinierenden Bildern und völkerverbindenden universellen Lebensweisheiten, die bereits in der Grundschule ihren Platz haben.

Holger Twele

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 130-2/2012 - Interview - Gemeinsamkeiten in den Kulturen entdecken

 

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