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Ausgabe 130-2/2012

DER SIEBENTE RABE

Produktion: Mediahaus Kreischa; Deutschland 2011 – Regie, Buch, Kamera, Animation und Figuren: Jörg Herrmann (nach der sorbischen "Krabat"-Sage, folgend Dürr’s Sammlung Deutscher Sagen, Leipzig 1918) – Sprechertexte und Dramaturgie: Hedda Gehm – Schnitt und Compositing: Stefan Kutsche – Musik und Sound: Manfred Mammitzsch – Szenenbild: Judith Andó – Psaligrafie: Petra Herrmann, Rosi Bundesmann – Trickbanktechnik: Friedrich Herrmann – Sprecher (deutsche Fassung): Thomas Schuch (Alter Krabat), Adrian Georgi (Knabe Krabat) – Länge: 72 Min. – Farbe – Verleih: Mediahaus Kreischa, Baumschulenstraße 15, D-01731 Kreischa OT Gombsen, Tel.: +49 35206 22131, Fax: +49 35206 22133, E-Mail: info@sumarum.de – Altersempfehlung: ab 8 J.

Nach zwei Real-Verfilmungen (der DEFA-Produktion "Die schwarze Mühle" von Celino Bleiweiß aus dem Jahre 1975 sowie der "Krabat"-Version Marco Kreuzpaintners als deutsche Fantasy-Produktion von 2007) und einer Animation ("Krabat – Der Lehrling des Zauberers" des tschechischen Regisseurs Karel Zeman von 1977) legt der Dresdner Filmemacher und Produzent Jörg Herrmann nun eine neue Umsetzung der sorbischen "Krabat"-Sage vor, diesmal als Silhouettenfilm. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern nutzt Herrmann nicht literarisch-gefilterte, ausgeschmückte und interpretierende Vorlagen (Jurij Brezan, Otfried Preußler), sondern bedient sich einer nüchternen und für ihn offenbar authentischeren Fassung des in unzähligen Varianten durch die Jahrhunderte kursierenden Sagenstoffes: In der Lausitz-Region schlägt sich nach Ende des Dreißigjährigen Krieges der Waisenjunge Krabat durch die Lande und das Leben. In einem armseligen Hirtenhaus findet er Unterkommen und bescheidene Anstellung beim Hüten von Gans und Ziege, die Frau des Hirten wird ihm zur zweiten Mutter. Im harten Winter aber muss er "den Backofenzins eintreiben", also betteln gehen. Nichts wünscht er sich sehnlicher, als Lesen und Schreiben zu erlernen; und diese Begehrlichkeit treibt ihn unweit der Stadt Kamenz in die Hände des Schwarzen Müllers. Der bringt dem "Azubi" Krabat nicht nur das Alphabet, sondern – nach Einführung in die Geheimnisse des Zauberbuches "Koraktor" – auch die Schwarze Kunst bei. Der Junge muss sich gemeinsam mit den weiteren elf Gesellen immer wieder in schwarze Raben und damit in willfährige Diener verwandeln lassen, er selbst wird zum siebenten Raben. Ein tödliches Opfer aus dem Reigen der Zauberlehrlinge an die mystisch-teuflische Gestalt des "Lauerers", des bösen Auges, gehört zum jährlichen Ritual in der "Eismondnacht", dem sich alle beugen müssen, ein Ausweg scheint nicht möglich. Einzig die bedingungslose Liebe der Mutter und letztlich der siegreiche Große Zauberkrieg mit dem Müller bringen Erlösung und einen Neubeginn ohne böse Zauberei.

Der sich ausdrücklich an Lotte Reiniger messende Herrmann, der Handwerk und Kunst im DEFA-Trickfilmstudio Dresden vor allem bei Bruno J. Böttge erlernt hat, richtet seinen in klassischer Technik ausgeführten Film dezidiert an Kinder und lässt den agierenden Krabat auch als Knaben erscheinen. Die Handlung wird nach kurzem Entree von einem Jungen gesprochen (neben der deutschen existieren auch eine nieder- und eine obersorbische Fassung). Der vermag auf naive und gleichzeitig mit schlauem Hintersinn gepaarte Weise das Staunende über diese damalige Epoche und deren Umstände nahezubringen und seine Wissbegierde herauszukehren, sich aber gleichzeitig im Wortschatz unserer heutigen Zeit zu bewegen (was zuweilen verfremdend kurios wirkt). Es fällt zudem auf, dass der Film sich in vielen Passagen auf den "Faktor Arbeit", die materielle-körperliche und schweißtreibende Arbeit konzentriert und die harten Lebensbedingungen der Vergangenheit nahebringt, damit aber gleichzeitig eine bedrückende Aktualität schafft. Die Animation der Figuren wirkt sehr flüssig, ja elegant, die durch Computer-Compositing einbezogenen, aber handgemalten, subtil-pastellartigen und schimmernd-fluoreszierenden Hintergründe bilden eine einzigartige Kulisse für die Filmhandlung. Problematisch erscheint die Länge des Filmes bei der ins Auge gefassten Zielgruppe – doch beim 16. Internationalen Filmfestival für Kinder und junges Publikum SCHLINGEL in Chemnitz 2011 erhielt der Film den Preis der aus Kindern bestehenden Animationsfilmjury.

Volker Petzold

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 130-2/2012 - Interview - "Krabat" in Silhouetten-Tricktechnik mit einem Bezug zur Lausitz

 

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