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Ausgabe 130-2/2012

DIE THOMANER

Produktion: Accentus Music / MDR; Deutschland 2011 – Regie: Paul Smaczny, Günter Atteln – Buch: Günter Atteln – Kamera: Michael Boomers, Christian Schulz – Schnitt: Steffen Herrmann – Musik: Karl Atteln – Länge: 114 Min. – Farbe – FSK: ohne Altersbeschränkung – Verleih: NFP – Altersempfehlung: ab 8 J.

In diesem Jahr feiert der weltbekannte Thomanerchor aus Leipzig sein 800-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr "Thomana 2012" finden drei Festwochen zum Geburtstag von Knabenchor, Kirche und Schule im März, September und November statt. Anlässlich des Geburtstags schildert auch ein Kinodokumentarfilm Leben und Schaffen der Sängerknaben. Paul Smaczny und Günter Atteln haben die Thomaner ein Schuljahr lang im Internatsalltag, bei Proben, Auftritten und Reisen begleitet. Aus 300 Stunden Material haben sie einen atmosphärisch dichten Dokumentarfilm komponiert, der trotz einiger Längen aufschlussreiche Einblicke in einen speziellen sozialen Mikrokosmos ermöglicht, der auf freundschaftliche Nähe setzt, aber kritische Nachfragen vermissen lässt.

Dem 1212 gegründeten Thomanerchor gehören etwa 100 Jungen zwischen zehn und 18 Jahren an. Der Chor gilt als einer der ältesten und besten der Welt. Sein Ruhm beruht auch darauf, dass etliche bekannte Komponisten und Musiker ihn leiteten. So stand Johann Sebastian Bach von 1723 bis 1750 an seiner Spitze. Die Thomaner wohnen im Internat, dem Thomasalumnat, und besuchen die Thomasschule, ein Gymnasium mit sprachlichem und musikalischem Profil. Die Autoren rücken drei Thomaner und den Kantor Georg Christoph Biller in den Mittelpunkt ihrer Beobachtungen. Zwischen Einblicken in den Proben- und Schulalltag baut die Dramaturgie Höhepunkte wie eine Südamerika-Tournee und festliche Konzertauftritte ein, von denen man gerne längere Ausschnitte gehört und gesehen hätte.

Die Thomaner werden als leistungsstarke Jungs gezeigt, die sich wie ihre Altersgenossen auf dem Weg zum Erwachsenwerden mit den Schwierigkeiten der Pubertät, Rivalitäten untereinander und Heimweh herumschlagen müssen. Es wird auch deutlich, mit welcher Disziplin die Chorsänger die harte Probenarbeit absolvieren und den durchgeplanten Alltag bewältigen. Auffällig ist, wie klar und sprachlich versiert die Jugendlichen an der Eliteschule Bedürfnisse, Zweifel und Befindlichkeiten thematisieren können. Eher beiläufig erfährt man, dass sich der Chor quasi alle drei Jahre von selbst erneuert. Und dass ihm trotz der christlichen Grundausrichtung derzeit 40 Atheisten und zwei Juden angehören. Außenstehende werden nach diesem Film besser verstehen, worauf die hohe Qualität der Thomanerkonzerte beruht: Die Sänger stellen ihr individuelles Können zurück und sich in den Dienst des Kollektivs. Das konservative Erziehungskonzept funktioniert so lange, weil die älteren Schüler mit neuen wie jüngeren Schülern eine "Bude" bewohnen und alle lernen, füreinander Verantwortung zu übernehmen.

Etwas zu kurz bei dem gefälligen Jubiläumsfilm kommen wichtige Aspekte des Thomanerlebens: Wie viele Thomaner brechen ab? Gibt es wirklich keine ernsthaften Konflikte zwischen Schülern und zwischen Lehrern und Schülern? Und was ist mit dem alterstypischen Interesse an Mädchen? Erst nach einer Filmstunde zeigt eine knappe Szene, dass ein etwa 15-jähriger Thomaner eine 15-jährige Freundin hat, die für ihn schwärmt. Ausgerechnet von ihr erfährt man auch, dass abgrenzungsfreudige Schüler anderer Lehrinstitute die Thomaner schon mal als "Schwulis" abkanzeln. Vor allem in der allzu kleinteiligen Dramaturgie hätte man sich mehr Dynamik gewünscht: Während die offiziellen Repräsentanten und die ausgewählten Vorzeigeschüler oft genug in gesetzten Worten brave Statements abgeben, fehlt es an dramatischer Verdichtung, Schwung und Konfliktfreude. Umso stärker sind die musikbezogenen Sequenzen: Hier macht sich die große Erfahrung von Atteln und Smaczny bemerkbar, die sich seit vielen Jahren als Autoren, Regisseure und Produzenten mit klassischer Musik befassen. Smazny zeichnet etwa für die mehrfach preisgekrönte Doku "El Sistema" über ein bahnbrechendes Musikprojekt mit benachteiligten Jugendlichen in Venezuela verantwortlich.

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 130/2012

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