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Ausgabe 63-3/1995

BIG SHOT

EIN EINZIGER SCHUSS

Produktion: Paul Manix, USA 1994 – Regie: Paul Manix – Buch: Larry Moskowitz, Paul Manix – Kamera: Sam Holcombe – Schnitt: Kurt Bollinger – Musik: Bodhi Dharma Kroll – Darsteller: Dustin Voight, Richard Stewart u. a. – Länge: ca. 20 Min. – Farbe

In einer US-Provinzstadt verbringen der 13-jährige Henry und sein zehnjähriger Bruder Oliver einen langweiligen Samstagvormittag mit Fernsehen. Als Henrys draufgängerischer Freund Skeets vorbeikommt, drängt dieser Henry mit provozierenden Fragen dazu, den Revolver des Vaters hervorzuholen. Vergeblich warnt Oliver die Jungs, besser die Hände davon zu lassen. Mit Patronen ausgerüstet, radeln die beiden Freunde zu einer verlassenen Fabrikhalle, wo sie Schießübungen machen, die allerdings nicht besonders erfolgreich verlaufen. Auf dem Heimweg halten sie bei einem Lebensmittelladen, dessen Besitzer den Draufgänger erst vor kurzem heraus geworfen hat. Als es erneut zu einem Disput kommt, zieht Skeets die Waffe, um den Inhaber zu erschrecken. Mit einigen schnell gegriffenen Süßigkeiten flüchten sie. Im Haus von Henry angekommen, prahlt der junge Revolverheld mit dem Überfall und führt Oliver vor, wie er den Ladenbesitzer mit der Waffe bedroht hat. Als er im Glauben, alle Patronen seien verschossen, den Auslöser betätigt, löst sich ein Schuss. Oliver wird tödlich getroffen.

Im Kinderkino-Wettbewerb der diesjährigen Kurzfilmtage Oberhausen vergab die Kinderjury eine Hälfte des Hauptpreises an den Film von Paul Manix. "Der Film ist leicht zu verstehen, weil selber Kinder im Spiel waren und weil er lehrreich war", heißt es in der Begründung. Die jungen Juroren erklärten zum Schluss: "Kinder und Erwachsene, Achtung! Rührt nie eine Waffe an!!!" Sie trafen damit die zentrale Botschaft des Kurzspielfilms, die sehr geschickt in eine spannende Handlung verpackt ist. Die straffe Inszenierung und die ausgezeichneten Darsteller lassen auch den etwas zu oberlehrerhaften Schluss verschmerzen, wenn der große Bruder die Lehren der traurigen Geschichte vor einer Schulklasse erläutert und dabei ausdrücklich davor warnt, Kindern Waffen in die Hand zu geben. Auch für jüngere Kinder dürfte "Big Shot" kaum Schwierigkeiten aufwerfen, da der tödliche Treffer nicht direkt gezeigt wird. Zwar ist die weite Verbreitung von Schusswaffen in der US-Bevölkerung aufgrund der gesetzlichen Regelungen ein spezifisch amerikanisches Problem, die Gefahr des Missbrauchs von Waffen durch Kinder besteht aber prinzipiell auch hierzulande. Im Übrigen lässt sich die Warnung auch auf Messer, Tabletten oder Giftstoffe im Haushalt übertragen. Der letzte Satz des Films macht noch einmal deutlich, dass die Hauptverantwortung bei den Eltern liegt, die allzu sorglos mit Gefahrengut umgehen: In großen Lettern erfährt man im Abspann, dass in den USA jeden Tag 15 Kinder mit Schusswaffen getötet werden.

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 63/1995

 

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