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Ausgabe 131-3/2012

SONS OF NORWAY

SØNNER AV NORGE

Produktion: Friland / Göta Film / Nimbus Film / Les Films d'Antoine; Norwegen / Schweden / Dänemark / Frankreich 2011 – Regie: Jens Lien – Buch: Nikolaj Frobenius, nach seinem Roman "Teori og praksis" – Kamera: Morten Søborg -Schnitt: Vidar Flataukan – Musik: Ginge Anvik – Darsteller:  Åsmund Høeg (Nikolaj), Sven Nordin (Magnus), Sonja Richter (Lone), Tony Veitsle Skarpsno (Tor), Camilla Friisk (Nina), Trond Nilssen (Anton), Johnny Rotten (Johnny Rotten) u. a. – Länge: 88 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Alamode – Altersempfehlung: ab 14 J.

Zu Weihnachten schmückt Bananendekoration den Christbaum in Nikolajs Familie – und wenn die Kinder bei den Feierlichkeiten lautstark gegen die Herrschaft der Väter und das Patriarchat protestieren, dann stimmt Nikolajs Vater Magnus selbst euphorisch ein. Während in dem tristen Vorort von Oslo Ende der 1970er-Jahre kaum jemand gegen gesellschaftliche Regeln aufbegehrt, wird diese Familie durch die Ideen der Hippies geprägt. Eigentlich könnte der Junge die Freiheit genießen, die für ihn aus dem antiautoritären Erziehungsstil resultiert. Doch zugleich nimmt ihm Magnus damit auch jede Chance, einen eigenen Weg zu finden und selbst einmal so richtig aus der Rolle zu fallen.

Erst mit dem Unfalltod von Nikolajs Mutter verändert sich alles. Der sonst so quirlige Magnus versinkt in Trauer und kommt kaum noch aus dem Bett, und der jüngere Bruder wird sogar der Obhut von Verwandten überlassen. Als Nikolaj zu dieser Zeit bei einem Freund zum ersten Mal die Musik der Sex Pistols hört, ist es um ihn geschehen, trifft der wilde, wütende Punk und die "No Future"-Haltung doch genau seine Stimmung. Mussten die langen Hippiehaare schon vor geraumer Zeit einem absichtlich schiefen Schnitt weichen, so treibt er sich nun eine Sicherheitsnadel durch die Wange und stellt seine neu gewonnene Überzeugung durch eine halbverbrannte norwegische Flagge zur Schau, die er auf seine Jacke näht. Endlich hat Nikolaj eine Ausdrucksform gefunden, mit der sein Vater zunächst nichts anfangen kann. Doch je aufgeschlossener sich der Vater der Punkszene zuwendet, desto exzessiver muss das Verhalten des Sohnes werden. Bis ihm schließlich der Sex Pistols Frontmann Johnny Rotten höchstpersönlich wieder den richtigen Weg weist.

Mit dem für skandinavische Filme typischen skurrilen Humor erzählt auch Jens Lien in "Sons of Norway" eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte. Allein schon die Ausgangssituation bricht mit den Klischees, sind es doch nicht autoritäre, sondern äußerst liberale Eltern, die ihre Kinder zum Protest auffordern – und diesen durch ihre stets bestätigende Haltung fast unmöglich machen. Ein wenig erinnert der Film damit an Marcus H. Rosenmüllers "Sommer in Orange", in dem ein Mädchen durch die Flucht in Traditionen wieder die Orientierung findet, die ihr ihre Hippie-Eltern nicht geben wollen. Nikolaj allerdings findet ausgerechnet Halt in einer Protestkultur, die alle Sicherheiten zunichtemacht. Und doch ist es gerade diese Ablehnung von Idealen, Werten und Utopien, die befreiend auf ihn wirkt – und durch die er sich ein wenig von Magnus abgrenzen kann.

Jens Lien setzt auf irrwitzige Szenen und Figurentypen, ohne sich jedoch über seine Protagonisten lustig zu machen, denn hinter dem visuellen, bisweilen plakativen Witz verbirgt sich immer auch das menschliche Drama. Vor allem zum Ende hin lässt der Film allerdings eine dramaturgische Zuspitzung vermissen. Und auch dass Nikolaj sich plötzlich in Drogenexzesse flüchtet, mag man nicht so recht glauben. Doch mit einer geschickten, augenzwinkernden Schlussszene wird der Bogen schließlich doch wieder geschlossen. In einer wunderbaren Wendung wird gezeigt, dass die No-Future-Perspektive der Punks letztlich doch eine sehr optimistische Lebensweisheit ist.

Stefan Stiletto

 

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KJK-Ausgabe 131/2012

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