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Ausgabe 131-3/2012

Schade, dass nicht mehr Originaldrehbücher im Kinder- und Jugendbereich verfilmt werden

Ein Gespräch mit der Regisseurin Tina von Traben zu dem Familienfilm "Pommes essen"

(Interview zum Film POMMES ESSEN)

Als Frieda Frey für drei Wochen für eine Kur die Stadt verlässt, wird ihre Tochter Patty mit ihren beiden kleinen Schwestern für die familieneigene Currywurstbude verantwortlich. Zudem muss sie das geheime Familienrezept für die Currysauce vor Onkel Walther verteidigen. Während die kleinen Schwestern dafür kämpfen, dass die beste Currywurst Duisburgs weiter von Freys Feynen Imbiss verkauft wird, würde Patty die Bude am liebsten loswerden, die Schule schmeißen und eine Starköchin werden. – Der Farbfilm Verleih bringt den schwungvollen Film der Kölner Produktionsfirma dagstarfilm am 12. Juli in die deutschen Kinos. Über die Besonderheiten ihres Langfilmdebüts gab die Regisseurin im folgenden Gespräch Auskunft.

KJK: Wie wichtig war die Förderung des Projekts durch das Kuratorium junger deutscher Film?
Tina von Traben: Das Kuratorium war unser erster Förderer. Dadurch ist der Stein ins Rollen gekommen. Als nächstes kam die Film- und Medienstiftung NRW mit an Bord, dann die NordMedia. Und so konnten wir nach und nach die Finanzierung schließen.

Warum hat sich kein TV-Sender beteiligt?
Wir waren lange in Gesprächen mit einigen Fernsehsendern, aber am Ende hat es leider nicht geklappt. Wir wollten diesen Film aber dennoch gerne machen. Meine Produzentin Dagmar Niehage hat das noch mal durchgerechnet und wir haben es schließlich doch geschafft. Wir waren allerdings sehr knapp im Budget, ein Fernsehsender hätte da schon gut getan.

Der Film hat ja keine bekannte Marke oder einen Bestseller als Vorlage. War es deswegen schwerer, das Projekt zu stemmen?

Das hat die Sache auf jeden Fall schwerer gemacht. Wir haben viele Gespräche mit den Förderern geführt, die haben letztlich an das Drehbuch geglaubt. Ich finde es schade, dass nicht mehr Originaldrehbücher im Kinder- und Jugendbereich verfilmt werden, denn die vermitteln die aktuelle Realität anders als zum Beispiel die vielen Märchenverfilmungen.

Wie schätzen Sie die Chancen der Auswertung im Ausland ein?
Wir haben einen Weltvertrieb, Media Luna aus Köln, der gerade Kontakte knüpft. Es gibt eine Einladung nach Seoul und weitere Anfragen. Und es sieht so aus, als ob der Film auch in die österreichischen Kinos kommt.

Wie haben Sie die Drehbucharbeit mit dem Co-Autor Rüdiger Bertram koordiniert?
Wir haben das Treatment gemeinsam hergestellt, in dem wir den Ablauf des Films genau festgelegt haben und dann abwechselnd geschrieben. Wenn der eine eine Passage fertiggestellt hat, hat der andere sie überarbeitet und hat weiter geschrieben. Wir haben uns wie bei einer Springprozession voran gearbeitet.

War es schwierig, einen Popstar wie Smudo zu gewinnen?
Er hat das Drehbuch gelesen und es hat ihm auf Anhieb gefallen. Wir haben uns dann lange unterhalten, denn es kam ja viel Arbeit auf ihn zu und er ist ja kein gestandener Schauspieler.

Der Stoff geht ja auf eine Idee von Ihnen zurück. Während in der Ausgangsfassung die Mutter stirbt, geht sie im Film zur Kur. Sie haben dazu gesagt, sie wollten damit bei der Drehbuchentwicklung einen Bambi-Effekt vermeiden? Was meinen Sie damit?

Als ich als Kind "Bambi" gesehen habe, war das furchtbar, als die Mutter von Bambi im Feuer umkam. Ich glaube, die jungen Zuschauer erholen sich davon nicht so einfach. Wenn man eine komödiantische Geschichte erzählen will und gleich am Anfang die Mutter stirbt, dann nimmt das die Kinder emotional so mit, dass sie nicht mehr auf die Geschichte aufspringen können. Zumindest bei einem Live-Action-Film, bei einem Animationsfilm ist das anders. In "Die drei Räuber" steht die Protagonistin ja am Anfang am Grab ihrer Eltern und soll ins Waisenheim. Aber das ist eindeutig ein sehr comichaft gezeichneter Film, ich meine, da geht es. In meinem Film musste die Mutter irgendwie weg. Wir haben alle Arten von Verletzungen durchgespielt und haben sie dann kurzerhand in Kur geschickt, weil sie am Ende noch mal auftreten sollte.

Welche Rolle spielt die Musik?
Ich wollte von Anfang an eine handgemachte Musik und keine aktuellen Popsongs, die in zwei Jahren schon veraltet sind. Mir ging es um eine zeitlose Musik, die den Film unterstützt und die Aufmerksamkeit nicht von der Geschichte wegnimmt. Sie sollte die Emotionen zum Teil heben und auch mal eine Beschleunigung bringen. Für den Film hat der Komponist Markus Aust mit der Kölner Band ROMAN Originalsongs komponiert, dazu kommt ein Song der Band SUE aus Aurich.

Haben Sie sich bei der Konzeption an filmischen Vorbildern orientiert?
Meine filmischen Vorbilder liegen im französischen Kino. Da versuche ich mich hinzubewegen, vor allem in der Balance zwischen lustig und traurig. Ansonsten orientiere ich mich in der Erzählstruktur an Erich Kästner mit seinen relativ stark geplotteten Geschichten, in der die Kinder allein etwas erreichen müssen. Das macht seine Geschichten ja aus, egal welche man sich anschaut.

Interview: Reinhard Kleber
Erschienen in den Informationen No. 39 des Kuratoriums junger deutscher Film (Beilage der KJK)

 

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