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Ausgabe 132-4/2012

BITTE BLEIB!

BLIJF!

Produktion: Shooting Star Filmcompany; Niederlande 2011 – Regie: Lourens Blok – Buch: Mirjam Oomkes, Willemine van der Wiel – Kamera: Steve Walker – Schnitt: Jasper Quispel – Musik: Maarten Spruijt – Darsteller: Mexx Nachbar (Lieke), Ezzaldeen Ali (Milad), Maike Meijer (Liekes Mutter), Axel Daeseleire (Liekes Vater), Egbert Jan Weeber (Chris, Reporter) u. a. – Länge: 86 Min. – Farbe – Verleih: offen – Kontakt: www.shootingstar.nl – Altersempfehlung:  ab 10 J.

Die zehnjährige Lieke lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter. Der Vater, ein französischer Musiker, hat die Familie verlassen, als Lieke noch klein war. Über sein Schicksal hüllt sich die Mutter in Schweigen, doch eines Tages trifft ein Brief ein, durch den Lieke ahnt, dass sich der Vater gerne mit ihr treffen würde. Was sich zunächst anlässt wie die in Kinderfilmen schon mehrfach erzählte Geschichte der Suche nach dem leiblichen Vater, nimmt eine unerwartete dramatische Wende, als die aus dem Iran stammende Familie von Liekes bestem Freund Milad in die alte Heimat abgeschoben werden soll. Milad wurde zwar in Holland geboren, doch da der Vater aus Angst vor Repressalien nicht schlüssig nachweisen konnte, dass er im Iran als Regimekritiker verfolgt wurde, hat man ihm und der ganzen Familie die Aufenthaltserlaubnis entzogen. In einer Nacht- und Nebelaktion holt die Ausländerpolizei die Familie ab, Milad kann gerade noch rechtzeitig fliehen. Unterstützt von seiner Freundin Lieke, die über die Behörden bereits zuvor gegen die Abschiebung Partei ergriffen hatte, machen sich die beiden Kinder auf den Weg nach Brüssel, wo Lieke dem Brief nach ihren Vater vermutet. Damit beginnt ein spannendes Roadmovie. Während die Polizei ihnen dicht auf den Fersen ist, müssen die Kinder mehrfach ihren Mut beweisen. Beide sind auf der Suche nach der Wahrheit, denn beide wurden von den Erwachsenen in wichtigen Details über die Vergangenheit ihrer Väter belogen. Sie erhalten schließlich Hilfe durch einen laschen Sensationsreporter, der erst anhand ihres Schicksals sein soziales Gewissen entdeckt. Aber auch der stößt an die Grenzen des Gesetzes, wobei es zu einem rasanten Showdown kommt, der als Parallelmontage präsentiert wird und in einem nicht aufgesetzt wirkenden Happy End mündet.

Ganz aus der Perspektive der beiden eng befreundeten Kinder, die von zwei natürlich agierenden Hauptdarstellern verkörpert werden, gelingt es dem Film, die sich überlappenden Themen einer drohenden Abschiebung und der Suche nach dem leiblichen Vater glaubwürdig zu erzählen und einem jungen Publikum emotional nacherlebbar zu machen. Besonders bedrohliche Situationen, etwa das keineswegs zimperliche Vorgehen der Ausländerpolizei und die Verzweiflung von Milads Familie, die neben der drohenden Abschiebung auch noch mit seinem Verschwinden zurechtkommen muss, werden immer wieder durch lustige Szenen aufgebrochen. Beiläufig und zugleich sehr effizient greift der Film gängige Vorurteile auf und relativiert oder widerlegt sie. Beispielsweise erfahren die Kinder, dass beide Väter im Gefängnis saßen, was allein noch nichts über die Gründe oder gar ihren Charakter aussagt. Und auch die vielfach gescholtene Presse wird differenziert sowohl in ihrer Sensationsgier als auch als Kontrollinstanz und "vierte Macht im Staate" dargestellt.

Der Kinderfilm "Blijf!" wurde eigentlich für das niederländische Fernsehen produziert und dort Anfang 2011 ausgestrahlt. Zum Glück blieb es nicht bei dieser einzigen Auswertungsschiene, was sich andere Fernsehanstalten zum Vorbild nehmen dürfen. Auf dem italienischen Giffoni Film Festival erhielt er 2012 den Amnesty International Award und einige Monate später beim LUCAS Kinderfilmfestival in Frankfurt am Main den Hauptpreis der paritätisch aus Kindern und Fachleuten zusammengesetzten Jury. Da die Themen Duldung und Abschiebung – damit verknüpft Solidarität und Engagement für die betroffenen Schulkameraden, Arbeitskollegen, Nachbarn und Freunde – in Deutschland wie in den Niederlanden und in vielen weiteren europäischen Staaten alles andere als von marginaler Bedeutung sind, ist dem Film eine breit gestreute Auswertung zu wünschen.

Holger Twele

 

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