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Ausgabe 132-4/2012

OFF WHITE LIES

ORCHIM LE REGA

Produktion: Gum films, Tel Aviv, in Koproduktion mit Kinoelektron, Paris; Israel / Frankreich 2011 – Regie: Maya Kenig – Buch: Maya Kenig, Dana Dimant – Kamera: Itai Vinograd – Schnitt: Or Ben David – Musik: Udi Berner – Darsteller: EIya Inbar (Libby), Gur Bentwich (Shaul), Tzahi Grad (Gideon), Salit Achi-Miriam (Helit), Arad Yeini (Yuval) u. a. – Länge: 86 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Alpha Violet, Paris, Frankreich, E-Mail: info@alphaviolet.com – Altersempfehlung: ab 14 J.

Seit der Scheidung ihrer Eltern hat die 13-jährige Libby bei ihrer Mutter in Kalifornien gelebt und die ist es leid, sich mit ihrer pubertierenden Tochter auseinanderzusetzen. Deshalb hat sie sie kurzerhand zu ihrem Vater nach Tel Aviv geschickt, was sie zuvor immer abgelehnt hatte. Soll sich doch Shaul mal um seine Tochter kümmern! In der Ankunftshalle des Flughafens aber sucht das Mädchen vergeblich nach seinem Vater, den es zehn Jahre nicht gesehen hat. Doch nicht nur ihr Empfang ist eine herbe Enttäuschung. Statt in Shauls Wohnung geht es zu seinem Freund Avner in den Norden des Landes, wo sie vom Ausbruch des zweiten Libanon-Krieges überrascht werden und in einem Bunker Schutz suchen müssen. Der Film spielt also im Juli 2006. Im Bunker beobachtet Libby, wie Avner Shaul ein bisschen Geld zusteckt. Wenig später offenbart der seiner Tochter, dass er total abgebrannt ist, zurzeit keine Wohnung hat, seine Sachen auslagern musste und er Libby demzufolge auch noch in keiner Schule hat anmelden können. Zurück in Tel Aviv versucht Shaul sein Glück bei seiner Ex-Freundin Orly, die es ablehnt, die beiden aufzunehmen, aber Shaul wenigstens ihren Wagen überlässt. Kurzerhand mietet er sich und seine total schockierte Tochter von Avners Geld in einem Jugend-Hostel ein, wo er weiter an seinen Erfindungen arbeitet und beim Anschauen der Fernseh-Nachrichten plötzlich auf die rettende Idee kommt: Sie werden sich als ausgebombte Flüchtlinge aus dem Norden ausgeben.

Tatsächlich werden sie von einer betuchten Familie in Jerusalem aufgenommen und nach anfänglichem Misstrauen seitens der Gastgeber Hilit und Gideon Reichman entwickelt sich alles ganz in Shauls Sinn. Gideon interessiert sich für dessen Rauchverzehrer, der in Kriegszeiten von großem Nutzen sein kann, weil man überall rauchen kann, ohne dass einen der Rauch an die Feinde verrät. Gideon ist bereit, in Shauls Erfindung zu investieren und bereitet eine große Werbe-Kampagne vor. Libby freundet sich mit Yuval, dem 18-jährigen Sohn der Reichmans, an. Als das Fernsehen zum Auftakt der Werbe-Kampagne einen Bericht über Shauls Erfindung und die liebevolle Aufnahme der Flüchtlinge bringen will, hat Libby von all den Lügen genug. Für sie sind das keine Notlügen mehr, sondern eine existenzielle Bedrohung – und auf dem Weg ins Fernseh-Studio offenbart sie den Reichmans die nackte Wahrheit. Doch die Erwachsenen sind schon zu sehr in das Geschäft verstrickt, als dass sie es noch zum Platzen bringen kann. Das Mädchen fühlt sich total allein, von allen im Stich gelassen und vollkommen schutzlos. Was sie will und braucht, spielt keine Rolle – nicht für ihre Mutter und nicht für ihren Vater, der immer wieder improvisieren und lügen wird, auf die gefährlichen Notlügen vielleicht auch gar nicht mehr verzichten kann. Am Ende aber sitzen sie wieder in Orlys Auto und Shaul schmiedet unverdrossen neue Pläne. Vielleicht zwingt ihn seine Tochter am Ende doch noch, erwachsen zu werden.

Mit ihrem fesselnden Debütfilm gelingt es der israelischen Regisseurin Maya Kenig, die in vielen Aspekten todtraurige Geschichte über die schwierige Beziehung zwischen einem unreifen Vater und seiner notgedrungen frühreifen Tochter durch ihr Verständnis für Menschen jenseits gesellschaftlicher Normen, durch Humor, einen beträchtlichen Witz und ein mitreißendes Tempo in einer fast schwerelosen Balance zwischen Drama und Komödie zu halten. Unterstützt wird sie durch grandiose Schauspieler: allen voran die glaubwürdige Darstellung der Libby durch Elya Inbar und den überzeugenden Gur Bentwich in der Rolle des Überlebens-Talents Shaul. An ihrem Schicksal kann man die Befindlichkeit eines Landes ablesen, das unter ständiger Bedrohung steht und seine Bewohner dazu zwingt, immer wieder von jetzt auf gleich improvisieren zu müssen.

Uta Beth

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 132-4/2012 - Interview - Im richtigen Leben könnte ich meinem Dad nie sagen: ‘Ich liebe Dich’, aber …

 

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