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Ausgabe 133-1/2013

"Stärkung des originären deutschen Kinderfilms"

Wolfgang Börnsen, Sprecher für Kultur und Medien der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Interview

KJK: Sie hatten 2012 zu einem Fachgespräch über den Kinderfilm eingeladen: Wie ist es dazu gekommen?
Wolfgang Börnsen: In meinen zahlreichen Gesprächen mit Filmschaffenden und Vertretern der Filmbranche, im Präsidium der Filmförderungsanstalt und anderswo, bin ich in letzter Zeit immer wieder auf Missstände beim lebensnahen deutschen Kinderfilm aufmerksam gemacht worden. Um dem nachzugehen, hatten wir für den 27. September 2012 Experten und Akteure der Kinderfilmbranche in den Deutschen Bundestag eingeladen.

Sind Sie mit dem Verlauf der Diskussion zufrieden?
Ja! Wir wurden sehr von der überaus großen Resonanz überrascht. Viele Teilnehmer versicherten uns, dass der Kinderfilm damit seine Premiere im Deutschen Bundestag gefeiert habe. Vor allem betonten sie die Wichtigkeit, dass endlich einmal jemand alle Beteiligten, von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über die Produzenten bis zu den Drehbuchautoren, an einen Tisch gebracht habe.

Welche Konsequenzen werden Sie aus diesem Gespräch ziehen, was werden Sie politisch umsetzen?
Der große Handlungsbedarf ist in dem Fachgespräch offensichtlich geworden. Mit unserem Koalitionspartner zusammen wollen wir Anfang 2013 einen Antrag zur Stärkung des originären deutschen Kinderfilms in das Parlament einbringen. Darüber hinaus freue ich mich, dass die Bundesregierung in ihren Entwurf zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes (FFG) bereits eine Regelung zugunsten des Kinderfilms aufgenommen hat. Es wurde in der Projektfilmförderung (§ 32) klargestellt, dass auch Kinderfilmprojekte, die auf Originalstoffen beruhen, angemessen im Rahmen der Projektfilmförderung berücksichtigt werden sollen.

Was wollen Sie konkret gegen den Mangel an Kinderfilmen nach Originalstoffen unternehmen?
Von diesem politischen Signal für den Kinderfilm verspreche ich mir schon einiges. Wir werden im Rahmen der parlamentarischen Beratung des FFG prüfen, ob noch weitere Ergänzungen im Gesetz notwendig sind. Die Bundesregierung sollte die FFA in ihren Bemühungen unterstützen, eine Allianz aus den Sendern, Fördereinrichtungen, Produzenten, Verleihern, Kinobetreibern, Festivals und dem Bildungssektor zu schmieden, wie es FFA-Vorstand Peter Dinges in unserem Fachgespräch angedeutet hat. Auch werden wir prüfen, auf welche Weise europäische Programme zur Förderung genutzt werden können. Und werden mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern im Gespräch bleiben, wie Ressourcen und Sendeplätze für originäre Filmstoffe bereitgestellt werden können.

Originalstoffe bei Kinderfilmen haben das Problem, dass die Figuren – im Gegensatz zu Laura, Wickie und den wilden Kerlen – völlig unbekannt sind, also müssen Werbung und Marketing viel aufwendiger sein: Benötigen Kinderfilme nach Originalstoffen Möglichkeiten zusätzlicher Förderung bei der Vermarktung?
Darüber müssen wir in der Tat nachdenken. Das Marketing und der wirtschaftliche Erfolg eines Films hängen für den Verleiher eng zusammen. Ich bin dafür, dass wir neue und experimentelle Marketing- und Vertriebsstrategien für Kinderfilme fördern.

Den seriellen Erfolgen von "wilden Kerlen" und "wilden Hühnern" stehen glücklose Versuche originärer Stoffe fürs Kino wie "Der Himmel hat vier Ecken" oder "Wintertochter" gegenüber. Originär bedeutet nicht zugleich Qualität. Wie lässt sich Qualität bei originären Stoffverfilmungen einfordern?
Die Kinder selbst werden diese Qualität einfordern. Schlechte Filme werden nicht geguckt werden, ganz einfach! Wichtig ist nur, dass wir ihnen die notwendige Filmkompetenz vermitteln, dass sie auf dem Bildschirm oder der Leinwand überhaupt etwas anderes kennen als Animation, Disney und Märchen-Remakes.

Sie haben in einem Artikel zum Thema "Der Kinderfilm in Deutschland, ein Mercedes ohne Stern" die geringen kinderfilmspezifischen Förderbudgets in Deutschland mit Skandinavien und den Niederlanden verglichen: Dort ist der Kinderfilm eine eigene Marke. Bis zu 25 Prozent aller Fördergelder sind in diesen Ländern für den Kinder- und Jugendfilm reserviert, das sichert eine Kontinuität. Was davon lässt sich auf die Bundesrepublik übertragen?

In jedem Land sind die Grundbedingungen verschieden. Wir müssen die Erfahrungen derjenigen Länder auswerten, die mit originären Kinderfilmstoffen erfolgreich sind, und versuchen, sie auf die spezifische Situation in Deutschland zu übertragen. Wir wollen durch verstärkte Unterstützung von Koproduktionen diesen Erfahrungsaustausch nutzbar machen. Das deutsche Spezifikum ist ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk mit rund acht Milliarden Euro Gebührengeldern jährlich.

Zwar erhält der Kinderfilm, der auf originären Stoffen beruht, im neuen Filmförderungsgesetz ab 2014 eine deutlichere Würdigung, doch ohne Fernsehbeteiligung hat diese Art von Kinoproduktion so gut wie keine Chance. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender haben in den letzten Jahren mit ihren zahlreichen Märchenadaptionen dazu beigetragen, dass kaum Kinderfilme nach Originalstoffen gedreht wurden. Wie können die Sender dazu gebracht werden, ihrem kulturpolitischen Auftrag stärker nachzukommen?
Ihre Zustandsbeschreibung ist leider zutreffend. Die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags müssen wir bei ARD und ZDF und ihren Sendertöchtern auch in anderen Fällen immer wieder anmahnen. Aufgrund der verfassungsmäßig verbürgten Staatsferne des Rundfunks ist der Spielraum für die Politik begrenzt. Sie kann aber als Moderator fungieren. Das Referat des Programmgeschäftsführers des KiKA Steffen Kottkamp in dem Fachgespräch der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist doch ein gutes Beispiel dafür: Er stellte dort die Initiative des Mitteldeutschen Rundfunks und des KiKA „Der besondere Kinderfilm“ vor, durch die ab 2013 vermehrt Kinderfilme, die auf originären Stoffen beruhen, produziert werden sollen. Weitere Gespräche zwischen der Politik und den Rundfunkanstalten laufen.

Sie fordern ein breites Aktionsbündnis für den Kinderfilm und unterstützen die Forderungen nach Quoten: eine Sendequote für die öffentlich-rechtlichen Anstalten und eine Förderquote bei den öffentlichen Filmfördereinrichtungen. Wie kann die Quoten-Regelung umgesetzt werden?
Lieber wäre es mir, wir bräuchten keine gesetzlichen Vorschriften, sondern hätten freiwillige Vereinbarungen aller Beteiligten. Sollten diese aber nicht funktionieren – und ich verhehle nicht meine Skepsis – dann müsste eine Förderquote im FFG verankert werden. Eine Sendequote müssten die Länder in den Rundfunkstaatsverträgen formulieren.

Sie schreiben in Ihrem Artikel "Der Kinderfilm in Deutschland, ein Mercedes ohne Stern" unter anderem: "Das Filmland Deutschland hat alle Voraussetzungen, um ein Kinderfilmprofil zu entwickeln. Doch wer ergreift die Initiative?" Mit Ihrem Fachgespräch haben Sie doch deutlich gemacht, dass die Schwierigkeiten des Kinderfilms bei den Regierungsparteien angekommen sind, aber mit der Frage "wer ergreift die Initiative?" geben Sie das Problem da nicht wieder zurück? Liegt die Initiative nicht bei der Politik?
Jeder muss sein Teil beitragen. Nur mit einer konzertierten Aktion aller Kräfte kann es gelingen. Nur nach der Politik zu rufen, das wäre mir zu wenig.

Fragen: Manfred Hobsch

 

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