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Ausgabe 133-1/2013

"Poesie und Lyrik einer außergewöhnlichen Kindheit"

Gespräch mit Benh Zeitlin zu "Beasts of the Southern Wild"

(Interview zum Film BEASTS OF THE SOUTHERN WILD)

KJK: Wie sollen wir Ihren Film nennen? Ein Märchen, einen Traum, eine Fabel?
Benh Zeitling: Ich würde den Begriff "Volksmärchen" zur Abgrenzung gegenüber den Märchen mit der guten Fee vorschlagen. Denn die gibt es hier nicht. Die Geschichte handelt von Desastern und von der Überlebenskraft des Menschen, eine Legende, wie man sie gerne am Lagerfeuer erzählt.

Quevenzhané Wallis, die Hushpuppy, ein Mädchen, das durchs Leben stapft und sich nicht unterkriegen lässt, hat noch nie vor der Kamera gestanden. Wie konnten Sie mit der Sechsjährigen überhaupt arbeiten?

Wir haben uns ungefähr 4000 Mädchen angeschaut und Quvenzhané Wallis war die absolute Entdeckung. Als sie in den Raum kam, gab es keinen Zweifel mehr. Sie sprühte nur so vor Energie und Emotion. Allein ihre Augen sprachen Bände. Vielleicht war es der verrückteste Einfall, mit einer Sechsjährigen zu arbeiten, aber sie hat mich und den Film gerettet. Am Set spielte sie ohne mit der Wimper zu zucken die schwierigsten Szenen und holte uns oft auf den Boden zurück, sagte ganz direkt, hey, so einen Blödsinn sagt kein Kind. Und brav haben wir dann die Sätze umformuliert.

Haben Sie viel improvisiert?
Bei den Proben haben wir viel improvisiert und das Drehbuch ziemlich verändert. Weil der Film authentisch sein sollte, haben wir auch die zu langen Dialoge gekürzt.

Sie erzählen auch eine Vater-Tochter-Geschichte.
Eine Beziehung, in der die Tochter immer stärker wird, sich nicht einschüchtern lässt.

Für einen ersten Film haben Sie ganz schön viel gewagt mit der experimentellen narrativen Struktur und den visuellen Experimenten.
Dessen war ich mir bewusst, aber diese Geschichte kann man nicht in wenigen Sätzen und üblichen Szenen erzählen. Es zählte vor allem die Poesie und die Lyrik einer außergewöhnlichen Kindheit.

Inwieweit war Louisiana eine Inspiration?
Als ich vor sechs Jahren für meinen Kurzfilm "Glory at Sea" in Louisiana war, habe ich mich in diesen wilden Ort und die Menschen verliebt. Ich bin in meine New Yorker Schuhschachtel zurückgekehrt und habe meine Sachen gepackt. In New York kommt man vor lauter Stress nicht dazu, seine Kreativität auszuleben. Das habe ich alles nachgeholt. Mein Film ist so was wie ein Liebeslied für Louisiana. Die Bewohner sind mutig und stolz, sie verlassen ihre Heimat nicht, das wäre schlimmer als der Tod für sie. Manchmal glaube ich, sie leben in einer anderen Wirklichkeit. Da spüre ich eine Freiheit, wie sonst nirgends in Amerika.

Es ist auch eine ganz besondere Kultur dort.
Die Kultur setzt sich aus der kreolischen, dem frankophonen Cajun und dem Brasilianischen zusammen, dazu kommt noch der Einfluss von New Orleans. So eine Koexistenz ist selten. In den 1960er-Jahren gab es noch hunderte von französisch sprechenden Familien, die ganz autonom existierten. Die Entdeckung des Öls bedeutete das Ende. Die Leute wurden weggejagt, nur wenige blieben. Eine ganze Kultur wurde vernichtet. Eine Schande.

Welchen Einfluss hatte die BP-Ölkatastrophe auf Ihre Arbeit?

Am ersten Drehtag explodierte die Deepwater Horizon Plattform von BP und wir benötigten eine Erlaubnis für die gesperrte Zone. Hautnah haben wir erlebt, wie sich das Öl ausbreitete und das ökologische System zerstörte, ein schwarzes Monstermeer. Eine weitere Bestätigung für die Realisierung dieses Films. Nicht nur auf der Leinwand verschwindet eine Welt, sondern auch in Wirklichkeit. Politiker spucken große Töne und das Schlimme: Alles geht weiter wie zuvor.

Was brachte eigentlich Sie zum Film?

Ich war als Jugendlicher für jede Kunstform offen, spielte in einer Band, zog mal mit der Fotokamera los, am meisten interessierte mich Storytelling. Meine Liebe zum Film entdeckte ich bei den Bilderwelten von Emir Kusturicas "Underground". Es traf mich wie ein Blitz. Ich wusste plötzlich, wo ich hinwollte – Filme machen, die mir und dem Publikum gefallen.

Interview: Margret Köhler

 

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