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Ausgabe 134-2/2013

INUK

Bild: INUK
© Neue Visionen

LE VOYAGE D'INUK

Produktion: U.P.I FILMS / C'est La Vie Films, in Koproduktion mit Docside Production; Grönland / Frankreich 2010 – Regie: Mike Magidson – Buch: Mike Magidson, Jean-Michel Huctin – Kamera: Xavier Liberman, Franck Rabel – Schnitt: Cécile Coolen – Musik: Stéphane Lopez – Darsteller: Gaba Petersen (Inuk), Ole Jørgen Hammeken (Ikuma), Rebekka Jørgensen (Aviaaja) u. a. – Länge: 89 Min. – Farbe – FSK: ab 12 J. – Verleih: Neue Visionen – Altersempfehlung: ab 14 J.

Filme, die im ewigen Eis spielen, wie der in der Sektion Generation der Berlinale 2011 ausgezeichnete „On the Ice“ und „Inuk“, üben eine große Faszination aus. Die rauen Lebensbedingungen der indigenen Volksgruppen, die im arktischen Zentral- und Nordostkanada sowie auf Grönland leben und sich als Inuit bezeichnen, eine grandiose, fast archaisch wirkende Landschaft und die absolute Reduktion im Bildaufbau auf das Wesentliche tragen dazu bei und lassen solche Filme zu einem seltenen Erlebnis werden. Schließlich zeichnet sich die grönländische Filmproduktion nicht gerade als Mainstream und Massenware aus.

Als kleines Kind muss Inuk mit ansehen, wie sein Vater bei der Jagd ins dünne Eis einbricht und im eiskalten Wasser versinkt – ein Trauma, das ihn bis ins Jugendalter verfolgt. Inzwischen lebt er in der grönländischen Hauptstadt bei seiner alkoholkranken Mutter und ihrem neuen Freund. Weitgehend sich selbst überlassen, muss er selbstgeschnitzte Souvenirs verkaufen, um an Essen zu kommen. Eines Morgens findet die Polizei ihn in einem Autowrack und schaltet das Jugendamt ein, das ihn in den hohen Norden auf eine Insel in ein Jugendzentrum in Ummannaq schickt. Dort kapselt sich Inuk immer mehr von den anderen ab, bis Aviaaja, die Leiterin des Jugendzentrums, sich entschließt, ihn für einige Tage dem älteren Eisbärenjäger Ikuma anzuvertrauen. Dieser nimmt den Job nur widerwillig an und schenkt dem Jungen nichts, zumal er selbst verschlossen und verbittert ist. Auf der gefährlichen Expedition weit jenseits des Polarkreises über das ewige Eis sind sie jedoch unweigerlich aufeinander angewiesen und beginnen, sich zu öffnen. Auf diese Weise lernt Inuk, sich mit der Geschichte der Inuit auseinanderzusetzen und seine eigene Geschichte besser zu verstehen.

In dem "Roadmovie" auf von Hunden gezogenen Schlitten geht es um nichts weniger als die Suche nach eigener und kultureller Identität – offenbar gerade bei grönländischen Jugendlichen kein seltenes Phänomen. Gaba Petersen in der Rolle von Inuk kennt es aus eigener Erfahrung, auch er lebte auf der Straße und in Jugendheimen. Sein väterlicher Freund Ikuma wird von einem der bekanntesten heutigen Grönland-Forscher verkörpert. Bis auf wenige Ausnahmen arbeitet der Film mit Laiendarstellern vor Ort, was dem Film neben der einzigartigen Landschaft, in der man nicht spielt, sondern sich ständig behaupten muss, um zu überleben, zusätzliche Authentizität verleiht. Lediglich Regisseur Mike Magidson, der hier sein Spielfilmdebüt lieferte, kommt aus Kalifornien und lebt inzwischen in Frankreich. Er hat aber lange Zeit auf Grönland gelebt und sich dokumentarisch insbesondere mit interkulturellen Fragen beschäftigt. Film und Hauptdarsteller wurden schon auf mehreren Festivals ausgezeichnet, 2012 war er auch offizieller grönländischer Beitrag für den Oscar 2012 als Bester fremdsprachiger Film.

Holger Twele

 

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