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Ausgabe 134-2/2013

DIE RAKETE

Bild: DIE RAKETE
© Generation / Berlinale

THE ROCKET

Produktion: Red Lamp Films, Sydney; Australien 2013 – Regie und Buch: Kim Mordaunt – Kamera: Andrew Commis – Schnitt: Nick Meyers – Musik: Caitlin Yeo – Darsteller: Sittiphon Disamoe (Ahlo), Loungnam Kaosainam (Kia), Thep Phongam (Purple), Bunsri Yindi (Taitok), Sumrit Warin (Toma), Alice Keohavong (Mali) – Länge: 96 Min. – Farbe – Weltvertrieb: LevelK, Fredriksberg, Dänemark, tine.klint@levelk.dk – Altersempfehlung: ab 12 J.

Gleich zu Beginn geht "Die Rakete" ab mit einer dramatischen Geburt, bei der die junge Mali von ihrer Schwiegermutter Taitok tatkräftig unterstützt wird. Bis sich herausstellt, dass da nicht nur Ahlo zur Welt kommt, ein kräftiger Junge, sondern auch noch ein zweites Kind. Zwillinge aber verheißen bei diesem Volk in den laotischen Bergen Unheil für die Familie, weiß man doch nicht, welches der Kinder gesegnet und welches verflucht ist. Als das zweite Kind stirbt und von den Frauen unter einem Mango-Baum begraben wird, bittet Mali, ihrem Mann nichts zu sagen. Doch seither wird der von seinen Eltern heiß geliebte Sohn Ahlo misstrauisch von seiner Großmutter beäugt.

Die Wahrheit kommt erst zehn Jahre später ans Licht. Als die Familie ihr Dorf wegen des Staudamm-Baues durch die "Austral-Laos Hydro Electric" verlassen muss und Mali auf dem beschwerlichen Marsch über die Berge durch einen Unfall ums Leben kommt, gibt Taitok dem Jungen Ahlo die Schuld. Zum ersten Mal hören Vater und Sohn, dass er ein Zwilling ist, und sind geschockt. Doch Toma, der Vater, verstößt ihn nicht, sondern verspricht ihm, Malis Mangos, die sie noch für ihr neues Zuhause gepflückt hat, auf ihrem neuen Land einzupflanzen. Als sie an ihrem Bestimmungsort eintreffen, gibt es weder Land noch die versprochenen Häuser mit fließend Wasser und Strom – im Gegenteil: Keine Unterkunft ist fertig, der Boden unfruchtbar und verseucht, die Toiletten sind nicht zu benutzen. In diesem Lager der Verzweiflung lernt Ahlo das Mädchen Kia kennen, eine ziemlich selbstständige neunjährige Waise, die auch noch auf Purple, ihren sarkastischen Onkel mit Vorliebe für Reiswein und den amerikanischen Musiker James Brown, aufpasst. Der war noch als Kind während des Vietnam-Krieges von den Amerikanern für ihre vor der Öffentlichkeit verheimlichte Hmong-Armee rekrutiert worden. Von der lebenspraktischen Kia lernt Ahlo jeden Tag etwas Neues, aber seine Familie will nicht, dass er mit den "Außenseitern" herumhängt. Als Ahlo versehentlich einen Brand auslöst, beschließen dennoch beide Familien, fortzugehen und sich in Purples altem Dorf niederzulassen. Taitok opfert ihre letzten Ersparnisse und mit einem Minen-Karren gelangen sie schließlich in Purples’ Paradies. Das aber ist nicht umsonst verlassen: Überall im Boden liegen Granaten und nicht entsicherte Bomben. Buchstäblich im letzten Moment entwindet Purple den Kindern die Streubombe, mit der sie gerade Schlagball spielen wollten. Weiter geht ihre zermürbende Suche nach einem neuen Zuhause und Ahlo bäumt sich ein letztes Mal gegen sein Schicksal auf. Beim Raketen-Festival, mit dem man seit alters her die Trockenzeit beendet, wird er sich und seine Familie davon überzeugen, dass er nicht der "Unglückszwilling" ist. Er lässt sich von Purple erklären, wie man so eine Rakete baut, sammelt Sprengstoff und andere gefährliche Substanzen, bastelt sich eine riesige Rakete, die Toma nach vielem Hin und Her schließlich für seinen Sohn abfeuern darf. Und die fliegt tatsächlich so hoch in den Himmel, dass es kurz darauf regnet! Fortan gilt Ahlo als Glücksbringer in der Stadt, die seiner Familie ein Grundstück anbietet, auf dem nun endlich Malis Mangos eingepflanzt werden können. Taitoks Misstrauen ihrem Enkel gegenüber ist geschwunden und, nachdem Purple in den Bergen gestorben ist, ist es klar, dass Kia bei ihnen bleibt.

"Die Rakete" ist ein dramatischer, emotional aufwühlender Spielfilm über die Spätfolgen des von den USA in den 1960/70er Jahren in Laos geführten Vietnam-Krieges und die gegenwärtige industrielle Ausbeutung des kleinen, meistbombardierten Landes der Welt. Ein dennoch unterhaltsamer, spannender Debütfilm voller Humor, herausragender schauspielerischer Leistungen – allen voran das ehemalige Straßenkind Sittiphon Disamoe mit seiner herrlichen Lache und seine Freundin Loungnam Kaosainam, sowie bestechenden Bildern von dokumentarischer Qualität aus einem wunderschönen, weitgehend unbekannten Land.

Uta Beth

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 134-2/2013 - Interview - "Wir waren fasziniert von der Lebensfreude und Energie"

 

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