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Ausgabe 134-2/2013

WEIL ICH SCHÖNER BIN

Bild: WEIL ICH SCHÖNER BIN
© Filmgalerie 451

Produktion: Filmgalerie 451; Deutschland 2012 – Regie:  Frieder Schlaich – Buch: Claudia Schaefer – Kamera: Benedict Neuenfels – Schnitt: Kolja Kunt, Karina Ressler, Robert Kummer – Musik: Don Philippe – Darsteller: Mariangel Böhnke (Charo), Mira Aring (Laura), Angles Aparicio (Inés), Lavinia Wilson (Anwältin Jutta), Andrea Sanchez del Solar (Amanda) – Länge: 84 Min. – FSK: ab 6 – Verleih: Filmgalerie 451 – Altersempfehlung: ab 10 J.

Charo geht in die 6. Klasse einer Berliner Grundschule. Die 13-Jährige hat gute Noten und schwärmt für den coolen Rafi. Sie wohnt mit ihrer kolumbianischen Mutter Inés und deren Freundin Amanda in einer kleinen Hochhauswohnung. Auf Amandas vierjährigen Sohn Diego muss Charo oft aufpassen. Ansonsten verbringt sie viel Zeit mit ihrer Schulfreundin Laura, die wie sie demnächst aufs Gymnasium wechseln will. Allerdings weiß selbst Laura nicht, dass Charo und ihre Mutter illegal in Deutschland leben. Vor acht Jahren sind Mutter und Tochter mit einem Touristenvisum nach Deutschland gekommen, wo Inés auf eine bessere Zukunft für Charo gehofft hat. Doch wegen der fehlenden Ausweispapiere kann sich Charo nun nicht am Gymnasium einschreiben. Ein Treffen mit ihrem egoistischen Vater, der ein Restaurant betreibt und Charo bei den Behörden helfen könnte, endet in einem Fiasko. Die Probleme spitzen sich zu, als eines Tages zwei Polizisten vor der Tür stehen, die eigentlich nur Zeugen für einen Diebstahl suchen. Als sich Inés verdächtig verhält, fragen sie nach dem Ausweis und nehmen sie fest. Auch die befreundete Anwältin Jutta kann nicht verhindern, dass die Behörden Inés dazu verpflichten, binnen 14 Tagen nach Kolumbien zurückzukehren. Doch Charo, die inzwischen mit Amanda und Diego in einer anderen Wohnung untergetaucht ist und besser deutsch als spanisch spricht, möchte in Deutschland bleiben.

Am stärksten ist die Kombination aus Flüchtlingschronik, Freundschaftsdrama und Teenagerfilm immer dann, wenn sie die Ängste und Nöte der "Illegalen" vor der drohenden Abschiebung beschreibt, die auf der Straße schon kehrtmachen, wenn sie einen Polizisten sehen. Hier ist es die fundierte Sachkenntnis der Drehbuchautorin Claudia Schaefer, die sich auf einen realen Fall stützt und jahrelang dem Bündnis "Papiere für alle" angehörte, das sich um Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis kümmert. Rund eine halbe Million Menschen leben nach einer Schätzung der Hilfsorganisation Caritas hierzulande ohne Aufenthaltstitel. Sie müssen täglich damit rechnen, festgenommen oder ausgewiesen zu werden. Daher leben sie möglichst unauffällig und schlagen sich mit illegalen Jobs durch. Der Film verbindet diesen Erzählstrang mit den Höhen und Tiefen eines typischen Teenagerlebens zwischen Bummeltouren mit der Freundin, pubertären Wallungen, ersten Flirts, Schulroutine und Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern. Hier gelingen Frieder Schlaich, Regisseur und Produzent, der thematisch an sein preisgekröntes Asylbewerberdrama "Otomo" von 1998 anknüpft, und dem erfahrenen Kameramann Benedict Neuenfels immer wieder Impressionen vom sommerlich-unbeschwerten Teenie-Dasein im Kreuzberger Kiez.

Andererseits bleibt dieser Erzählstrang zu oft an der Oberfläche stecken, reißt Probleme nur an und gewährt den Figuren kaum Raum zur Entwicklung. Symptomatisch dafür ist die enge Freundschaft zwischen Charo und Laura, die sich mehrmals heftig streiten, um sich dann ohne jede Aussprache sofort wieder versöhnen. Auch dass Charo ihrer besten Freundin jahrelang ihren illegalen Status verschwiegen hat, führt zu keiner nennenswerten Diskussion. Eine zuweilen holprige Montage, ein zu Anfang sporadisch eingesetzter unbeholfener Ich-Kommentar der Heldin aus dem Off und mehrere Animationssequenzen im plakativen Cartoon-Stil lassen die Inszenierung merkwürdig uneinheitlich wirken. In der Hauptrolle der Charo überzeugt Mariangel Böhnke mit ihrem natürlichen Spiel und frechen Charme, es lässt sich aber kaum übersehen, dass sie zum ersten Mal vor der Kamera stand. Nicht zuletzt, weil der für den Kinderfilmpreis der deutschen Filmkritik nominierte Film konsequent aus der Sicht des Mädchens erzählt ist, eignet sich "Weil ich schöner bin" für den Einsatz im Schulkino und in der Bildungsarbeit.

Reinhard Kleber

 

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