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Ausgabe 135-3/2013

ERNEST & CÉLESTINE

Bild: ERNEST & CÉLESTINE
© Telepool GmbH, München

Produktion: Les Armateurs /Maybe Movies /StudioCanal / France 3 Cinéma /La Parti Production /Mélusine Prod.; Frankreich 2012 – Regie: Benjamin Renner, Vincent Patar, Stéphane Aubier – Buch: Daniel Pennac – Animation: Serge Umé – Schnitt: Fabienne Alvarez-Giro – Musik: Vincent Courtois – Länge: 79 Min. – Farbe – Kontakt: Telepool GmbH, München – Altersempfehlung: ab 6 J.

"Friss mich nicht", fleht die kleine Maus Célestine den Bären an, der sie gerade aus einer Mülltonne gefischt hat. "Aber ich habe Hunger", antwortet der Bär trotzig. Den ganzen Morgen schon hat er vergeblich nach Nahrung gesucht. Doch als er noch einmal versucht, die Maus zu verschlingen, überrascht ihn diese mit einer ebenso einfachen wie kecken Frage: "Wie heißt du?" Der Bär hält inne, stellt sich grummelnd als Ernest vor – und so beginnt in dem bezaubernden französischen Zeichentrickfilm eine wunderbare Freundschaft zwischen zwei Figuren, die eigentlich überhaupt nicht zueinander finden dürften. Schließlich weiß jeder, dass Bären und Mäuse keine Freunde sein können. Normalerweise leben beide Tierarten deshalb auch streng voneinander getrennt: Tief unter der Erde die Mäuse, oben die Bären. Nur Célestine hat noch nie an die natürliche Feindschaft  geglaubt, von der ihr jeden Abend im Waisenhaus erzählt wird. Es ist ihr Glück, dass der Bär Ernest ihr tatsächlich überhaupt nicht böse gesinnt ist. Außerdem haben die beiden trotz ihrer Unterschiede auch einiges gemeinsam. Ernest lebt fern von der Bärenstadt allein in einer abgeschiedenen Hütte und wäre am liebsten Musiker, Célestine ist in der Mäusewelt eine Außenseiterin, weil sie nicht die typische Karriere einer Zahnmaus einschlagen will – die Mäuse sammeln die ausgefallenen Milchzähne der Jungbären als Ersatz für ihre eigenen lebenswichtigen Nagezähne – sondern viel lieber zeichnen möchte. Als Ernest Célestine hilft, Zähne für die Mäuse-Zahnärzte zu stehlen und in der Mäusewelt entdeckt wird, kommt es jedoch zum großen Eklat. Jeder fürchtet den großen Bären. Und als klar wird, dass Célestine ihn dorthin gebracht hat, wird sie aus dem Mäusereich verbannt. Zunächst widerwillig nimmt Ernest die kleine Maus bei sich auf. Doch im Laufe des Winters entwickelt sich zwischen beiden eine dicke Freundschaft, der auch die anderen Bären und Mäuse mit ihren Vorurteilen nichts mehr anhaben können.

Schon durch seine Gestaltung hebt sich der handgezeichnete Trickfilm sehr angenehm von anderen Animationsfilmen ab und orientiert sich dabei an den Illustrationen der Bilderbuchreihe von Gabrielle Vincent, die vor allem im französischsprachigen Raum sehr beliebt ist. Oftmals bleiben die Hintergründe nur angedeutet, während zugleich den Figuren klare Konturen fehlen. Doch der reduzierte Stil lenkt den Blick auf das Wesentliche – und mit präzisen Animationen erwecken die Zeichner die Figuren zum Leben. Bemerkenswert leichtfüßig gelingt es dem Film überdies, eine Geschichte über Freundschaft zu erzählen und in einfühlsame Szenen zu übersetzen, die junge Kinder aus ihrem eigenen Leben kennen – etwa wenn sich Célestine fürsorglich um den kranken Ernest kümmert oder aber Ernest seine neue Mitbewohnerin liebevoll nach einem Albtraum tröstet. Weil sie sich aufeinander einlassen, Interesse aneinander haben und nicht vorgefertigten Erklärungen folgen, überwinden Ernest und Célestine die gängigen Vorurteile. Eine Lektion, die die anderen Bären und Mäuse erst noch in der dramatischen Schlussszene des ansonsten sehr ruhigen Films lernen müssen.

"Ernest et Célestine" ist ein Glücksfall für das europäische Animationskino – ein Film, der nicht nur eine relevante und liebenswerte Geschichte erzählt, sondern auch in seiner Form einen ganz eigenen Charme versprüht und damit ans Herz wächst.

Stefan Stiletto

ERNEST & CÉLESTINE

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.ERNEST & CÉLESTINE im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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