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Ausgabe 136-4/2013

GRÜSSE VON MIKE

Bild: GRÜSSE VON MIKE
© Lucas Festival

DE GROETEN VAN MIKE!

Produktion: Shooting Star Filmcompany; Niederlande 2012 – Regie: Maria Peters – Buch: Mirjam Domkes, Willemine van de Wiel – Kamera: Erwin Steen – Schnitt: Robin de Jong – Musik: Herman Witkam – Darsteller: Maas Bronkhuyzen (Mike Vasilovski), Faas Wijn (Vincent), Bracha van Doesburgh (Natasja Vasilovski), Leona Philippo (Laetitia Jurna, Krankenschwester) u. a. – Länge: 95 Min. – Farbe – Weltvertrieb:  Mountain Road Entertainment Group, www.mountainroad.nl – Altersempfehlung: ab 10 J.

Es gibt wenig Unerträglicheres, als ein Kind zu erleben, das sich seiner Eltern oder zumindest eines Elternteils nicht gewiss sein kann. Dies ist die Situation des zehnjährigen Mike. Er war lebensbedrohlich an Leukämie erkrankt. Nun, auf dem Weg der Genesung, könnte er wieder nach Hause – wenn seine Mutter präsent und zuverlässig wäre. Sie hat jedoch ein Alkoholproblem.

Im Film "Grüße von Mike" wird anschaulich gezeigt, wie die Mutter an dem Kind hängt, aber so, als wäre sie selber ein Kind ohne die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sie erscheint sporadisch, kichert ihre Nervosität und die unverhohlene Kritik der Ärzte und Schwestern weg und ist dazu sichtbar angetrunken. Mike versucht, nach außen den Schein zu wahren, eine versorgende Mutter zu haben, was aber nicht mehr gelingen kann. Nun nimmt das Schicksal in Form des Jugendamtes seinen Lauf, und Mike bekommt Pflegeeltern zugewiesen. Es spricht – das sei an dieser Stelle schon erwähnt – für die Qualität des Filmes, dass diese potenziellen Pflegeeltern sympathisch sind, sie leben behaglich und könnten Mike sicherlich liebevolle Bezugspersonen sein. Mike jedoch beschließt anderes – in Vortäuschung eines epileptischen Anfalls (einer Krankheit, die er wahrlich nicht hat) erreicht er, dass er ins Krankenhaus zurückgeschickt wird. Dies als Zwischenstation, bevor er in eine betreute Wohngruppe gebracht werden soll. Im Krankenhaus hatte er den querschnittsgelähmten Jungen Vincent kennen gelernt, der gerade lernen muss, mit seinem Schicksal fertig zu werden. Die Jungen stützen sich gegenseitig; Mike vermag es mit seiner direkten Art, Vincent an vielem zu interessieren, und so wird dieser wieder lebenszugewandter und kann seinerseits Mike helfen.

Inzwischen hat sich Mikes Mutter in eine Klinik einweisen lassen, wo sie eine Entziehungskur macht – das wissen wir, aber das weiß nicht Mike, der sich noch verlassener wähnt denn je, da die Mutter nun gar nicht mehr kommt. Kurz bevor er fast resigniert, wird die Mutter erstmalig konsequent, weil sei begreift, dass sie andernfalls ihren Sohn endgültig verliert. Die Mutter stabilisiert sich, auch einen Partner findet sie, der Mike zugetan ist. Es kommt also zu einem Happy End, mit Umwegen.

Der Film ist schwungvoll, frisch, frech, und er greift einfühlsam die Not des Jungen auf, der die Krankheit besiegen, aber auch noch so viel Kraft für seine Mutter aufbringen muss. Er zeigt das Dilemma eines Kindes, dessen Eltern es nicht versorgen können. Der Staat "funktioniert" im Sinne des Obhut-Gebens, aber die einfühlsamen Erwachsenen fehlen. Es ist ein System, das versorgt, aber nicht behütet und dem Kind nicht das geben kann, was jedes Kind braucht – die Präsenz liebevoll zugewandter Eltern. So ist das Kind Opfer der Erwachsenen.

Dass dies unsentimental, teilweise sogar lustig und gleichzeitig ernsthaft und empathisch erzählt wird, ist ein Verdienst der Regisseurin Maria Peters. Der Jury des Kinderfilmfestivals LUCAS war dies zumindest eine lobende Erwähnung wert. Auch ein erster Platz hätte diesem Film durchaus gebühren können.

Celina Rodriguez Drescher

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 137-4/2014 - Interview - "Diese Geschichte hat viel mit meinen eigenen Erfahrungen als Kind zu tun"

 

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