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Ausgabe 136-4/2013

DAS KLEINE GESPENST

Bild: DAS KLEINE GESPENST
© Universum Film

Produktion: Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion, in Koproduktion mit Zodiac Pictures u. a.; Deutschland / Schweiz 2013 – Regie: Alain Gsponer – Buch:  Martin Ritzenhoff – Kamera: Matthias Fleischer – Schnitt: Michael Schaerer – Musik: Niki Reiser – Darsteller: Jonas Holdenrieder (Karl), Emily Kusche (Marie), Nico Hartung (Hannes), Uwe Ochsenknecht (Torsten Torstenson), Herbert Knaup (Uhrmachermeister Zifferle) u. a. – Länge: 95 Min. FSK: o. A. – Verleih: Universum – Altersempfehlung: ab 6 J.

Rund 20 Jahre nach Curt Lindas animierter Version sorgt nun Alain Gsponer für die erste Realfilmadaption des Kinderbuchklassikers "Das kleine Gespenst" von Otfried Preußler. Dabei hat es der Grimme-Preisträger ("Das wahre Leben") mit einer durchaus schwierigen Aufgabe zu tun. So muss er auf der einen Seite zeitgenössischen Sehgewohnheiten Tribut zollen, die nach schnellen Schnitten, hohem Erzähltempo und technischer Perfektion verlangen. Zum anderen gilt es aber auch, die literarische Vorlage ohne allzu große Reibungsverluste in Bilder zu transferieren und Preußlers subtilen, hintergründigen Humor und dessen angenehm altmodisch-verschwurbelte Sprache nicht zu verfälschen. Mit tatkräftiger Unterstützung des Produzenten-Triumvirats Claussen+Wöbke+Putz, das schon bei "Krabat" diesen schwierigen Spagat meisterte, und von Martin Ritzenhoff darf Gsponers Ansinnen durchaus als gelungen bezeichnet werden. Das Gespenst selbst, aus der Abteilung visuelle Effekte, entspricht in seiner schneeweißen Pracht und mit den putzigen Kulleraugen voll und ganz dem Kindchenschema und bekommt durch die naiv-pfiffige Stimme von Anna Thalbach prägnante Konturen und Charakter. Und wenn das Gespenst zunächst auf seiner Burg und später dann als "schwarzer Unbekannter" im verschlafenen Städtchen Eulenberg auf Entdeckungsreise geht, dann reihen sich Slapsticknummern, philosophisch-nachdenkliche Momente mit dem weisen Uhu Schuhu und akrobatische Einlagen zwischen den Zahnrädern der Rathausuhr, die den Szenen aus Martin Scorseses "Hugo Cabret" nicht unähnlich sind, wie auf einer Perlenschnur aneinander. Dabei kann sich Gsponer auch auf ein solide aufspielendes Kinder-Ensemble um Newcomer Jonas Holdenrieder ("Die Vampirschwestern") verlassen, der als Karl der erste ist, dem das kleine Gespenst über den Weg läuft. Unterstützt werden die Kids von Schauspielern wie Uwe Ochsenknecht als mediengeiler Bürgermeister oder Herbert Knaup als Uhrmeistermacher Zifferle, der dem traurigen Gespenst dabei hilft, in die Nacht zurückzufinden und wieder glücklich zu werden. Und weil auch Preußlers Plädoyer für mehr Toleranz und Vertrauen immer mitschwingt, verknüpft dieser liebenswerte Kinderfilm, der auch als Komödie für die ganze Familie funktioniert, auf angenehm unaufdringliche Weise Substanzielles mit Unterhaltung.

Thomas Lassonczyk

 

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KJK-Ausgabe 136/2013

 

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