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Ausgabe 136-4/2013

ZAYTOUN

Bild: ZAYTOUN
© Senator

Produktion: Far-Film, Gareth Unwin, Fred Ritzenberg; Großbritannien / Israel 2012 – Regie: Eran Riklis – Buch: Nader Rizq – Kamera: Dan Laustsen – Schnitt: Hervé Schneid – Musik: Cyril Morin – Darsteller: Abdallah El Akal (Fahed), Stephen Dorff (Yoni), Alice Taglioni, Loai Noufi, Ali Suliman u. a. – Länge: 112 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Senator – Altersempfehlung: ab 12 J.

"Zaytoun" ist das arabische Wort für Olive, der Ölzweig ein Symbol für den Frieden. Damit setzt der Film bereits mit seinem Titel ein programmatisches Zeichen. Es geht um den Nahost-Konflikt, aber nicht um Helden und Märtyrer, sondern um zwei Einzelschicksale, die auf die großen Zusammenhänge verweisen.

In den ersten Szenen beschreibt der Film mit dokumentarisch wirkenden Bildern den Schauplatz des Geschehens: Beirut 1982. Es herrscht Bürgerkrieg. Die PLO schießt Raketen auf Israel ab, die israelische Armee rüstet zur Invasion. Der 12-jährige Fahed lebt mit seinem Vater und seinem Großvater in einem Camp für palästinensische Flüchtlinge. Die Abtrennung zwischen dem Flüchtlingslager und der Stadt wird von bewaffneten Grenzposten streng bewacht. Der Ausnahmezustand ist der Alltag. Die PLO versucht, die Jungen in dem Camp mit hartem militärischem Training auf den bewaffneten Freiheitskampf vorzubereiten, doch die spielen viel lieber Fußball. Fahed verlässt regelmäßig illegal das Camp, verkauft auf der Straße Kaugummi und Zigaretten und legt sich dabei mit den libanesischen Jugendbanden an, die das Revier für sich beanspruchen. Er und seine Freunde machen sich wenig aus dem lebensgefährlichen Risiko, das mit dem Überwinden des Grenzstreifens verbunden ist. Als Faheds Vater bei einem Bombenangriff ums Leben kommt, begreift der Junge schlagartig, dass er in diesem Land, das nicht seine Heimat ist, auf sich allein gestellt ist. Wie oft hat sein Großvater von dem idyllischen Dorf erzählt, das sein Zuhause war, als Israel noch Palästina hieß. Fahed will endlich das Land seiner Familie kennen lernen und dort den kleinen Olivenbaum einpflanzen, den sein Vater liebevoll gehegt hat – ein letztes Stück Heimat in der Fremde. Aber Fahed sieht für sich keine Chance, allein dorthin zu gelangen. Bei einem Angriff ist ein Pilot der israelischen Luftwaffe über Beirut abgestürzt. Er wird von den Soldaten der PLO gefangen genommen und in einem Gefängnis innerhalb des Camps verhört. Fahed zählt mit zu den Männern, die ihn bewachen. Der Junge hat von klein auf gelernt, alle Israelis zu hassen. Sein ganzer Zorn und seine Verzweiflung richten sich gegen den Piloten Yoni. Doch an seiner Seite bietet sich eine Möglichkeit, durch das Kriegsgebiet nach Israel zu gelangen. Yoni ist von dem verwegenen Plan wenig begeistert. Aber ihm bleibt nichts anderes übrig, als seinen renitenten Fluchthelfer mitzunehmen, der darauf besteht, eine Topfpflanze und seinen Fußball mitzuschleppen. So beginnt eine riskante Odyssee durch den Libanon, wo jeder, dem das ungleiche Duo begegnet, ein potenzieller Feind ist. Auf gefährlichen und abenteuerlichen Wegen gelangen Yoni und Fahed bis zur Grenze. Aus Feinden werden Freunde. Da der israelische Grenzschutz Fahed direkt nach Beirut zurückschicken will, muss Yoni gegen einige Vorschriften verstoßen, um dem Jungen die Reise zum Heimatort zu ermöglichen. Faheds zäher Wille wird belohnt und es gelingt ihm, mit dem Olivenbäumchen ein Zeichen des Neubeginns zu setzen.

Die Geschichte der Schicksalsgemeinschaft von Fahed und Yoni, in der nicht nur Landesgrenzen, sondern auch die Barrieren in den Köpfen überwunden werden, klingt zu schön, um wahr zu sein. Stimmt. Es handelt sich hier allerdings auch nicht um eine an der Alltagsrealität orientierte dokumentarische Rekonstruktion, sondern um eine fiktive Spielfilmhandlung. Und Filme leben von Visionen. Diese sind angesichts der aktuellen Verhältnisse nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht.

Mit "Zaytoun" ist dem preisgekrönten israelischen Regisseur Eran Riklis ein emotional berührender Film gelungen, der durch seine realitätsnahe Bildsprache und kongenial aufeinander abgestimmte Protagonisten überzeugt. Der Film ist auch eine Coming-of-Age Story. Der palästinensische Flüchtlingsjunge auf der Suche nach seiner Heimat und Identität ist eine überzeugende Identifikationsfigur für Jugendliche: die universelle Botschaft von Mut, Fairness, Ehrlichkeit und Respekt wird in allen Kulturen der Welt verstanden.

Horst Schäfer

 

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