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Ausgabe 137-1/2014

BELLE UND SEBASTIAN

Bild: BELLE UND SEBASTIAN
© Ascot Elite

BELLE ET SÉBASTIEN

Produktion: Radar Films / Épithète Films / Gaumont; Frankreich 2013 – Regie: Nicolas Vanier – Buch: Nicolas Vanier, Juliette Sales, Fabien Suarez, nach der Buchreihe "Belle et Sébastien" / "Belle und Sebastian" von Cécile  Aubry – Kamera: Éric Guichard, Laurent Charbonnier – Schnitt: Raphaele Uretin, Stephanie Pedelacq – Musik: Armand Amar  – Darsteller: Félix Bossuet (Sebastian), Tchéky Karyo (César), Dimitri Storoge (Doktor Guillaume), Margaux Chatelier (Angélina), Andreas Pietschmann (Leutnant Peter) u. a. – Länge: 104 Min. – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Ascot Elite – Altersempfehlung: ab 6 J.

Der Junge Sebastian und sein großväterlicher Freund César verbringen viel Zeit miteinander abseits des Dorfes in der Bergwelt der französischen Alpen. Die Liebe zur Natur verbindet die Ungleichen. Die Dorfbewohner sind aufgeschreckt von einer umherstreifenden Bestie, die Schafe reißt und Menschen bedroht. Jagdfieber ergreift die Männer, die Gewehre sitzen locker. Als eine Hirschkuh auf der Strecke bleibt – nicht von der Bestie gerissen, sondern von Jägern erschossen –, retten Sebastian und César das mutterlose Junge und bringen es in die Herde, wo es heranwachsen kann, bis es stark genug ist für ein Leben in Freiheit. Als Sebastian wieder einmal allein durch die idyllische Weite des Hochtals wandert, begegnet er der "Bestie", einem Furcht einflößenden schmutzigen Hund. Vorsichtig nimmt er Kontakt zu dem verwilderten Tier auf, wird zum Hundeflüsterer. Ein Bad im kristallklaren See wirkt Wunder: Ein kuschelweißer Hirtenhund entsteigt dem Wasser, den Sebastian "Belle" tauft, die Schöne. Er erzählt niemandem von seiner neuen Freundin, der Großvater kommt ihm jedoch auf die Schliche, will Belle erschießen. Sebastian stellt sich vor den Hund. Fortan hat er im alten César einen Komplizen, der die Jäger in die Irre führt. Zuhause, bei Tante Angélina, der Bäckerin, und ihrem Freund, dem Arzt  Guillaume, eine Art Ersatzfamilie für den Jungen, gibt es ganz andere Probleme.

Es ist Krieg, der Landstrich ist von den Deutschen okkupiert. Ihre Spitzel sind überall, suchen nach den ortskundigen Helfern, die jüdische Flüchtlinge nachts über verschneite Gletscher und Pässe in die sichere Schweiz bringen. Guillaume gehört zu den Mutigen, die ihr Leben für die Freiheit anderer riskieren. Die Lage spitzt sich zu. Angélina gerät zunehmend unter Druck, muss für die Besatzer immer mehr Brote liefern von dem Mehl, das sie nicht hat. Ihrem Freund Guillaume sind die Verfolger auf der Spur. Sebastian jedoch bleibt von allem unberührt, spielt mit Belle und hofft auf die Rückkehr seiner Mutter aus Amerika zu Weihnachten. Durch Schüsse auf Belle wird er aus seinen Träumen gerissen. Verzweifelt sucht er in der Nacht nach dem Tier und findet es schwer verletzt im Schnee. Da kann nur Guillaume helfen. Belle überlebt. Der Weihnachtsabend verläuft ganz anders als gedacht; dramatische Geschehnisse lassen Sebastian mit Hilfe von Belle über sich hinauswachsen und er erweist sich als ein furchtloser kluger Junge. Am Ende des Films ist er herangereift – auch für die Wahrheit über das Schicksal seiner Mutter.

Der französische Regisseur Nicolas Vanier, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, erforscht seit über 25 Jahren die wilden Landschaften der Hochgebirge, die Steppen, Seen und Meere in aller Welt, in denen seine Geschichten, Romane, Dokumentationen und Filme spielen, wie zum Beispiel "Zeit der Wölfe", "Der letzte Trapper", "Gold unterm Schnee", um nur einige zu nennen. Eine große Rolle in diesem, seinem neuesten Naturfilm spielen neben dem Jungen und dem Hund die grandiose Landschaft, das Licht, die Farben, die wechselnden Jahreszeiten, vom blühenden Sommer zum tief verschneiten Winter. In Félix Bossuet als Sebastian hat er die ideale Verkörperung eines kleinen, hinreißenden Helden gefunden, der sich in die Herzen der Zuschauer spielt, ebenso der von der Bestie zum Kuscheltier mutierte vierbeinige Gefährte. Die Bäckerin ist süß wie ihre Kuchen, César ein harter Kerl mit weichem Kern. Vieles ist nicht so, wie es scheint. So erweist sich zum Beispiel der deutsche Offizier als Sympathisant der Flüchtenden. Alles in allem ist "Belle und Sebastian" ein spannender Abenteuerfilm, inszeniert in atemberaubend schöner Bergwelt, begleitet von emotionaler Musik, der vor dem geschichtlichen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs spielt. Hier wird klar, dass es im Krieg keine heilen Welten gibt, auch nicht in Sebastians abgelegenem Dorf. Aber kleine und große Fluchten sind möglich. Das ist schön. Und deshalb ist "Belle und Sebastian" ein echter Kinderfilm, auch für diejenigen, die noch nichts von Krieg, Verfolgung und Unterdrückung wissen. Denn da ergeht es ihnen wie Sebastian, der ebenfalls erst mal vieles nicht versteht, aber im Laufe der Geschichte dazulernt – und das Richtige tut. Eine kleine großartige Identifikationsfigur – für Jungen wie für Mädchen.

Gudrun Lukasz-Aden

 

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