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Ausgabe 137-1/2014

DIE ZWÖLF MONATE

Bild: DIE ZWÖLF MONATE
© Schlingel Festival

DVANÁCT MESICKU

Produktion: Ceská televize; Tschechische Republik 2012 – Regie: Karel Janák – Buch: Jana Janíková, Karel Janák, nach Motiven des Märchens von Bozena Nemcová – Kamera: Martin Preiss – Schnitt: Martin Kirov – Musik: Ondrej Brzobohaty – Darsteller: Marie Majkusová (Maruschka), Roman Vojtek (Karel), Veronika Zilková (Stiefmutter), Ivana Korolová (Kvjeta), Václav Postránecky (Januar), Ota Jirák (April), Miroslav Táborsky (Juni), Pavel Kriz (Oktober), Radoslav Brzobohaty (Dezember) u. a. – Länge: 97 Min. – Farbe – Kontakt: Ceská televize – Altersempfehlung: ab 8 J.

Das Tschechische Fernsehen als Produzent gab diesem Werk den etwas gewöhnungsbedürftigen internationalen Verleihtitel "Month’s Rulers" (also "Herrscher der Monate"), obgleich der tschechische Name mit der deutschen Bedeutung "Die zwölf Monate" korrekt der Vorlage von Bozena Nemcová folgt. Vielleicht hat dies auch damit zu tun, dass der originale Titel von einem überragenden Zeichentrickfilm belegt ist, den 1956 Iwan Iwano-Wano – der russische Walt Disney – in die Filmwelt setzte. Und in der Tat scheint die Fabel von den "Zwölf Monaten" ein weitverbreitetes slawisches Märchenmotiv zu sein, welches der Film von Karel Janák weitestgehend adaptiert.

In einem abgelegenen Bergnest lebt die hübsche und warmherzige Maruschka an der Seite ihrer herrschsüchtigen Stiefmutter und der nicht minder nervigen Stiefschwester Kvjeta. Um die Weihnachtszeit ist der junge Karel zurückgekehrt, der im Ausland wohl als "Gastarbeiter" zu Geld und Einfluss gelangt ist und nun im Ort für die Dorfschönheiten ganz offenkundig als gute Partie gilt. Die Grazien umschwärmen den jungen Mann wie einen Filmstar, und der wiederum weiß sich in seiner Bedrängnis nicht anders zu helfen, als dem Rat seines jüngeren Bruders zu folgen: Drei im Winter schier nicht zu bestehende Prüfungen sollten der künftigen Braut auferlegt werden, womit Karel mit Sicherheit ein für allemal von allen Heiratsanträgen befreit sein würde: blühende Veilchen und frische Erdbeeren sollten herbeigeschafft und der verdorrte Apfelbaum im Dorf mit roten Äpfeln versehen werden.

Allein Maruschka begibt sich dreimal auf den Weg in den verschneiten Wald, um unter dem Zwang von Stiefmutter und Stiefschwester das Wunder zu vollbringen. Denn die verwöhnte Kvjeta will in ihrer Verbohrtheit unbedingt den "Prinzen" heiraten, doch der hat seine Augen längst aufs anmutigere Schwesterchen geworfen. Maruschka indes trifft auf einem Berg im Gebirge zwölf am Feuer sitzende Männer – die zwölf Monate. Die erbarmen sich des Mädchens und machen das Unmögliche wahr. Am Ende erkennt Karel, wer Mühe und Qual auf sich genommen hat, und einer prächtigen Hochzeit steht nichts mehr im Wege.

Bozena Nemcová soll das Märchen von einem slowakischen Dienstmädchen erzählt bekommen haben. Die Fabel ist von ihr – nicht viel anders, als es die Gebrüder Grimm in ihren Werken taten – kurz und knapp erzählt, doch mit unendlich vielen Ergänzungs- und Interpretationsmöglichkeiten. Und solcher bedienen sich die Filmemacher ausgiebig. So ist der gesamte Erzählstrang des im Ausland reich gewordenen Karel nicht im originalen Märchen enthalten, mitnichten auch die Liebes- und Hochzeitsgeschichte zwischen ihm und Maruschka. Maruschka wird einfach nur der Köstlichkeiten wegen von Stiefmutter und Stiefschwester (die im Original "Holena" heißt) in den Wald geschickt. Dabei benutzen die Filmemacher um Karel Janák diese Ergänzung auch, um eine gewisse Aktualisierung in die Mär zu bringen. Denn Karel wird mehrfach von den Dorfbewohnern und am Schluss auch von Maruschka aufgefordert, sein Glück nicht mehr auf Reisen und im Ausland zu suchen, sondern daheim zu bleiben …

Der Film wurde eigentlich vom Studio des Tschechischen Fernsehens in Ostrava produziert, die Außenaufnahmen fanden in der Stadt Roznov pod Radhostem (Rosenau) statt, die das nach dortigem Verständnis größte und älteste Freilichtmuseum Mitteleuropas beherbergt. Und in der Tat schien das in der "Mährischen Walachei" unweit des Dreiländerecks Tschechien-Slowakei-Polen gelegene Museumsdorf eine ideale Kulisse für das ohnehin im Slowakischen angesiedelte Märchen abgegeben zu haben. Wegen mangelnden, für die Handlung aber unbedingt notwendigen Schnees musste im Übrigen seit Februar 2010 in mehreren Wintern gedreht werden. Nicht zuletzt wegen der zauberhaften Umgebung, der Fantasie und der humorvollen Spielweise der Schauspieler erhielt der Film den Preis der Europäischen Kinderjury beim 18. Internationalen Filmfestival für Kinder und junges Publikum "Schlingel" in Chemnitz 2013.

Volker Petzold

 

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