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Ausgabe 137-1/2014

"Diese Geschichte hat viel mit meinen eigenen Erfahrungen als Kind zu tun"

Gespräch mit Maria Peters zu ihrem Film "Grüße von Mike"

(Interview zum Film GRÜSSE VON MIKE)

KJK: Von "Taschendieb" bis zu "Grüße von Mike" haben Sie sehr zum Erfolg des niederländischen Kinderfilms beigetragen. Wie stellt sich die Situation des Kinderfilms in Holland heute dar?
Maria Peters: Die Situation ist erfreulich, denn Kinderfilme ziehen ein großes Publikum an. Es ist gut, wenn Kinder sich in Filmen auf ihre eigene Sprache beziehen können, ihr eigenes Land sehen, unmittelbare Anknüpfungspunkte aus ihrer Alltagsrealität haben. Wir produzieren zurzeit eine ganze Reihe von Kinderfilmen, was gut ist für die niederländische Filmindustrie.

Der Kinderfilm dort setzt sich auch mit eher schwierigen Themen auseinander. Warum klappt das in den Niederlanden so gut?
Ich denke, das würde auch in Deutschland gut funktionieren. Schon bei der Vorstellung meines ersten Films in der Kinderfilmsektion der Berlinale hat mir das damalige Kinderpublikum deutlich vermittelt, dass die Kinder gerade solche Filme mögen, die auch schwierigere Themen aufgreifen und die sie als Publikum nicht unterschätzen. Mir ging es als Kind übrigens selbst nicht anders. Daher gibt es bei uns die Tendenz, auch schwierigere Themen aufzugreifen, die Kindern bei der Bewältigung ihrer eigenen Probleme helfen können.

Trotzdem haben es Filme mit schwierigeren Themen und Filme, die nach originären Filmstoffen entstanden, im deutschen Kino schwerer.
Das gilt grundsätzlich auch für Holland. Filme nach originären Filmstoffen haben es oft schwerer als solche, die nach bekannten Literaturvorlagen entstanden sind. Die Kinder haben diese Bücher schon gelesen und auch die Erwachsenen kennen sie und denken, dass dies eine gute Geschichte ist. Wenn es bei den Filmen insbesondere für die älteren Kinder dann allerdings um ein Mädchen geht, das Extasy genommen hat, oder um einen Jungen, der sich schlecht fühlt, weil der Vater gestorben ist, der Schuldgefühle entwickelt und dann zum Alkohol greift, ist das Publikum auch bei uns nicht so leicht zu überzeugen.

Und wie ist das mit Ihrem neuen Film?
Hier kann sich die Mutter von Mike nicht um ihr Kind kümmern, das im Krankenhaus bleiben und sich mit der Sozialarbeiterin auseinandersetzen muss. Eine solche Situation kenne ich sehr genau aus meiner eigenen Kindheit. Damals starb mein Vater, meine Mutter wurde depressiv, konnte sich nicht um mich kümmern, und ich kam zu Pflegeeltern. Ich habe also einen unmittelbaren Bezug zu dieser Problematik. Und ich hoffe, dass auch deutsche Drehbuchautoren eine Chance erhalten, solche Filmstoffe zu entwickeln. Mir fällt dazu "Kopfüber" ein, das ist auch ein Film, bei dem die Mutter große Probleme mit ihrem Sohn hat. Bei meinem Film hatten wir vor allem Probleme mit dem Ende. Es gab eine ganze Reihe von Drehbuchfassungen. Schließlich ist die Mutter abwesend, als der Junge nach Hause kommt, und er muss daher vorübergehend in ein Kinderheim. Aber ein Kinderfilm muss ein positives Ende haben und wie in einem Märchen soll das Gute über das Böse siegen, um den Kindern Mut zu machen und sie zu stärken.

Bestand nicht auch die Gefahr, durch das Happy End den Alkoholismus und seine schädlichen Auswirkungen zu verharmlosen?

Nein, denn dieses Problem wird im Film genau erklärt. Mikes Mutter trinkt nicht von Anfang an, sondern sie greift zum Alkohol wegen der Probleme mit ihrem schwer erkrankten Sohn. Sie ist eine wirklich nette Person, aber mit einem großen Problem. Ich bin auch Mutter von zwei Kindern und ich bin mir nicht sicher, ob ich vielleicht auch zum Alkohol greifen würde, wenn eines meiner Kinder so krank wäre. Ich kann zumindest gut nachvollziehen, dass Mikes Mutter aufgrund der Krebserkrankung ihres Sohnes und der offen bleibenden Therapiechancen diesen Weg gegangen ist. Sie wird im Film auch nicht sofort geheilt, sondern erst nach einem mehrmonatigen Drogenentzug. Als Mike dann nach Hause kommt und sofort sieht, dass es nicht aufgeräumt ist und mehrere Flaschen mit Alkohol rumstehen, macht er sich wirklich Sorgen um seine Mutter.

Ist der Film in Holland schon in die Kinos gekommen?
Ja, er kam zur Weihnachtszeit heraus, denn der Film spielt auch ein bisschen zur Weihnachtszeit. Er lief im Kino recht gut, zumal es etwas zum Lachen gibt, er viele Emotionen hervorruft, viel Humor hat und die Hauptdarsteller alle sehr gut spielen. Der Film hatte fast 300.000 Besucher. Er entstand jedoch ohne Beteiligung des Fernsehens, denn wir haben überall in Europa eine Krise, die dazu führt, dass die Fernsehanstalten sich im Moment sehr zurückhalten, Filme zu kofinanzieren. Das betrifft sogar bekannte und längst erfolgreiche Filmemacher. Später, als der Film bereits fertig war, hat ein Sender ihn dann gekauft. Für die Produktion selbst stand uns leider nur wenig Geld zur Verfügung. Und wir hatten auch nur 26 Tage Drehzeit, das ist für einen Kinderfilm nicht allzu viel.

Wie haben Sie die beiden überzeugenden Hauptdarsteller gefunden?
Ich war sehr zufrieden mit diesen beiden Jungen, die ihre Rolle glänzend spielen. Beide hatten bereits Filmerfahrung. Das war mir wichtig, denn schließlich musste ich mich auf sie verlassen können. Sie hatten für den Film auch schwierige Situationen zu meistern und ich wollte vermeiden, dass sie nach einer Woche die Lust verlieren.

Es gab auch kritische Stimmen, die meinten, der Film würde doch sehr an andere Filme mit ähnlicher Thematik wie "Station 4" "Stationspiraten", "Fia" oder "Bonkers" erinnern. Wie stehen Sie dazu?
Also das ist sicher Zufall, denn ich habe keinen der genannten Filme gesehen. Von einem der Filme habe ich allerdings das Drehbuch gelesen, aber da geht es eindeutig um die Situation von krebskranken Kindern, während in meinem Film ein Junge im Mittelpunkt steht, der sich nichts sehnlicher wünscht, als zu seiner Mutter nach Hause zu kommen. Und diese Geschichte hat viel mit meinen eigenen Erfahrungen als Kind zu tun.

Können Sie abschließend schon etwas über Ihre neuen Projekte sagen und wird das wieder ein Kinderfilm sein?

Das weiß ich noch nicht genau, denn ich habe mit "Sonny Boy" auch schon einen Film für Erwachsene gemacht. Aber ich schreibe viel für Kinder und arbeite gerade an zwei Drehbüchern, das eine davon richtet sich an ältere Kinder. Mal sehen, was aus beiden wird. In meinem Herzen ziehe ich es vor, mit Kindern zu arbeiten, denn sie geben mir als Regisseurin unglaublich viel zurück, und es gibt doch sehr viele Talente, das sehe ich auch bei anderen Kinderfilmen.

Mit Maria Peters sprach Holger Twele beim " Lucas"-Kinderfilmfestival 2013

 

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