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Ausgabe 137-1/2014

„Ehrenschlingel“ für Thilo Graf Rothkirch

(Hintergrund zum Film KEINOHRHASE UND ZWEIOHRKÜKEN und zum Film "Das Marketing für deutsche Animationsfilme müsste stark gefördert werden")

Anlässlich des 18. Internationalen Filmfestivals für Kinder und junges Publikum SCHLINGEL Chemnitz erhielt Thilo Graf Rothkirch am 15. Oktober 2013 für seine Verdienste um den deutschen Animationsfilm für Kinder den „Ehrenschlingel“. In seiner Laudatio würdigte Rolf Giesen den Regisseur, Gestalter und Produzenten. Die Rede wurde für den Abdruck gekürzt und vom Autor leicht bearbeitet. Die Passagen über den Nachkriegsanimationsfilm beziehen sich auf seine bundesdeutsche Entwicklung.

Laudatio zur Verleihung des "Ehrenschlingel"
Thilo Graf Rothkirch ist im Ostwestfälischen geboren. Eigentlich war ihm in die Wiege gelegt worden, Junker zu werden. Doch Junkertum und Ländereien waren zu großen Teilen durch Hitlers Krieg zerstört. Auf die faule Haut legen konnten sich die ehemaligen Junker nicht mehr. So weitermachen wie vor dem Krieg war ein Ding der Unmöglichkeit. Das konnten die Junker nicht, und noch weniger konnten es die Künstler, am wenigsten die Männer von Adel, die den Künstlerberuf ergriffen. Einer von ihnen war Vico von Bülow, der sich Loriot nannte. Ein anderer, nicht so bekannt, Thilo Graf Rothkirch, der in Kassel Grafik studiert hat und ins „Swinging London“ ging. Damals war in London „Yellow Submarine“ angesagt. In Bild und Ton gleichermaßen ging es hoch her. Das hat den Blick geschärft, fern vom Provinzlertum in Deutschland. Thilo ist dennoch in die Provinz, die seine Heimat war, zurückgegangen, hat Unterricht gegeben an verschiedenen Akademien und gleichzeitig schon in den 1970er-Jahren ein kleines Studio gegründet. Was vom deutschen Animationsfilm nach dem Krieg übrig geblieben war, zog sich ins Fernsehen zurück und produzierte Werbefilme und sogenannte Werbetrenner: die Mainzelmännchen, Onkel Otto, das HB-Männchen. Es gab da noch ein anderes Männchen: das „Sandmännchen“. Unter seinem "Protektorat" ließen sich kleine Trickfilme für Kinder platzieren. Thilo wurde einer der mehr oder minder anonymen Produzenten. Nach der Wende nahm er dann mit der ihm eigenen Kühnheit Größeres in Angriff. Schon in den 1980er-Jahren hatte er den Traum, einen Animationsspielfilm für das Kino zu machen,  aber richtig los ging es erst in den späten 1990er-Jahren. Endlich bekam Thilo die Chance, eine seiner kleinen Figuren aus dem Vorabendprogramm ins Kino zu bringen: "Tobias Totz". Mit diesem Film hat Thilo – London war inzwischen vergessen – der deutschen Provinz ein animiertes Denkmal gesetzt. Man erkennt die Provinz in diesem Film wirklich wieder. Da ist der Dackel ebenso wie Paul Pommes und seine Würstchenbude auf Rädern. Das alles ist, ja, auf positive Weise deutsch und es ist Thilos einziger dezidiert deutscher Film, bevölkert von Figuren, die er selbst geschaffen und nicht von anderen übernommen hat.

Thilo macht bewusst Kinder- und Animationsfilme, aber er wehrt sich gegen den Begriff "Kinderfilm", weil er meint, Kinderfilm darf nicht belehrend sein: Ich muss einen Kinderfilm mit den Augen von Kindern machen, also muss ich auf Augenhöhe arbeiten, muss selbst eines von ihnen sein. Ich kann eine Geschichte nicht von oben diktieren, aus der Erwachsenenperspektive. Seine großen Erfolge stammen allerdings nicht aus seiner, sondern aus der Feder anderer Autoren: Der "Kleine Eisbär" führte zum Nordpol, "Lauras Stern" wandte den Blick nach oben in die Weiten des Nachthimmels, in "Kleiner Dodo" entführte Thilo in den Regenwald, und zum Schluss kam als Thema – China. Wir, Thilo und ich, sind zusammen nach China gereist, um eine Co-Produktion vorzubereiten.

Wir haben probiert, die chinesische Kultur kennen zu lernen, sicher nicht mit großem geschäftlichem Erfolg, aber Thilo hat etwas getan, was ich nie wieder gesehen habe. Ich habe viele deutsche Filmproduzenten erlebt, und einige verachteten ihr Publikum geradezu, nicht bewusst, sie waren nicht böswillig. Aber die Struktur der deutschen Filmförderung, des deutschen Filmerziehungssystems, ist sehr darauf gerichtet, dass man nicht für den Konsumenten arbeitet, sondern für Leute, die in den Redaktionsstuben des Fernsehens sitzen und in den Entscheidungsgremien der Förderanstalten. Thilo tat Folgendes: Er war mit seinem Film "Lauras Stern" nach China zum Kinderfilmfestival nach Ningbo eingeladen. Es waren viele chinesische Kinder im Publikum, die richtig mitgingen. Und nach der Vorstellung blieb Thilo, ist reihum gegangen und hat jedem Kind im Publikum, wirklich jedem die Hand geschüttelt. Und da habe ich gedacht, hier ist jemand, der will zum Publikum, der achtet das Publikum, der achtet die Kinder. Alle Filme, die Thilo zu verantworten hat, sind im besten Sinne pazifistisch, sind Filme ohne Antagonismus. So etwas zu schreiben ist für Filmautoren nicht unbedingt leicht, denn der Antagonist ist bekanntlich die interessanteste Figur. Aber diese liebevolle Sensibilität hat das Publikum gewürdigt. Dieses Segment ist in den Kinos inzwischen leidergottes zusammengebrochen. Es gibt den deutschen Kinderanimationsspielfilm eigentlich nicht mehr. Er findet marktwirtschaftlich nicht mehr statt. Das hat verschiedene Gründe. Thilo weiß, dass auch sein letzter Film an der Kinokasse nicht sehr erfolgreich war. Aber das, was er mit den meisten seiner Filme bewiesen hat, dass es nicht darum geht, Kinderfilme zu machen, sondern Filme mit Kinderaugen, das ist das Wesentliche! Das wird bleiben!

 

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