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Ausgabe 138-2/2014

DIE BÜCHERDIEBIN

Bild: DIE BÜCHERDIEBIN
© Twentieth Century Fox

Produktion: Fox 2000 Pictures / Zwanzigste Babelsberg Film GmbH; USA / Deutschland 2013 – Regie: Brian Percival – Buch: Michael Petroni, nach dem Roman "The Book Thief" von Markus Zusak – Kamera: Florian Ballhaus – Schnitt: John Wilson – Musik: John Williams – Darsteller: Sophie Nélisse (Liesl Memminger), Heike Makatsch (Liesls Mutter), Emily Watson (Rosa Hubermann), Geoffrey Rush (Hans Hubermann ), Nico Liersch (Rudi), Ben Schnetzer (Max Vanderburg), Ben Becker (Stimme Tod) u. a. – Länge: 131 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Twentieth Century Fox – Altersempfehlung: ab 10 J.

In seinem 2005 in Australien erschienenen vielfach ausgezeichneten Welterfolg, der auch in Deutschland textgleich als Jugendbuch wie als Buch für Erwachsene erschien, lässt Markus Zusak auf beinahe 600 Seiten den Tod von der "Bücherdiebin" Liesl Memminger erzählen. Anfangs ist die "beständig Überlebende" neun Jahre alt – gerade ist ihr jüngerer Bruder im Zug gestorben, mit dem ihre Mutter, eine Kommunistin, die Kinder Anfang 1939 nach München bringt, um ihnen das Überleben in der Obhut eines Arbeiterpaares im fiktiven Molching zu sichern. Als einer der Beamten bei der improvisierten Beerdigung neben den Bahngleisen sein "Handbuch für Totengräber" im Schnee verliert, greift Liesl zu und hütet dieses einzig vebliebene Bindeglied zu ihrem früheren Leben wie einen Schatz, obwohl sie es zunächst gar nicht lesen kann. Als ihr liebevoller Pflegevater das entdeckt, richtet er für das traumatisierte Mädchen im Keller ein Studierstübchen ein und schützt sie vor seiner ewig grummelnden Frau, indem er mit ihr Lesen und Schreiben übt. Die jeweils neuen Buchstaben werden mit Kreide an die feuchten Wände geschrieben. Beim Einleben hilft ihr auch Rudi, ein Schulfreund, der sich in das Mädchen verliebt. Das nächste Buch klaut Liesl den Nazis – nach der auch in Molching zelebrierten Bücherverbrennung zieht sie es aus dem Scheiterhaufen und verbrennt sich selbst fast daran. Dabei wird sie von der Frau des Bürgermeisters beobachtet, die sie fortan in der von ihrem verstorbenen Sohn aufgebauten Bibliothek lesen lässt, wenn Liesl für ihre Pflegemutter die Wäsche bringt. Allerdings bereitet der Bürgermeister dem ein Ende und kündigt der Waschfrau gleich mit. Ein herber Schlag, denn bei Liesl zu Haus wird oft gehungert, erst recht, seit Max, der jüdische Sohn des Mannes, der Hans Hubermann im Ersten Weltkrieg das Leben gerettet hat, bei ihnen Zuflucht sucht. Max wird im Buchstaben-Keller versteckt und Liesl muss ihm von der Welt draußen erzählen. Als er schwer erkrankt, liest sie ihm vor – aus Büchern, für die sie jetzt beim Bürgermeister durch ein Fenster einsteigt. Die Welt der Bücher funktioniert als Gegenwelt gegen den Nazi-Terror und hilft auch während der Bombennächte im Luftschutzkeller. Als die Alliierten gesiegt haben, sind außer Max alle Menschen tot, die Liesl etwas bedeuten, auch Rudi. Sie selber aber trifft den Tod erst wieder als alte Frau. Da lebt sie längst mit ihrer Familie in Australien.

Weil man den Erzähler über den Ereignissen in Molching inzwischen jedoch vergessen und die Geschichte mit dem Wiederauftauchen von Max bereits eine Art Happy End gefunden hat, wirkt dieses Ende im Film langatmig und aufgesetzt. Dafür ist die Besetzung, in der auch eine Reihe sehr guter deutscher Schauspieler für kleine und kleinste Nebenfiguren zur Verfügung steht, herausragend. Nicht nur gelingt es Sophie Nélisse,  trotz ihres puppenhaften Aussehens, Liesls Zweifel und Ängste, ihren Mut und ihre Unbeirrbarkeit überzeugend zu verkörpern, sie hat auch in ihren Pflegeeltern ein unvergessliches Paar zur Seite, das man nicht wieder vergisst. Vor allem Emily Watson als pragmatische Waschfrau, die ihren ritterlichen, unpraktischen Mann durch alle Fährnisse jener Zeit steuert und dabei aufopfernd für Liesl und Max mitsorgt, gibt ihrer Figur mit dem großen Herzen Ecken und Kanten, was man erst nach und nach durchschaut, erstmals wohl bei der heiteren Weihnacht mit echtem Schneemann im Buchstaben-Keller.

Der mit dem Prädikat "besonders wertvoll" versehene Film ist für Kinder ab sechs freigegeben. Kein leichter Stoff, weshalb die konventionelle Erzählweise, die bisweilen märchenhaft fernen Bilder aus einer deutschen Kleinstadt jener Zeit, kurz, die ästhetisch geschönte Realität angemessen sein mag, auch wenn man selbst bedauert, dass das Potenzial für einen herausragenden Film ohne Weichzeichner zugunsten eines Familienfilms verschenkt wurde.

Uta Beth

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 138-2/2014 - Kinder-Film-Kritik - "Die Bücherdiebin"

 

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