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Ausgabe 140-4/2014

DER KLEINE NICK MACHT FERIEN

Bild: DER KLEINE NICK MACHT FERIEN
© Wild Bunch

LES VACANCES DU PETIT NICOLAS

Produktion: Fidélité Films; Frankreich 2014 – Regie: Laurent Tirard – Buch: Laurent Tirard, Grégoire Vigneron, nach der gleichnamigen Kinderbuchserie von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé – Kamera: Denis Rouden – Schnitt: Valérie Deseine – Musik: Èric Neveux – Darsteller: Mathéo Boisselier (Nick), Valérie Lemercier (Mutter), Kad Merad (Vater), Dominique Lavanant (Oma), Erja Malatiere (Isabelle) – Länge: 97 Min. – FSK: ab 0 – Verleih: Wild Bunch – Alterseignung: ab 10 J.

2009 legte der französische Autor und Regisseur Laurent Tirard eine Verfilmung der populären Kinderbuchserie "Der kleine Nick" vor, die von René Goscinny ("Asterix") geschrieben und von Jean-Jacques Sempé illustriert wurde. "Der kleine Nick" (Le Petit Nicolas) avancierte mit 5,5 Millionen Besuchern in den französischen Kinos zum erfolgreichsten Film des Jahres und Anwärter auf den Europäischen Filmpreis. Zudem brachte er Tirard die zweite César-Nominierung ein.

Nun hat der Regisseur, der zuletzt 2012 mit "Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät" einen weiteren Kinoerfolg landen konnte, mit "Der kleine Nick macht Ferien" eine zweite Realverfilmung des Stoffes realisiert. Bündelte der erste Film in einer Rahmenhandlung etliche Episoden rund um eine geplante Kleinkindentführung durch den kleinen Protagonisten, so begleitet der Nachfolger den Helden Nick – im Original Nicolas – und seine Familie in die ersehnten Sommerferien am Strand, wo jede Menge Abenteuer warten. Tirard und sein Ko-Autor Grégoire Vigneron verbinden dabei mehr Erzählstränge als im ersten Film, da sie geschickt mehrere Geschichten parallel schildern.

Endlich Ferien! Nick kann die Abreise aus Paris kaum erwarten. Diesmal geht es nicht wie sonst in die Berge, die seine Mutter so liebt, sondern ans Meer. Allerdings fährt die selbstbewusste Großmutter im Auto mit. Nachdem der Vater erst in den Stau und dann auf einem vermeintlichen Schleichweg in ein Wasserloch gefahren ist, kommt die Familie mit einiger Verspätung im idyllischen Strandhotel an. Dort lernt Nick rasch neue Spielkameraden kennen: Ben, der immer dort lebt, Früchtchen, der den ganzen Tag isst, Jojo, der mit einem seltsamen englischen Akzent spricht, Paulchen, dere ständig nörgelt, und Como, der immer Recht haben will.

Außerdem Isabelle, die ihn bewundert und ihm überall hin folgt. Dabei hat Nick in Paris die hübsche Marie-Hedwig zurückgelassen, der er die Treue versprochen hat und die ihm zum Abschied einen Kuss auf die Wange gedrückt hat. Während die Erwachsenen ihn und Isabelle als süßes Paar belächeln, läuten in seinem Kopf schon die Hochzeitsglocken – Alarm! So bittet Nick seine neuen Freunde um Hilfe. Gemeinsam sabotieren sie die Dusche und streuen das Gerücht, Nicks Vaters sei pleite, um Isabelles Eltern zu Abreise zu bewegen. Das Gerücht sorgt für allerlei Verwicklungen, zumal Nicks Vater immer wieder darüber nachdenkt, was er auf die Ansichtskarte an seinen Chef schreiben soll.

Dagegen erlebt Nicks Mutter einen zweiten Frühling: Ein quirliger italienischer Filmproduzent, der beim Drehen am Strand auf sie aufmerksam wird, macht ihr sofort den Hof und will sie für einen neuen Film engagieren. Parallel dazu schaut Nicks Vater häufiger sehr interessiert einer Nudistin mit putzigem Schweizer Akzent hinterher. Unterdessen entdeckt sein Sohn neue Gefühle für die süße Isabelle und geht mit ihr zu einer alten Burg am Strand. Die Flucht bleibt zunächst unentdeckt, weil die erwachsenen Urlauber sich in einen turbulenten Maskenball stürzen.

Mit seiner liebevollen Ausstattung, der unbeschwerten Sommerferien-Atmosphäre und den humorvollen Eskapaden entfaltet der kurzweilige Familienfilm eine heitere nostalgische Stimmung, die wohl nicht ganz zufällig an den französischen Filmklassiker "Die Ferien des Monsieur Hulot" von Jacques Tati aus dem Jahr 1953 erinnert. Zum zauberhaft hingetupften Heile-Welt-Charakter des Sommerfilms trägt bei, dass man hier noch Briefe und Postkarten schreibt statt E-Mails. Auch Handys oder Facebook kommen nicht vor.

Tirards schwungvolle Inszenierung bringt ein Wiedersehen mit den Komödianten Valérie Lemercier und Kad Merad, die schon im ersten "Nick"-Film die Eltern des Lausbuben spielten. Dagegen gibt diesmal der neunjährige Mathéo Boisselier mit der Titelrolle sein Kinodebüt, sein Vorgänger Maxime Godart wäre inzwischen zu alt für die Rolle.

Manche der Späße fallen schon derb aus, die Situationskomik kommt zuweilen etwas platt daher und die meisten erwachsenen Darsteller tragen ziemlich dick auf. Subtiler wirken demgegenüber einige pointierte, ins Absurde gehende Dialoge. Zudem nimmt der neue Nick-Film des 1967 geborenen Regisseurs Bezug zur Filmgeschichte: Neben der Hommage an Tati hat er auch eine komische Anspielung auf Hitchcocks Reißer "Psycho" untergebracht und verneigt sich nebenbei respektvoll vor Stanley Kubrick, Brigitte Bardot und Federico Fellini.

Reinhard Kleber

 

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