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Ausgabe 140-4/2014

Filmauswahl "Lucas 2014"

Kinder-Film-Kritik

Wie in den letzten vier Jahren war ich auch dieses Jahr wieder bei Lucas als (Kinder-/ Jugend-)Moderatorin tätig. Ich habe insgesamt 35 Filme gesehen. Ich war dieses Jahr sehr zufrieden mit den Gewinnerfilmen: Von "Zone 7" (Bester Langfilm) war ich komplett begeistert, "The Magnificent Lion Boy" (Bester Animierter Kurzfilm) hat mich sehr berührt, und die beiden holländischen Filme "Scrap Wood War" (EFCA-Preis) und "Mister Twister Goes Camping" (Publikumspreis) sind definitiv  tolle Kinderfilme. Auch der Film "Memme" aus Norwegen, welcher als bester Kurzfilm prämiert wurde, und der Jugendfilm "Giraffada", dessen junger Hauptdarsteller Saleh Bakri mit dem Sir Peter Ustinov Newcomer Award geehrt wurde, haben verdient gewonnen! Diese beiden werde ich genauer besprechen:

Filmbesprechungen von Nora Spieles, 15 Jahre

Memme
Man sieht gleich, wie nett Idunns großer Bruder Even ist: Er erschreckt Idunn schon morgens, als sie ihren Kuschelhasen zudeckt, auf seiner Zimmertür steht etwas wie „Lebensgefahr für kleine Mädchen“ und Idunn, diese kleine, feige Schwester, von der Schule abzuholen, das kann Mama gleich vergessen! Idunn geht also das erste Mal alleine nach Hause. Plötzlich ist alles Alltägliche ganz gruselig. Doch dann bekommt sie ausnahmsweise einmal die Gelegenheit, ihrem fiesen Bruder einen gehörigen Schrecken einzujagen …

Dieser Kurzfilm ist fantastisch! Die Regisseurin Siri Rutlin Harildstad hat es geschafft, „Horror“ ganz neu zu erfinden: sowohl für Kinder als auch Erwachsene spannend und gleichzeitig urkomisch und dabei sehr alltäglich. Jede Tätigkeit Idunns bekommt in der grauen Dämmerung einen ganz anderen Charakter: Mit einem großen Messer sticht jemand wild auf etwas ein – allgemeines Aufatmen und Gelächter im Kino, als jeder realisiert, dass Idunn dabei ist, ein Brötchen aufzuschneiden. Als sie, mit roter Marmelade verschmiert und das Messer in der Hand haltend, in das verbotene Zimmer ihres Bruders schleicht, tritt sie auf eine Fernbedienung – und ohrenbetäubende Musik erschreckt nicht nur das Mädchen, sondern das ganze Publikum. Wenn sich Spannung langsam aufbaute, hatte ich wirklich Angst. Aber sobald dann die genial einfache Lösung präsentiert wurde, war alles nur noch lustig. Gerade das, diese total unterschiedlichen und wunderbar erschaffenen Atmosphären haben mich besonders beeindruckt. Der Film ist zwar nicht sonderlich tiefgehend, aber für jeden wirklich ein großer Spaß.

Giraffada
Der Vater des zehnjährigen Ziad ist Tierarzt des Zoos in einer palästinensischen Grenzstadt. Ziad liebt vor allem die beiden Giraffen. Als das Männchen bei einem Angriff stirbt, möchte das Weibchen Rita nichts mehr essen. Mit der Hilfe einer netten französischen Journalistin, die schon Medikamente für Rita von einem befreundeten Tierarzt in Tel Aviv geholt hat, versuchen Ziad und sein Vater, aus dem Zoo des Bekannten einen Giraffenbullen für Rita über die Grenze zu bringen.

Ein Film über den Krieg – für Kinder? "Giraffada" ist toll! Er stellt das Schreckliche, die Angst, die Not, aber auch die Hoffnung dar. Er ist einfach perfekt in seiner Form: Ziads Vater kommt buchstäblich fast um vor Angst, als Ziad, sauer auf den Vater, während der Ausganssperre nicht nach Hause kommt. Es geht auch um Tiere, was es abwechslungsreicher und bunter macht, obwohl gleichzeitig nichts von der Schwere des Themas verloren geht. Auf jede etwas fröhlichere Szene folgt eine, die wieder in die Realität zurückholt: Das Fest des Zoodirektors unterbricht ein Angriff.  Nach der fast gelungenen Flucht brauchen Ziad, sein Vater, die Journalistin und die Giraffe Benzin – und ein Israeli, der ganz anders ist als der Freund von Ziads Vater, beschimpft das ungewöhnliche Gespann und droht damit, auf sie zu schießen. Und vor allem: Nachdem dann alles gerade noch gut gegangen ist, wird Ziads Vater verhaftet. Das ist ein trauriges Ende – aber im Krieg gibt es ja auch kein Happy End. Hoffnung bringt nur die Existenz von Freunden unter Feinden: Der Bekannte von Ziads Vater hilft ihnen mehr oder weniger bereitwillig. Die französische Journalistin, vor der Ziad zu Beginn ein großes Misstrauen hatte, entwickelt sich auch für ihn zu einer Freundin. Das gefällt mir auch besonders gut: Es geht nicht nur um den Krieg als solchen, es geht auch um zwischenmenschliche/-tierische Beziehungen, natürlich immer mit dem Krieg im Hintergrund. Durch Farbe, Licht und Ton ist der Regisseur in der Lage, Atmosphären zu schaffen, die immer realistisch und nie verschönt sind. Ich habe großen Respekt vor dem ganzen Team, das unter solch katastrophalen Bedingungen, wie sie dort herrschen, so einen sensationell guten Film zustande bringen konnte. Besonders toll macht das natürlich der junge Saleh Bakri, der auf jeden Fall zu Recht mit dem Darstellerpreis geehrt wurde!

Filmbesprechungen von Helene Spieles, 13 Jahre:

Zone 7

In dem Film "Zone 7" von Carlos Obispo geht es um das philippinische Mädchen Diana und ihren kleinen Bruder Julian. Sie wohnen ganz alleine, denn ihr Vater lebt bei seiner neuen, schwangeren Frau im selben Ort und kümmert sich zunächst nicht um die Geschwister, und die Mutter arbeitet in China als Gastarbeiterin, um Geld für ihre Kinder zu verdienen – bis sie wegen des Vorwurfs, Drogen geschmuggelt zu haben, zum Tode verurteilt wird, was die Kinder und das Dorf aus den Fernsehnachrichten erfahren.

Man bekommt einen guten Einblick in das Leben der Geschwister auf den Philippinen – man sieht sie beim Feiern, Arbeiten, Essen, Freunde treffen, also sowohl in glücklichen und lustigen als auch in traurigen und einsamen Momenten. Auch interessant finde ich das Verhalten der anderen Menschen im Dorf, aber vor allem das Verhalten des Vaters, der nicht wirklich böse ist, aber ziemlich unbeholfen und unsicher in Bezug auf seine Kinder, die ihm unterschiedlich entgegenkommen. Julian ist glücklich, Zeit mit ihm zu verbringen und nähert sich sogar der Frau des Vaters an; Diana ist misstrauisch und auch enttäuscht und traurig. In dem Film ist „gut“ und „böse“ nicht schlicht und klar, sondern vermischt. Gut ist auch, dass der Film zwar kein gutes, aber ein hoffnungsvolles Ende hat. Die Mutter überlebt nicht, obwohl sich dann auch der Vater und andere darum bemühen, dass das Urteil ausgesetzt wird, aber die Kinder können trotzdem an eine gute Zukunft glauben und man ahnt, dass sich der Vater und seine neue Frau ihrer annehmen werden. Der Regisseur zeigt in dem Film auch, dass die vielen Gastarbeiter, die nach China gehen, oft ausgebeutet werden.

Zu der tollen Geschichte kommt auch noch die Leistung der Schauspieler: Besonders Krystle Valentino, die Diana spielt, verkörpert ihre Rolle hervorragend und hat ein tolles Lächeln. Ich kann gut nachvollziehen, dass die LUCAS-Jury 2014 diesen Film als besten Spielfilm gekürt hat, denn ich finde den Film spitze!

Mister Twister geht zelten
"Mister Twister geht zelten" von Barbara Bredero ist der zweite Teil von "Mister Twister" und wurde beim LUCAS-Kinderfilmfestival 2014 mit dem Publikumspreis gekürt. In dem Film geht es um  Mister Twister, einen jungen Referendar, der selbst fast noch ein Kind ist. Er unterrichtet eine sechste Klasse. Die Kinder finden ihren Lehrer (der im Original Mees Kees heißt – nach einem bekannten holländischen Kinderbuch) super: Er ist lustig, nett, gar nicht streng und versteht sie. Er ist eher wie ein Freund für sie. Als die Klasse auf Klassenfahrt geht, freut sie sich riesig – bis sie erfährt, dass die strenge Schulleiterin Frau Dreus mit von der Partie ist. Bei ihr heißt die Klassenfahrt Arbeitswoche, ist auf die Minute genau durchorganisiert, und jeder Tag beginnt mit Frühsport. Doch als Frau Dreus einen Hexenschuss erleidet, muss sie nach Hause fahren und Mister Twister und die Klasse sind alleine.

Ich finde den Film vor allem für kleinere Kinder, für 8- bis 9-Jährige, gut geeignet, denn er ist lustig und unterhaltsam. Es passieren viele verrückte Dinge auf der Klassenfahrt, die das Publikum zum Lachen oder Schmunzeln bringen. Er nimmt öfters überraschende Wendungen, so dass man nicht weiß, wie es weitergeht. Für Leute, die gerne viel Grusel, Spannung oder nachdenklich Machendes in Filmen mögen, ist der Film allerdings nicht so passend, denn er plätschert eher munter dahin. Ich finde aber auch gut, dass die Unbeholfenheit des Lehrers so klar gezeigt wird: Er macht viele Dinge aus Versehen falsch und ist deswegen sehr verzweifelt. Auch die Klasse ist schön dargestellt, ebenso die Charaktere von den beiden so unterschiedlichen Lehrern sind deutlich und gut ausgearbeitet. Insgesamt finde ich den Film für jüngere Kinder unterhaltsam.

Credits zu den Filmen unter www.lucasfilmfestival.de

 

 

 

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