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Ausgabe 140-4/2014

Kinderfilm GmbH stellt den ersten "besonderen Kinderfilm" her

Gespräch mit Ingelore König, Geschäftsführerin der Kinderfilm GmbH, über ihre Erfahrungen und Pläne

Interview

Die Kinderfilm GmbH aus Erfurt hat einen imageförderlichen Erfolg errungen: Ihr Kinderfilmprojekt "Winnetous Sohn" wurde für die bundesweite Initiative "Der besondere Kinderfilm" ausgewählt, geht als erstes in Produktion und wird voraussichtlich am 9. April 2015 im Verleih von Weltkino in die Kinos kommen. "Winnetous Sohn" und "Ente gut!" sind die beiden Projekte aus der ersten Ausschreibungsrunde 2013/14, die sich gegen rund 100 Mitbewerber durchsetzten und nun mit je etwa 2,5 Millionen Euro gefördert werden. Die Initiative wird gemeinsam von Filmwirtschaft, Politik und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern getragen. Hauptanliegen ist es, originäre Kinderfilme in Deutschland zu fördern, die nicht auf bekannten Marken oder literarischen Vorlagen beruhen.

Im Mittelpunkt des Films "Winnetous Sohn" (Regie: André Erkau, Buch: Thomas Brinx, Anja Kümmerling) steht der zehnjährige Max, der in einer Kleinstadt lebt. Er ist blass, rothaarig, etwas dick, und es schlägt ein großes Indianerherz in ihm. Mit seinem Vater, einem Musiker, ging Max total in der Welt von Tipi, Manitu und Federschmuck auf. Leider ist seit der Trennung der Eltern alles anders: Mama ist mit ihrem neuen Freund beschäftigt und Papa hat scheinbar vergessen, dass er mal ein Indianer war. Als Max erfährt, dass für die Karl-May-Festspiele „Winnetous Sohn“ gesucht wird, will er die Rolle unbedingt haben. Er hofft, dass so alles wieder wird wie früher.

Unterstützt wird die Produktion von MDM, BKM, DFFF, FFA und der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Finanzierungs- und Senderpartner sind ZDF und KiKA.

"Winnetous Sohn" ist der erste Kinofilm der Erfurter Firma seit dem Kinodokumentarfilm "Vierzehn" (2012) und dem Spielfilm "Blöde Mütze!" (2007). „Das ist lange her. Wir haben uns dann mehr aufs Fernsehen konzentriert, weil es immer schwieriger geworden ist, die leiseren Geschichten der Arthouse-Kinderfilmer zu finanzieren“, sagt Produzentin Ingelore König. Darüber hinaus realisierte die Kinderfilm GmbH vor kurzem ihre zehnte Märchenverfilmung für das Weihnachtsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. Ingelore König freut sich, dass für "Die Schneekönigin" unter anderem Annette Frier und Steffi Kühnert vor der Kamera standen. Es ist zugleich die erste europäische Koproduktion der Kinderfilm GmbH. Die Neuverfilmung des berühmten Hans Christian Andersen-Märchens "Die Schneekönigin" entstand als Koproduktion mit dem ZDF und der finnischen Firma Visual Norden. Regie führt Karola Hattop, die für die Kinderfilm und das ZDF bereits den Märchenfilm "Die sechs Schwäne" in Szene gesetzt hat. "Die Schneekönigin" ist nach diesem Film sowie "Hänsel und Gretel" (2006) und "Die goldene Gans" (2013) bereits die vierte Märchenadaption für den Mainzer Sender.

KJK: Welche der zehn Märchenverfilmungen aus Ihrem Haus sehen Sie als die beste an?
Ingelore König: Für mich ist "Hänsel und Gretel" aus dem Jahr 2006 ein künstlerisches Kleinod. Hier ist es auf sehr besondere Weise gelungen, die Poesie des Märchens und sein existenzielles Thema in eine radikale Filmästhetik zu übertragen. Inszenierungsstil, expressive Bildsprache und eine traumhaft-sphärische Filmmusik geben dieser Adaption einen ungewöhnlichen mystischen und archaischen Charakter. Aber das Beste an der Vielzahl unserer Märchenverfilmungen ist die Vielfalt, die Möglichkeiten, im Genre unterschiedliche Genres auszuprobieren. "König Drosselbart" ist eine hinreißende Romantic Comedy über die Emanzipation von Frauen – und von Männern. "Die kleine Meerjungfrau" erzählt von romantischer und wahrhafter Liebe – ein Drama vom Glück des eigenen Weges. Und ich bin sehr stolz auf unsere jüngste Produktion "Die Schneekönigin", ein Roadmovie von Deutschland nach Lappland, das eine völlig neue Herausforderung für uns war. Im hohen Norden Finnlands hat das deutsch-finnische Team in der Kälte von 30 Grad minus die Magie von Eis und Schnee in wunderschönen Bildern eingefangen. Der Film ist unsere erste europäische Koproduktion.

Nach so vielen Märchenfilmproduktionen im deutschen Fernsehen: Gibt es überhaupt noch attraktive Stoffe für eine Verfilmung? Hat sich die Welle gar allmählich totgelaufen?

Es gibt garantiert noch viele interessante Stoffe. "Däumelinchen" und "Der tapfere Zinnsoldat" zum Beispiel oder die Shakespeare-Märchen von Franz Fühmann, die zu meinen Lieblingsmärchen gehören. Das Genre kann sich gar nicht totlaufen, weil die Menschen diese Art des Fantasy-Films immer wieder gern sehen.

Bringt die Förderung des Projekts "Winnetous Sohn" durch die Initiative "Der besondere Kinderfilm" für die Kinderfilm GmbH einen Prestigegewinn, der bei weiteren Projekten helfen kann?

Auf jeden Fall bringt die Förderinitiative einen Prestigegewinn. Wir freuen uns, dass "Winnetous Sohn" der erste Film ist, der in Produktion geht, und der außerdem den Preis für das kreativste Marketingkonzept gewonnen hat. Es ist schön, wenn sich auf diese Weise das in vielen Jahren erworbene Knowhow der Kinderfilm bestätigt.  Wir sind glücklich, wieder einen Film fürs Kino zu realisieren. Ohne die Initiative hätten wir für diesen Originalstoff wohl nie dieses Budget zusammen bekommen. Bemerkenswert ist, dass das Label "Der besondere Kinderfilm" dem Projekt schon in der Entstehungsphase zu großer Aufmerksamkeit verhilft und uns neue Partnerschaften verschafft. Wir sind uns aber auch bewusst, welche besondere Verpflichtung das mit sich bringt.

Will sich die Kinderfilm GmbH nach dem jahrelangen Schwerpunkt auf TV-Produktionen in Zukunft wieder stärker dem Kinofilm zuwenden?
In jedem Fall. Wir haben mehrere Projekte in Entwicklung. Nicht nur für Kinder. Unter unserem Label Grown Up Films drehen wir auch für die Jugendliche und Erwachsene.

Hat der sogenannte Arthouse-Kinderfilm in der deutschen Kinolandschaft überhaupt eine Überlebenschance gegenüber kapitalstarken Mainstream-Kinderfilmen auf Bestsellerbasis?

Was bedeutet Arthouse: kleinere Budgets, weniger Zuschauer, engere Zielgruppe? Inzwischen spricht die Branche schon vom Mainstream Arthouse. Es gibt doch in jedem Marktsegment immer wieder Überraschungen, im positiven wie im negativen. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Kinder möglichst viele Filme im Kino erleben. Dabei sollten sie die Chance auf unterschiedliche Genres, unterschiedliche Themen und unterschiedliche künstlerischen Handschriften haben. Wenn wir ihnen diese Chance nicht geben, werden wir sie später auch nicht mehr dafür gewinnen können. Der Arthouse-Film zielt auf einen kleineren Markt, kann und sollte dafür aber auch viel mehr experimentieren können. Das ist seine Überlebenschance und die unserer Filmkultur.

Inwiefern kann die Initiative "Der besondere Kinderfilm" helfen, tatsächlich mehr originäre Kinderfilmstoffe, also Filme, die ohne bekannte Marken oder Bestseller auskommen, in die deutschen Kinos zu bringen?

Die Erfahrung der zurückliegenden Jahre hat gezeigt, dass die Finanzierung originärer Kinderstoffe immer mehr zu einem Sisyphus-Projekt wurde und die Produzenten nach jahrelangen Mühen dann doch am Bestseller-Argument scheiterten. Jetzt gibt es eine Verabredung, die zu einer gewissen Planungssicherheit führt und die das Wagnis, jenseits der Marke zu agieren, durch die Allianz der Branche abfedert. Es ist eine großartige Chance für uns und für unsere Kinder.

Mit Ingelore König sprach Reinhard Kleber

 

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