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Ausgabe 65-1/1996

LITTLE PRINCESS

KLEINE PRINZESSIN

LITTLE PRINCESS

Produktion: Mark Johnson/Baltimore Pictures für Warner Bros., USA 1995 – Regie: Alfonso Cuarón – Buch: Richard LaGravenese, Elizabeth Chandler, nach der Novelle von Frances Hodgson Burnett – Kamera: Emmanuell Lubezki – Schnitt: Steven Weisberg – Musik: Patrick Doyle – Darsteller: Liesel Matthews (Sara), Liam Cunningham (Captain Crewe/Prinz Rama), Eleanor Bron (Miss Minchin), Vanessa Lee Chester (Becky), Errol Sitahal (Ram Dass) u. a. – Länge: 98 Min. – Farbe – Verleih: Warner Bros. (Homevideo)

Unverkennbar, dass "Little Princess" aus der Feder derselben Autorin, Francis Hodgson Burnett, stammt wie "Der geheime Garten". In beiden verfilmten Kinderbüchern steht ein junges Mädchen im Mittelpunkt, das aus der Wahlheimat Indien ohne Eltern zurückkehrt in die westliche Zivilisation und sich dort gegen die (Wahn-)Vorstellungen frustrierter und verkümmerter Erwachsener durchsetzen muss. Beide Filme bezaubern das Publikum, sind für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen sehenswert und so spannend wie ansprechend verfilmt. Nur dass der eine auch in die Kinos kam und "Little Princess" (so der nicht eingedeutschte Titel) nur auf Video herauskommt, obwohl er den "Garten" in seiner emotionalen Wirkung noch weit übertrifft, dabei straffer, realitätsverbundener, sicher auch weniger gefällig inszeniert ist.

Die kleine Sara, ein aufgewecktes, phantasiesprühendes und selbstbewusstes Kind, wächst Anfang des Jahrhunderts bei ihrem Vater inmitten der exotischen und magischen Welt Indiens auf. Als der Vater in den Ersten Weltkrieg befohlen wird, schickt er seine Tochter in ein teures New Yorker Mädcheninternat, das seinerzeit schon die Mutter besucht hatte. Doch jetzt steht es unter der strengen Fuchtel von Miss Minchin, einer alternden Jungfer, die sich gegenüber ihren Schutzbefohlenen ungerecht und lieblos verhält und Becky, ein schwarzes Waisenkind, als Haussklavin hält, das mit niemandem sprechen darf. Sara freundet sich trotzdem mit Becky an und zieht mit ihren spannend erzählten Geschichten langsam alle Mädchen in ihren Bann. Nach der Nachricht, der Vater sei bei einem Giftgasangriff getötet worden und sein Vermögen in Indien beschlagnahmt, brechen harte Zeiten für Sara an. Die Heimleiterin steckt Sara als rechtloses Hausmädchen in die oberste Dachkammer. Unterdessen zieht ein geheimnisvoller Fremder in das Nachbarhaus ein, der durch ein Kriegserlebnis sein Gedächtnis verlor... Nur durch Saras außerordentliches Selbstvertrauen und den unerschütterlichen Glauben an ihre Träume wendet sich am Ende doch noch alles zum Guten.

Ein ungewöhnlich starkes Stück Kino, bei dem in der besuchten Festivalvorstellung atemlose Stille bei Kindern und Erwachsenen herrschte. Ein Film mit pazifistischer Grundhaltung (der Frontkrieg als Söhne und Väter mordende Idiotie), der auf Toleranz und die Lernfähigkeit jedes einzelnen setzt. Er macht Kindern Mut, insbesondere den Mädchen, für ihre Vorstellungen vom Leben zu kämpfen, und er zeigt auf leicht nacherlebbare Weise, was Kinder oft ertragen müssen – und auch können, wenn ihre Seele nicht frühzeitig beschädigt wurde.

Man kann die Entscheidung des Verleihs nur bedauern, diesem wunderschönen Familienfilm aus marktwirtschaftlichen Überlegungen keine Chance im Kino gegeben zu haben, weil man ihm offenbar nicht zutraut, mit Disney-Produktionen konkurrieren zu können. Nicht mehr nachvollziehbar ist allerdings die Begründung, der Film sei nur "etwas für kleine Mädchen", auch wenn sich abgesehen von Vätern und erwachsenen Märchenprinzen kein Junge als unmittelbare Identifikationsfigur anbietet. Welch ein Glück doch für die Filmindustrie, dass wenigstens Simba, Mowgli und Oliver Twist männlichen Geschlechts sind. Weder den Eltern noch den Jungen scheint man offenbar zuzutrauen, die zentrale Botschaft des Films – jedes Mädchen ist eine kleine Prinzessin und verdient folglich Achtung und Respekt – selbstredend auch auf 'junge Prinzen' übertragen zu können. Unter solchen Umständen sollte man also auf keinen Fall das rosa Schleifchen auf der Videokassette vergessen, damit aus Versehen nicht noch ein kleiner Mini-Pascha zu diesem Video greift und womöglich später für Rambo & Co. im Kino verloren ist.

Holger Twele

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.LITTLE PRINCESS im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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