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Ausgabe 53-1/1993

DIE LOK

Produktion: TAG/TRAUM, Bundesrepublik Deutschland 1992 – Regie: Gerd Haag – Buch: Andreas Engelmann, Hans Gerd Müller, Gerd Haag – Kamera: Reinhard Köcher – Schnitt: Corina Dietz – Musik: Wolfgang Böhmer – Darsteller: Rolf Hoppe, Isabel Dotzauer, Marcus Fleischer, Christian Kitsch u. a. – Länge: 84 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Atlas Film (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Die fünf Kinder der Bande "Die Wölfe" wollen mit einer alten Draisine nach Sibirien ausreißen. Am Tag vor der geplanten Abfahrt besetzt ein ehemaliger Lokführer den Schuppen, in der die Draisine steht. Er will dort eine alte Dampflok wieder herrichten, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Zunächst versuchen die Kinder, den Alten zu vertreiben. Als aber auch fiese Tricks nichts nützen, entschließen sie sich, mit ihm zusammenzuarbeiten. Gegen einige Hilfsarbeiten an der ramponierten Lok bekommen sie die Draisine zurück. Bei einer missglückten Probefahrt geht das Gerät jedoch zu Bruch.

Für die geplante Expedition bleibt nun nur noch die Lok. Als der alte Eisenbahner nach einem Unfall ins Krankenhaus muss, fahren die Kinder auf eigene Faust mit der Lokomotive los. Ihr Computerspezialist konnte allerdings bei der Vorbereitung der Fahrpläne nicht wissen, dass ihnen unterwegs ein Sonderzug entgegenkommt. Gerade noch rechtzeitig können der Eisenbahner und der junge Computerfreak den drohenden Zusammenprall verhindern. Mit vereinten Kräften gewinnen Lokführer und "Wölfe" den Wettbewerb und damit eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn.

Der turbulente Abenteuerfilm bietet reichlich "action" für TV-gewohnte Kids. Die Schwächen des Drehbuchs sind jedoch trotz zahlreicher Wendungen nicht zu übersehen. Die phantasievolle Fabel konzentriert sich so sehr auf das Kinderquintett, dass alle erwachsenen Figuren bis auf den Lokführer geradezu karikaturhaft verkürzt wirken. Eine hysterische Mutter, ein ausbeuterischer Vater, ein brutaler Bruder, solche dramaturgischen Pappkameraden ohne psychologische Durchzeichnung erscheinen als Widerpart der kleinen Möchtegern-Ausreißer wenig glaubhaft. Realitätsfern ist auch, dass Kinder so einfach mit einem Dampflok-Oldie in das verwirrende Gleisnetz der Bundesbahn eindringen können und sich dort mit ein paar Computerinformationen sofort zurechtfinden.

Gelungen ist dagegen die Darstellung der Rivalitäten in der Kinderbande. So erweisen sich etwa die beiden Mädchen im Endeffekt cleverer als die sonst so dominierenden Jungs. Statt auf Konfrontation setzen sie früh und erfolgreich auf Kooperation mit dem Lokführer und tragen damit entscheidend zum Erreichen des Gruppenziels bei. Besonders sehenswert ist Rolf Hoppe in der Charakterrolle des verkrachten Eisenbahners, der einst mit Alkohol im Blut einen Unfall gebaut hat und am Ende dessen wahre Ursache herausfindet.

Auf Drängen des mitproduzierenden Fernsehens hat der Regisseur und Produzent Gerd Haag leider den altklugen Gruppenanführer in der Ich-Form Off-Kommentare zum Bildgeschehen sprechen lassen – eine ebenso lästige wie überflüssige Zutat, die die Bildaussage meist nur verdoppelt. Trotz ihrer Schwächen bietet DIE LOK reichlich kurzweilige Unterhaltung und eine handfeste Botschaft dazu: Bei Schwierigkeiten nur ja nicht gleich den Mut verlieren! Oder mit den Schlussworten des Bandenhäuptlings: "Entscheidend ist, dass man ein Ziel hat. Aber geiler ist, wenn man es auch erreicht."

Reinhard Kleber

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 53-1/1993 - Interview - Kindern Mut machen, der eigenen Phantasie zu vertrauen

 

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