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Ausgabe 53-1/1993

REINEKE FUCHS

Produktion: Shanghai-Zeichentrickfilm-Studio / Manfred Durniok Produktion, Bundesrepublik Deutschland/VR China 1990 – Regie: He Yumen, Zhuang Minjin, Manfred Durniok – Buch: Yao Zhongli, Bing Fu, Michael Kerwer, nach der Fabel von Johann Wolfgang von Goethe – Kamera: Tang Yichu, Herbert Schramm – Schnitt: Mo Puzhong, Barbara Hiltmann – Musik: Zheng Fang – Länge: 82 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Progress (35mm)

Der listige Fuchs Reineke lebt mit seiner Frau und zwei Kindern glücklich und zufrieden im Reich von König Nobel. Doch mit seinen Streichen verärgert Reineke andere Tiere und die Bauern so oft, dass sich die Beschwerden beim König häufen. Sein größter Feind ist der Wolf Isegrim, der als General des Königs vergeblich versucht, Abgaben von Reineke einzutreiben. Reineke gelingt es, den Wolf zu übertölpeln, indem er dessen Fressgier ausnutzt. Beim Fischefangen in einem zugefrorenen See büßt der törichte Wolf sogar ein Stück von seinem Schwanz ein.

Als das wilde Treiben Reinekes dem König zu bunt wird, beschließt er auf Betreiben der erbosten Höflinge, den Übeltäter vor Gericht zu laden. Doch auch die entsandten Generäle Braun, der Bär, und Hinze, der Kater, werden von Reineke ausgetrickst. Allerdings rät ihm sein Vetter, der Dachs Grimbart, sich lieber zu stellen. Am Königshof gesteht der Fuchs seine Untaten und bittet um Verständnis, weil er ja ein Raubtier ist. Doch der strenge König verurteilt ihn zum Tod. Kurz vor der Vollstreckung des Urteils kann Reineke aber fliehen. Mit einer letzten List überzeugt er den König davon, dass er der einzige Treue unter den Untertanen ist. Zum Dank wird er begnadigt und lebt künftig frei und unbehelligt mit seiner Familie wie in alten Zeiten.

Gleich drei Regisseure haben bei diesem achtzigminütigen Zeichentrickfilm zusammengearbeitet: die Chinesen He Yumen und Zhuang Minjin und der Deutsche Manfred Durniok, der sich bisher vor allem als Produzent hervorgetan hat. Auch bei diesem Märchenfilm nach Motiven von Johann Wolfgang von Goethe zeichnet er für die Produktion verantwortlich. Leider erreicht die Koproduktion mit dem Zeichentrickstudio im chinesischen Shanghai nur enttäuschendes Mittelmaß. Die grellbunten Zeichnungen wirken plump, die Bewegung der Figuren ungelenk, die Knittelverse holprig.

Der dramaturgische Einfallsreichtum der Adaption erschöpft sich in der Aneinanderreihung von Schelmereien, die bis auf eine Ausnahme nach dem gleichen Strickmuster ablaufen: Der raffinierte Fuchs überlistet seinen Gegner und lacht sich hinterher schadenfroh ins Fäustchen. Nur der Kater Hinze trickst Reineke einmal aus, als er die gemeinsam gestohlenen Würste in Sicherheit bringt und vor dem ohnmächtigen Fuchs genussvoll allein verspeist.

Positiv zu vermerken ist, dass Reineke als zwiespältiger Charakter dargestellt wird. So versucht der skrupellose Schwindler einmal seine Raubzüge mit dem Argument zu rechtfertigen: "Wenn man überleben will, kann man doch nicht nur ein Engelchen sein." Andererseits erweist sich Reineke als liebevoller Familienvater. Schon in der ersten Szene zieht er aus, um Futter für seine hungernden Kinder zu beschaffen. Am Ende hat er wiederum mit einer List erreicht, dass er mit seiner Familie so leben kann, "wie Füchse leben wollen". Problematisch erscheinen dagegen einige unnötig grausame Szenen. Fazit: Ein spannungsarmer Bilderbogen mit bescheidenem Unterhaltungswert. Reineke Fuchs würde sich schämen bei so wenig Phantasie!

Reinhard Kleber

 

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