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Ausgabe 70-2/1997

HARRIET, DIE KLEINE DETEKTIVIN

HARRIET THE SPY

Produktion: Rastar / Nickelodeon; USA 1996 – Regie: Bronwen Hughee – Buch: Douglas Petrie, Theresa Rebeck, nach einem Roman von Louise Fitzhugh – Kamera: Francis Kenny – Schnitt: Debra Chiate – Musik: Jamshied Sharifi – Darsteller: Michelle Trachtenberg (Harriet Welsch), Rosie O'Donnell (Golly), Vanessa Lee Chester (Janie), Gregory Smith (Sport), Eartha Kitt (Agatha Plummer) – Länge: 100 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: UIP (35mm) Alterseignung: ab 10 J.

Am liebsten schleicht Harriet mit Fernglas und Notizbuch durch die Gegend, beobachtet und registriert alles, was ihr wichtig erscheint. Auch wenn sie dabei schon mal einen Taschendieb erwischt oder bei der geheimnisvollen Nachbarin Mrs. Plummer zwecks Erkundung in den Essensaufzug steigt, sieht sie sich eigentlich weniger als Detektivin, sondern fühlt sich zur Schriftstellerin berufen. Ihr geliebtes Kindermädchen Golly ermuntert sie, alles schriftlich festzuhalten, um auf diesen Anfängen später ihre Literatenkarriere aufzubauen. Und so füllen hauptsächlich Beobachtungen und Gedanken über ihre Klassenkameraden und Freunde ihr Tagebuch, die sie manchmal zu kleinen, teils erfundenen Geschichten erweitert. Als das Heft in die Hände ihrer Intimfeindin, einer eingebildeten und mit dem Reichtum ihrer Eltern prahlenden Göre fällt, und diese Harriets "literarische Ergüsse" vor den Klassenkameraden zum Besten gibt, wenden sich sogar Harriets beste Freunde, Janie und Sport, von ihr ab. Sie rächt sich, indem sie die persönlichen Schwächen ihrer Kontrahenten öffentlich macht. Schließlich siegt aber doch die Vernunft: Harriet entschuldigt sich und darf zur Belohnung nun ihre schriftstellerischen Ambitionen als verantwortliche Redakteurin der Schülerzeitung austoben.

Dieser erste von dem TV-Kinderkanal Nickelodeon mitproduzierte Kinofilm erfüllt zwar penibel das Kriterium eines gewaltfreien Kinderfilms, aber von anderen Vorgaben wie "qualitativ hochwertig, von Kindern inspiriert, kindgerecht und phantasievoll" kann hier keine Rede sein. Allenfalls optisch ansprechend und mit einem erstaunlich einfallsreich komponierten Soundtrack versehen, erinnert dieses nach einem Kinderbuch-Bestseller entstandene Spielfilmdebüt an die von Nickelodeon bis zum Überdruss ausgestrahlten Kiddie-Sitcoms, die ihre "erwachsenen" Vorbilder nur nachäffen, ohne sich wirklich um die Bedürfnisse und (Alltags-)Sorgen von Kindern zu kümmern. Konsequenterweise folgt "Harriet" mit seinem episodischen Aufbau den dramaturgischen Gesetzen der Seifen-Opern, so dass man den "Einsatz" der (für die spätere Fernsehausstrahlung vorgesehenen) Werbeeinblendungen förmlich spürt.

Die vom Werbefilm kommende Regisseurin Bronwen Hughee hat offensichtlich mehr in ihren (wohl bescheidenen) Kinderfilm-Erinnerungen gekramt, als sich mit der literarischen Vorlage oder gar den Charakteren ihrer Figuren auseinander zu setzen. Ihre Harriet ist weder pfiffig noch frech noch besonders liebenswert – und benimmt sich schon gar nicht wie ein "normales" Kind. In Unkenntnis kindlicher Verhaltensweisen wird ein Konflikt konstruiert, um den träge vor sich hindümpelnden Film ein wenig voranzutreiben. Aber zur Konfliktlösung fallen den Autoren dann auch nicht mehr als unter die Gürtellinie zielende Aktionen von Harriet ein, die die Botschaft des Films – "die Wahrheit ist wichtig, aber deine Freunde auch" – geradezu ad absurdum führen. Und da das alles ohne wirklichen Witz oder originelle Ideen passiert, die Inszenierung viele Szenen – wie z. B. das Nachlaufen-Spiel im Wald – geradezu dilettantisch auflöst, pegelt sich der Unterhaltungswert bei Null ein.

Rolf-Ruediger Hamacher

 

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KJK-Ausgabe 70/1997

 

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