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Ausgabe 70-2/1997

"Eigentlich bist du verrückt, einen Film zu drehen, der völlig gegen den Strich geht"

Gespräch mit Frank Schleinstein zu seinem ersten Kinderfilm "Das Geheimnis der Kormoraninsel"

(Interview zum Film DAS GEHEIMNIS DER KORMORANINSEL)

Frank Schleinstein, Regisseur von Musikfilmvisionen wie "Erdspiel" und "Requiem", Anfang der 90er-Jahre für den Deutschen Fernsehfunk produziert, stellt in Gera zum 10. Deutschen Kinder-Film&Fernseh-Festival GOLDENER SPATZ seinen ersten Kinderfilm vor. "Das Geheimnis der Kormoraninsel" wendet sich an Kinder ab 10 Jahren und erzählt eine Kriminalgeschichte um einen verschollenen Schatz auf einer verlassenen Vogelinsel.

KJK: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Kinderfilm zu drehen, und woher haben Sie diese Geschichte?
Frank Schleinstein: "Nachdem ich in der Wendezeit Hauptabteilungsleiter beim Deutschen Fernsehfunk war und der Beschluss kam, den DFF nicht mehr leben zu lassen, hatte ich die Nase voll und wollte freischaffend werden, was sich zunächst als gar nicht so einfach darstellte. Das war Anfang 1992, und ich hatte plötzlich viel Zeit für meine Kinder Kristof und Juliane. Abends habe ich ihnen immer vor dem Einschlafen ellenlange Geschichten erzählt, so in Episoden. Meine Frau meinte dann, ich soll die Geschichte mal aufschreiben, das tat ich auch. Dabei fragte ich meine Kinder, wie war denn das oder das, und die wussten noch ganz viele Einzelheiten, sind also wirklich drangeblieben. Die Geschichte selbst ist natürlich nicht ganz frei erfunden. Ich kenne Mecklenburg-Vorpommern, da gibt es tatsächlich die Kormoraninsel und eine alte Legende, dass auf der Insel mal ein Schatz gelegen haben soll. Geschichten von Grafen, die 1945 vor den Russen abgehauen sind und irgendwo ihre Schätze vergraben haben, erzählt man sich dort auch. So, und das alles fügte ich eben zusammen, und da ich die Geschichte meinen Kindern erzählt habe, mussten halt die Hauptpersonen Kinder sein. Aber bis wir sie verfilmten, haben wir natürlich einen langen Weg zurückgelegt."

Die Kriminalgeschichte erscheint mir teils zeitlos, teils hat sie aber was mit der jüngsten Vergangenheit zu tun, oder?
"Naja, das ist ein entscheidender Punkt bei der dramaturgischen Beratung gewesen. Eigentlich sollte mit Öffnung der Mauer ein Mann aus dem Westen zurückkommen, der dort seine Kindheit verbracht hat und nun die Gelegenheit nutzt, diese aufzuarbeiten. Das hat aber den Dramaturgen nicht so gefallen und, ehrlich gesagt, bin ich jetzt auch froh, dass es eher eine zeitlose Geschichte geworden ist. Es ist in erster Linie ein Kriminalfilm: Ein lange zurückliegender Mord wird aufgeklärt."

Nun ist es aber hierzulande so, dass eine noch so gute Geschichte nicht ausreicht, um einen Film realisieren zu können. Man braucht Geld. Hatten Sie eine Drehbuchförderung?
"Nein, nichts. Ich habe das Buch herumgereicht, konnte Fernsehleute vom NDR interessieren, der ORB kannte mich sowieso und die haben dann überraschenderweise sehr viel Geld in den Film gesteckt. Den Rest musste man sich zusammensuchen: BMI, dann hatte ich das große Glück, weil es mein erster Kinofilm ist, dass das Kuratorium Junger Deutscher Film Geld gab, Mecklenburg-Vorpommern hat eine kleine Summe gegeben und noch verschiedene andere. Taunus-Film hat ihn dann produziert. Kalkuliert waren 2 Millionen Mark; 1,45 kamen zusammen. Da hilft ein Wahnsinnsengagement von tollen Profis, Martin Schlesinger an der Kamera, der Ausstatter Lothar Holler, die Kostümbildnerin Lucie Bates. – Es war übrigens meine erste Erfahrung, wie man Geld für einen Film sammelt. Die habe ich jetzt."

War es für Sie eine Umstellung, nun mit Kindern zu arbeiten?
"Ich weiß von meinen eigenen Kindern, dass man sie einfach ernst nehmen und die Geschichten so schreiben muss, dass sie von Kindern spielbar sind und trotzdem einen Anspruch haben, also nicht niedlich sind. Die Kinder spielen sich selbst und dagegen stehen die Schauspieler. Ich arbeite am liebsten mit Theaterschauspielern. Der Fremde wird dargestellt von Horst Lebinsky vom Deutschen Theater, die alte Parnell spielt Ruth Glöss vom Berliner Ensemble, selbst kleine Rollen sind mit gestandenen Schauspielern besetzt. Ich hoffe, es kommt so rüber, dass die Kinder etwas klüger sind, das heißt, die Schauspieler spielen ihre Rollen und die Kinder improvisieren mehr. Das war sowieso das Spannendste für mich beim Drehen: Die Kinder, die Typen. Wie der Tom sich entwickelt hat und am Ball geblieben ist."

Besonders mit Tom Renneberg als Mark bürsten Sie ja ganz schön gegen den Strich!
"Nein, nicht bewusst. Ich hab so ein Typ-Empfinden. Ich denke, dass Typen einprägsamer sind als Schönlinge. Es gab ja auch schon eine interne Vorführung für Kinder, und ich hatte den Eindruck, dass sie durch die Darsteller sehen: Ach, das kann mir auch passieren, das könnte ich ja sein. Horst Lebinsky, der den Fremden spielt, sagte zu mir: 'Eigentlich bist du verrückt, einen Film zu drehen, der völlig gegen den Strich geht. Wo nichts, aber auch gar nichts drin ist, was den gängigen Sehgewohnheiten entspricht. Und trotzdem macht es Spaß, ich wünsche dem Film viel Glück.'"

Was haben Sie als nächstes vor?
"Ich habe angefangen, für einen Film zu schreiben, mit dem Arbeitstitel 'Eric und das Phänomen der Zeit'. Das ist die Geschichte von einem Jungen, der zum letzten Mal mit seinen Eltern Urlaub macht und dabei ein phantastisches Erlebnis mit der Zeit hat, ein ganz spannendes Abenteuer. Danach gibt es einen Kipper und man denkt, das hat der bloß geträumt, doch dann fängt es wieder an und er sieht die gleichen Bilder, aber die Häuser sind alle zerfallen und er kann das nicht glauben. Der Schluss überrascht alle, die das Buch schon gelesen haben. Die einen sagen, das sei absurd, die anderen finden es wunderbar, wie ein Erwachen nach einem langen Traum. Für mich hat Film viel mit der Ebene von Traumbildern zu tun, und vielleicht kann ich hier eine Story und die Erzählung in Träumen zusammenführen."

Mit Frank Schleinstein sprach Barbara Felsmann

 

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