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Ausgabe 70-2/1997

SVENS GEHEIMNIS

Produktion: TV 2000 Film- und Fernsehproduktion im Auftrag des WDR Fernsehspiels; Deutschland 1995 – Regie: Roland Suso Richter – Buch: Klaus-Peter Wolf – Kamera: Achim Poulheim – Schnitt: Patricia Rommel – Darsteller: Katharina Meinecke, Richy Müller, Christopher Erbslöh, Katharina Schüttler, Anna Schmidt u.v.a. – Länge: 88 Minuten – Farbe – FSK: ab 12 Jahre – Videovertrieb: Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland – Altersempfehlung: ab 12 J.

Der zwölfjährige Sven ist mit allen Wassern gewaschen. Durch professionellen Taschendiebstahl erkauft er sich in seiner Schulgang die Anerkennung, die ihm zu Hause und in der Schule versagt bleibt. Seine Beute darf er allerdings nicht für sich behalten. Die muss er ebenso wie seine Mitschülerin Swetlana dem mächtigen und gewaltbereiten Anführer der "Homeboys" abliefern. Swetlana bezahlt auf dem Babystrich ihre Schulden bei den "Homeboys" ab. Dafür schützt die Gang ihre jüngere Schwester Julia: vor dem Liebhaber ihrer Mutter und den Drogen feilbietenden "Daimlers", der konkurrierenden Schulgang. Swetlanas Leben ist bereits verkorkst – umso umsichtiger passt sie auf Julia auf, die es einmal besser haben soll. Von den Erwachsenen, insbesondere ihren Eltern, erwarten Sven und Swetlana schon lange nichts mehr.

Alles läuft scheinbar reibungslos, bis Sven ausgerechnet seiner neuen Lehrerin Vera Loewe bei ihrer Ankunft auf dem Bahnhof das Portemonnaie klaut. Mit ihren 25 Jahren ist Vera Loewe das weitaus jüngste Mitglied eines Lehrerkollegiums, das nach rund zehn Jahren erstmals wieder eine neue Planstelle zu vergeben hat. Vera Loewe liebt ihren Beruf und ist noch jung genug, um an pädagogische Erfolge zu glauben. Eine Hoffnung, die ihre Kollegen längst aufgegeben haben. Voller Idealismus mischt sich Vera in das Leben ihrer Schüler ein und versucht ihnen zu helfen. Sven vertraut Vera zunächst ebenso wenig wie allen anderen Erwachsenen. Aber er entkommt ihr auch nicht. Dabei kann Vera Loewe das Gleichgewicht der Gewalt zwar stören, doch die Gang-Bosse bleiben eine Antwort nicht schuldig. In der Schlussszene, in der im Klassenzimmer die Kinder darüber jubeln, dass die engagierte und beliebte Lehrerin trotz vieler Schwierigkeiten weiterhin an der Schule bleiben will, zeigt eine lange Kamerafahrt auf die Straße, wie die bis dahin von Swetlana beschützte Julia von zwei Nachwuchs-Zuhältern in das Auto eines Freiers gezwungen wird.

Mit rauen Action-Szenen und stimmungsvollem Realismus zeichnet Roland Suso Richter die Problemwelten der Schüler zu einem dichten Schulporträt zwischen Gewaltspirale und verlorenen Gefühlen. Dass der Film trotz der Problemfülle (Jugendkriminalität, Prostitution und Gewalt an Schulen) nicht in vordergründige Action oder ins Sozialpädagogische abdriftet, ist nicht nur Wolfs Drehbuch zu verdanken, sondern auch dem authentischen Spiel der jugendlichen Darsteller. Christopher Erbslöh als Sven wirkt rotzfrech, dann wieder sensibel und empfindsam. Und Katharina Schüttler spielt ihre Swetlana eindrucksvoll selbstbewusst als Kindfrau zwischen den Fronten. Die dichte Atmosphäre verdankt der Film auch der Kameraarbeit von Axel Poulheim, der die winterliche Tristesse des Ruhrgebiets der Geschichte angemessen einfängt. Der gesellschaftskritische und zugleich unterhaltsame Film berührt durch das Schicksal seiner Protagonisten und stimmt nachdenklich. Aufgrund seiner sensiblen und differenzierten Inszenierung erhielt der Film den Erich-Kästner-Fernsehpreis 1996 für das beste Kinder- und Jugendfernsehprogramm und wurde von dem Empfehlungsausschuss Medien der Obersten Landesjugendbehörden zum Ankauf für den Verleih empfohlen.

Irene Schoor

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 70-2/1997 - Interview - "In dieser irren Wut auf die Erwachsenenwelt und in der Auflehnung gegen sie, darin trägt Sven ganz viele Züge von mir."

 

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