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Ausgabe 72-4/1997

EIN FALL FÜR DIE BORGER

THE BORROWERS

Produktion: Working Title, Großbritannien 1996 – Regie: Peter Hewitt – Buch: Gavin Scott, John Kamps, nach der Buchreihe 'Die Borger' von Mary Norton – Kamera: John Fenner, Trevor Brooker – Schnitt: David Freeman – Musik: Harry Gregson-Williams – Darsteller: John Goodman (Ocious P. Potter), Jim Broadbent (Pod Clock), Mark Williams (Exterminator Jeff), Celia Imrie (Homily Clock), Flora Newbigin (Arrietty Clock), Bradley Pierce (Peter Lender) u. a. – Länge: 86 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Polygram (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Es beginnt verblüffend. Ein Junge baut alle möglichen Fallen aus und erprobt sie. Bis seine Mutter in der Waschmaschinentrommel von einem zur Mausefalle umgebauten Gebiss an den Fingern erwischt wird. Dann erfährt man den Grund für diese Tätigkeit. Peter ist überzeugt davon, dass es für das Verschwinden von Gegenständen im Haus der Lenders einen anderen Grund geben muss als die Vergesslichkeit seines Vaters. Und er hat Recht. In den Ritzen zwischen Wänden und Böden haust nämlich eine Familie der Borger, winzige, etwa zehn Zentimeter große Zwerge, deren Grundsätze da lauten, sich nie von Menschen sehen zu lassen und nie mehr zu borgen als sie brauchen.

Natürlich entdeckt und fängt Peter die kleine Arrietty, das naseweise Borgermädchen. Er erklärt ihr, dass die Lenders das Haus verlassen müssen, weil Anwalt Ocious P. Potter Anspruch darauf erhebt, da das Testament von Tante Mary nicht aufzufinden ist, die den Lenders das Haus vermacht hat. Peter will den Clocks, so heißt die Familie der Borger, beim Umzug helfen. Aber das verursacht – bei aller Winzigkeit der Borger – riesige Probleme. Kaum sind die Lenders weg, da taucht Potter auf, um das Testament aus dem versteckten Safe zu holen und zu vernichten. Glück im Unglück: Arrietty und ihr kleiner Bruder Peagreen sind aus dem Umzugsauto gefallen und können das Testament an sich bringen. Damit beginnt eine aberwitzige Verfolgungsjagd durch die Stadt, in eine Molkerei, in den Untergrund und ins Rathaus, wo Potter sich fast schon am Ziel wähnt, bis plötzlich Hunderte von Borgern aus den Regalen springen ...

Ein hübscher kleiner Film mit völlig aberwitzigen Spezialeffekten. Selten haben "normale" Menschen und "Zwerge" in einem Film so gut harmoniert wie hier, wo man kaum die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sieht. Aber nicht nur das Thema an sich fordert die Findigkeit der Filmemacher heraus. Auch das gesamte Umfeld ist mit Liebe zu jedem Detail gestaltet. Die an "Moderne Zeiten" erinnernde Molkerei, oder die gigantische Stadtansicht mit Ziegelwolkenkratzern und absichtlich stilisierten, "falschen" Perspektiven (wie im Hintergrund manchen Hitchcockfilms) seien nur als einige der vielen Gags am Rande erwähnt, die diesen Film zu einer runden Sache machen. Ganz abgesehen vom rundlichen John Goodman, der einen wunderbar überzeichneten Gauner abgibt und dabei (in Aussehen und Gestus) wie eine Reinkarnation von Jackie Gleason wirkt. Sein Ocious Potter ist köstlich gemein und wird dafür grandios gestraft.

Trotz vieler Gags und wirklich eindrucksvoller Spezialeffekte, ist dies kein Hauruck-Haudrauf-Slapstick-um-jeden-Preis-Film. Er ist versponnen, hintergründig, auf charmante Weise humorvoll und pfiffig. Natürlich kommen die Knalleffekte nicht zu kurz, aber sie wirken nie so gemein und lebensbedrohend wie etwa in "Dennis".

Obwohl der Film eine gewisse Ruhe und Selbstgelassenheit ausstrahlt, ist er keinesfalls langatmig. Im Gegenteil. Er bietet eine solche Fülle staunenswerter Bilder und kurioser Einfälle, dass man sich gern in diese Phantasiewelt entführen lässt, die kindliche Vorstellungen ernst nimmt, ohne deshalb in Grübeleien zu verfallen. Glänzende Unterhaltung für Kinder und Menschen, die ihre Kindheit noch nicht vergessen haben.

Wolfgang J. Fuchs

 

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KJK-Ausgabe 72/1997

 

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