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Ausgabe 72-4/1997

KOLYA

Produktion: Biograf Jan Sverák, Portobello Pictures, Ceska Televize, Pandora Cinema, CinemArt; Tschechische Republik / Großbritannien / Frankreich 1996 – Regie: Jan Sverák – Buch: Zdenek Sverák, nach einer Geschichte von Paul Taussig – Kamera: Vladimir Smutny – Schnitt: Alois Fisarek – Musik: Ondrej Soukup – Darsteller: Zdenek Sverák (Frantisek Louka), Andrej Chalimon (Kolya), Libuse Safrankova (Klara), Ondrez Vetchy (Herr Broz), Stella Zazvorkova (Frantiseks Mutter) u. a. – Länge: 105 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Buena Vista (35mm) – Altersempfehlung: ab 14 J.

Prag 1988. Sowjetische Laster rollen über die Straßen der Tschechoslowakei. Die Bevölkerung hat sich arrangiert. Wer es aber nicht tut, muss dafür büßen, wie Frantisek Louka, der Cellist. Er spielte in der Staatlichen Philharmonie und wurde zum Beerdigungsmusiker degradiert. Weil er unter chronischer Geldnot leidet, lässt er sich wider besseren Wissens auf die Bitte eines Freundes ein und heiratet pro forma dessen entfernte russische Verwandte, damit sie tschechische Papiere erhält. Dabei fällt eine bescheidene Summe für Louka ab, womit er sich endlich den ersehnten Gebrauchtwagen, einen Trabant, kaufen kann. Doch dann kommt alles anders, denn plötzlich steht der fünfjährige Kolya vor seiner Tür, zurückgelassen von seiner nach Westdeutschland getürmten Mutter, Loukas Schein-Ehe-Frau. Widerstrebend nimmt der Musiker den Jungen bei sich auf und erlebt ein unvorhersehbares Chaos vertrackter Situationen – und den Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Analog zu den umwälzenden politischen Ereignissen im Land erfährt Louka seine eigene, persönliche Revolution.

"Kolya", mit dem "Oscar" und dem "Golden Globe" für den besten nicht-englischsprachigen Film 1996 und zahlreichen europäischen Preisen ausgezeichnet, ist auch in Wirklichkeit eine Vater-Sohn-Geschichte: Autor und Schauspieler Zdenek Sverák schrieb das Skript und spielt Louka, während Sohn Jan Sverák Regie führt.

Der Film entstand ganz in der Tradition des tschechischen Films der 60er- und 70er-Jahre (Menzel, Forman) und beschreibt in leisen und ironischen Tönen menschliche Unzulänglichkeiten und Schwächen. Filme dieser Art können uns mitten ins Herz treffen, weil wir uns in den Figuren auf der Leinwand selbst erkennen und der Film zu einem Teil von uns wird. Die Personen erinnern uns an die eigenen Schwächen, zeigen aber auch, wie wir damit fertig werden können. Die Geschichte von Frantisek und Kolya führt uns vor, wie Sprachbarrieren und Vorurteile abgebaut und Nähe aufgebaut werden können, wenn wir nur bereit sind, aufeinander zuzugehen. Der Film zeigt auch, wie das Leben eines verbitterten Einzelgängers durch die naive Kraft eines Kindes verändert und bereichert werden kann.

Zu der Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit des Films trägt das natürliche Spiel des kleinen Hauptdarstellers Andrej Chalimon bei. "Wir entdeckten einen Engel, der sein Leben vor der Kamera spielte, als ob es überhaupt kein Drehbuch gäbe, als ob das, was wir auf der Leinwand sehen, wirkliches Leben sei", schreibt Regisseur Jan Sverák. Der Film wechselt dramaturgisch zwischen charmanter Situationskomik und liebevollen wie präzisen Detailbeschreibungen. Dank der hervorragenden Kameraarbeit von Vladimir Smutny geschieht dies meist auf visuelle und emotionale Weise. Der Film braucht nicht viel Worte und ist daher für Kinder und Erwachsene gleichermaßen verständlich. Die Musik von Anton Dvorak und Bedrich Smetana u. a. gibt dem Film die richtige Atmosphäre von Melancholie und Fröhlichkeit. "Ich denke, wir brauchen Filme über Gefühle und Emotionen. Mir gefiel die Idee von diesem Mann, der unter vielerlei Druck steht und doch auf sein Herz hört. Filme mit solcher Thematik brauchen wir mehr als alle anderen", schreibt der Hauptdarsteller und Drehbuchautor Zdenek Sverák.

Maria Ratschewa

 

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KJK-Ausgabe 72/1997

 

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